Das Unwort des Tages

Normalerweise schreibe ich meine Blog-Einträge erst zu vorgerückter Stunde. Aber diese Zeilen muss ich subito loswerden, solange alles noch warm ist. Sie helfen mir vielleicht auch, das Erlebte ohne Spätschäden zu verarbeiten.

Tatort: Migros. Die Kassiererin verrichtet brav ihre Aufgabe, zieht einen Artikel am anderen über das Lesegerät. Die Kundin, um die vierzig Lenze zählend, ist am einpacken, bezahlt, und dann geschieht das Unfassbare. Ich vernehme ein Wort, das ich längst aus meinem Wortschatz verbannt habe, das ich selber nie mehr brauche, das hierzulande geradezu verpöhnt ist. Die Kundin – ich bin schon ganz zittrig, beim Gedanken, dass ich dieses Unwort demnächst schreiben werde – die Kundin sagt sage und schreibe: „Adiö Frölein“.

Meine Ohren müssen gewackelt, ja gebebt haben ab diesen zwei Wörtern. Unglaublich. „Frölein“, so hat man vor vielleicht zwanzig Jahren noch die Bedienung im Restaurant heran gerufen. „Frölein“ brauchte man für weibliche Wesen jeden erwachsenen Alters, wenn man etwas von ihnen wollte. Aber das war im letzten Jahrtausend!

Ich dachte bislang, das „Frölein“ hätte den Sprung ins 21. Jahrhundert nicht mehr geschafft, sei linguistisch ausgestorben. Heute wurde ich eines Besseren belehrt.

Das Frölein an der Kasse verzog keine Miene, ganz im Gegensatz zu der Frau, die diese Zeilen schreibt. Ich konnte mir eine Bemerkung nicht verkneifen. Doch die Kundin schien unbeeindruckt. Auch wenn das Frölein absolut ihre Mutter hätte sein können.

Die Migros schreibt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle mit Namen an. Ein Frölein habe ich in meinem bevorzugten Einkaufsladen schon lange nicht mehr angetroffen.

4 Gedanken zu “Das Unwort des Tages

  1. saluti du „Unwortschreiberin“ :-)….dieses Wort ist im Restaurant immer noch in meinem Ohren, auch im 21. Jahrhundert noch….ich frage mich dann immer, WIE rufe ich dann die Serviertochter heran….ihren Namen kenn ich ja nicht…mit Frau kannst sie auch nicht rufen……ja dann, wie denn???
    Grüessli Woodi

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  2. Frölein?? nichts besoderes. So werde ich immer wieder benamst. Ausserdem wurden die Briefe unserer Bank bis vor 2 Mt. mit Frölein Pfeuti angeschrieben, bis es Vett den Hut glupft hät.

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