Mitten ins Chaos

St. Girons ist eine anschauliche Kleinstadt und bietet viele Möglichkeiten für Radtouren. Zu dumm nur, dass die Stadtväter keinen lauschigeren Wohnmobil-Stellplatz zur Verfügung stellen. Trotzdem haben wir von hier aus zwei Radtouren unternommen. Die eine eher ins Flachland hinaus und den Flussläufen Garonne und Salat folgend. Die gestrige hinauf auf den Col du Portet d’Aspet (1’069 m).

Dieser Pass hat eine traurige Berühmtheit erlangt, als im Juli 1995 der Tour-de-France-Fahrer Fabio Casartelli in der Abfahrt tödlich verunglückte. Wir sind diesen Pass vor ein paar Jahren schon einmal gefahren und haben am Monument, das zum Gedenken an Casartelli erstellt wurde, gehalten.

Gestern haben wir auf der Passhöhe unsere Fahrräder um 180° gewendet und sind wieder den gleichen Weg runter gefahren. Mit viel Schwung sind wir durch die Dörfer gedüst. Auch die Pyrenäen sind nicht von der Abwanderung verschont. Ganze Häuserzeilen entlang der Strasse scheinen verwaist. Viele Häuser werden zum Verkauf angeboten. Wenn man überhaupt Leute sieht, dann häufig Alte.

Es war wohl nicht die beste Idee, gestern nach der Radtour noch weiter zu fahren. Aber eben, wenn man schon am Morgen wüsste, was man dann am Abend weiss. Wir wollten die 45 Kilometer bis nach Foix fahren. Dort hatten wir im GPS einen Stellplatz gefunden. Aus Erfahrung wissen wir, dass die späten Nachmittagsstunden nicht gerade ideal sind, um in eine französische Stadt zu fahren. Deshalb hatten wir gehofft, unterwegs schon einen Übernachtungsplatz zu finden. Diese Hoffnungen schwanden aber mit jedem Kilometer und schon fanden wir uns mitten im Chaos von Foix wieder.

Das Tüpfchen aufs i setzte unser Navi, führte es uns doch von einem Kreisel aus in eine Sackgasse. Wenden war angesagt. Zum Glück gab es einen einzigen freien Parkplatz in der engen Strasse, sonst hätte mein innig geliebter Chauffeur uns nicht aus der Misere raus bekommen. Später sagte er mir, er hätte sich schon überlegt, in welche Richtung er rückwärts in den Kreisel einfahren müsste. Bloss das nicht!

Wir gaben uns noch nicht geschlagen und fuhren ein weiteres Mal durch die „Prachtsallee“ der sehr geschäftigen Kleinstadt. Ein grosser Parkplatz, der gemäss Navi der Womi-Stellplatz hätte sein sollen, erwies sich bereits als proppenvoll. Trotzdem hingen einige Wohnmobile schräg am Trottoir-Rand. Nein danke, da blieb nur eines: die Flucht ergreifen.

Da ich keinen Plan B greifbar hatte, fuhren wir die erstbeste Ausfallstrasse und mussten einige Kilometer fahren, bis wir anhalten und uns neu orientieren konnten. Der Tag nahm ein halbwegs gutes Ende, als wir in einem unbedeutenden Nest einige Kilometer ausserhalb von Foix einen verwaisten Parkplatz bei einer Tanzschule fanden. Auch wenn ich von Tanzen rein gar nichts halte, den Parkplatz nahm ich mit Handkuss. Und auch die wilden Pflaumen, die hinter dem Gebäude reif am Baum hingen, und die offensichtlich niemand wollte, verschmähten wir nicht. Ganz im Gegenteil, wir sammelten ein Sieb voll ein und kochten Kompott.

Nach zwei sonnigen Tagen mit Temperaturen Nahe 30 Grad war es heute den ganzen Tag bedeckt. Aus der hochnebelartigen Bewölkung fielen vereinzelte Tropfen. Wir hätten heute Abend auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz (der notabene im Michelin-Führer empfohlen wird) beinahe ein ähnliches Fiasko wie gestern erlebt. Doch diesmal waren wir wesentlich früher dran. Was uns in Quillan passiert ist, spare ich mir aber für morgen auf.

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