Wie im hölzigen Himmel

Die Gegend um Toulouse ist – zurückhaltend ausgedrückt – langweilig. Wir haben jedenfalls keine Veranlassung gesehen, uns dort aufzuhalten und sind von unserem letzten Übernachtungsplatz aus – erinnert ihr euch, der geniale Stellplatz bei Privatleuten? – zügig weitergefahren. Die letzten Landstriche mit den seit langen ersten Rebbergen hinter uns lassend, haben wir das weite Tiefland der Garonne durchquert.

Und plötzlich tauchten sie am bisher so eintönigen Horizont auf. Stolz wie immer, zwar noch etwas weit im Dunst entfernt, aber unverkennbar: die Pyrenäen. Wir haben diesen Gebirgszug, der vom Atlantik bis ans Mittelmeer eine natürliche Barriere zwischen Frankreich und Spanien bildet, praktisch in seiner Mitte angefahren. Im Vallée de l’Aure waren wir schon mal, der Stellplatz von Arreau ist unser Ziel. Dieser ist zwar nicht lauschig, da nur ein öder Parkplatz, aber das Örtchen praktisch als Ausgangspunkt für Velotouren geeignet.

Einige Facts zu den Pyrenäen gefällig? Der mittlere Drittel wird „Hautes Pyrenées“ genannt. Hier gibt es 30 Gipfel, die über 3’000 Meter hoch sind, der Höchste der Pique Longue mit 3’298 m. Auf 4’464 m2 leben 237’000 Einwohner. Es gibt Wölfe, Bären, Bartgeier, Gämsen und 150’000 Schafe. Ausserdem grasen auf den weitläufigen Weiden Kühe, Pferde und Esel. Alles in allem eine herrliche Idylle, sofern man weitab vom Schuss ist. Aber immer wieder auch hektischer Trubel in den Ballungszentren.

Die nahezu perfekte Ruhe haben wir gestern einmal mehr auf einer Radtour gefunden. Unser Ziel war ein eher bescheidenes Pässchen, das unsere Mühen mit einem prächtigen Panorama belohnt hat. Da es in den Pyrenäen keine Gletscher und nur noch von blossem Auge kaum auszumachende Schneeflecken gibt, ist um diese Jahreszeit in der Höhe alles braun.

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Leider sind wir nicht die Einzigen, denen es in den Pyrenäen gefällt. Es sind hier brutal viele Leute mit Wohnmobilen unterwegs. Der Blick auf den Kalender bestätigt aber: Hey, es ist nicht mehr Hochsaison. Jesses, wie muss es hier im Sommer zu und her gehen. Wie im hölzigen Himmel? Wir sind nun schon das vierte Mal in den Pyrenäen, das letzte Mal vor drei Jahren. Die Veränderung ist frappant. So frappant, dass selbst im sehr toleranten Frankreich die Wohnmobile in die Schranken gewiesen werden mussten. Zwar selten mit Höhenbalken, aber doch mit Übernachtungsverbot auf gewissen Parkplätzen.

Den Nuggi raus gehauen hat es uns gestern auf dem Stellplatz in Arreau. Wir wurden zu beiden Seiten von einem Wohnmobil zuparkiert. Okay, allen Anderen erging es nicht besser, aber das muss nun wirklich nicht sein! Heute stehen wir drum ausnahmsweise auf einem Campingplatz. Hat auch mal sein Gutes, so konnten wir gemütlich die Stühle raus nehmen und etwas Hausarbeit verrichten wie Wäsche waschen etc.

Hierhin gefahren sind wir über einen der berühmten Pyrenäen-Pässe, den Col de Peyresourde (1589 m), und Bagnères de Luchon. Im lebhaften Kurstädtchen hängen noch immer Transparente von der Tour-de-France-Ankunft im Juli dieses Jahres. Ja die Franzosen und ihre Tour. Diese Begeisterung kommt uns auch zu Gute, denn Velofahrern gegenüber verhält man sich hierzulande trotz flotter Fahrweise erstaunlich tolerant.

Wir wurden in den drei Tagen, seit wir in dieser Gebirgsregion sind, stets von blauem Himmel begleitet. Erstaunlich, obschon es am Morgen jeweils nur knapp zehn Grad hat, wurde es auch heute wieder nahezu dreissig Grad warm. Für morgen ist noch sonniges Wetter angekündigt, danach scheint es, dass wir wieder mindestens zwei Regentage überstehen müssen. Sieht grad so aus, als hätte ich dann wieder Zeit für einen nächsten Blog-Eintrag.

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