Ameisen-Alarm

Ich hatte die 74 Kilometer Velotour und insbesondere die letzten sechs Kilometer rasanter Abfahrt genossen. Mit keiner Faser meines nicht mehr ganz so taufrischen Körpers war ich darauf vorbereitet, was mir gleich blühen sollte. Doch dann sah ich sie. In mehreren Wolken schwebten sie bedrohlich über der Strasse. Keine Chance, ihnen auszuweichen. Woraus diese Schwärme bestanden, wusste ich im ersten Moment nicht. Es tönte nach zerplatzen Insekten, als wir – mit eingezogenem Kopf – durch die Wolken fuhren.

Wir kehrten zum Wohnmobil zurück und taten das, was wir immer tun, wenn wir von einer Velotour zurückkommen: Wir verpflegten uns, duschten und versorgten die Rennvelos. Draussen tanzten Insekten. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich als fliegende Ameisen. Eigentlich harmlos. Wenn es nicht so arg viele gewesen wären.

Hatten sie nur die Ausländer im Visier, oder behelligten sie die Franzosen auch? Wir konnten es nicht ausmachen. Sicher ist nur: Es waren viele. Sehr viele. Zu viele. Und wir Deppen liessen am Wohnmobil Tür und Tor offen. Die Ameisen liessen sich nicht lange bitten und belagerten unser Womi von allen Seiten. Auch im Fahrzeug-Inneren schien es ihnen zu gefallen.

Nun sind ja solche Insekten an sich harmlos. Sie stechen nicht, beissen nicht, verbreiten keinen unangenehmen Geruch und keine lästigen Töne. Aber ihre schiere Präsenz war für mich Anlass genug, (mit reichlich Verspätung!) Alarm zu schlagen. Also wurden alle Fliegengitter geschlossen. Mit dem Resultat, dass zwar die Ameisen, die angesichts meiner Kampfansage vielleicht das Weite gesucht hätten, nicht mehr raus konnten, doch immerhin konnten auch keine mehr rein kommen.

Dann ging das grosse Gemetzel los. Sie liessen sich widerstandslos einsammeln, einzeln pflücken. Immer wieder kam eine zum Vorschein. Und immer wieder das gleiche Prozedere: pflücken, sie freundschaftlich zwischen zwei Fingern begrüssen und dann ab in den Abfall-Sack.

Am nächsten Morgen, man höre und staune, waren immer noch welche da. Sie hatten auf unserem Womi biwakiert. Mit der Sonne begannen sie sich wieder zu recken und strecken. Wir liessen sie gewähren. Der Schreck kam erst, als ich den Teppich raus nahm. Darunter – DARUNTER!!! – hatte sich ein gutes Dutzend dieser fliegenden Biester versteckt. Sie wurden ausnahmslos entsorgt. Aber mein mittlerweile geschultes Auge fand noch mehr ihrer Artgenossen. Auf dem Bett, in der Dusche, am Fenster. Ihnen drohte das gleiche Schicksal.

Einen halben Tag später. Wir machen Mittagspause, sind in der Zwischenzeit knapp zwei Stunden gefahren. Ich gehe in die Dusche und was sehe ich auf dem Fliegengitter des Dachfensters? Ein weiteres Dutzend Ameisen. Wie sind denn die hierhin gekommen. Langsam aber stetig krieg ich die Krise!

Zwei Tage später. Es hat immer noch Ameisen. Ganz vereinzelt. In ziemlich dehydriertem Zustand, wohl kaum mehr zu retten. Dafür geht es mir wieder etwas besser. Trotzdem weiss ich, dass ich die allerletzten Ameisen wohl erst in einer gründlichen Putzaktion aus dem Womi entfernen werde. Das hat dann allerdings noch etwas Zeit. Mit den paar Leichen, die jetzt noch rumliegen, kann ich leben.

4 Gedanken zu “Ameisen-Alarm

  1. Hallo ihr beiden Weltenbummler

    Habe mit einem Schmunzeln auf den Lippen, euer Abenteuer mit den fliegenden Ameisen gelesen. Vielleicht liegt es am Namen Bea, auf jeden Fall kriege auch ich die Krise von den fliegenden Ameisen. Ich kann dich gut verstehen. Ich wünsche euch beiden weiterhin eine spannende und erlebnisreiche Reise. Viel Glück und liebe Grüsse aus der Schweiz

    Bea Schneider

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