Den Wanderschuhen auf den Fersen

Ein Wanderschuh ist nicht bloss Fussbekleidung. Mit einem Wanderschuh teilt man Freud und Leid.  Ein Wanderschuh ist etwas sehr Besonderes, Intimes, man wächst in ihn hinein, geht eine Bindung ein.

Jeder Wanderschuh kann Geschichten erzählen. Leider haben die Treter nur eine beschränkte Lebensdauer. Deshalb habe ich allein in den letzten 12 Jahren 5 Paar Wanderschuhe durchgelatscht.

Ausgabe 1998 trat mit mir im darauffolgenden Jahr die grosse Reise über den Atlantik an. Auf Dutzenden von schönen Wanderungen in Amerikanischen und Kanadischen Nationalparks war er mein zuverlässiger Begleiter. Bis zu dem Moment, als ich nach einer Wanderung in der Nähe eines Gletschers in Alaska plötzlich Dreck unter den Zehennägeln hatte. In Alaska tauglichen Ersatz zu finden, erwies sich schwerer als erwartet.

Erst in Valdez (dort, wo 1989 die grosse Ölkatastrophe war) fanden wir in einem Outdoor-Store einen mit  „onehundred percent waterproof“ angepriesenen Schuh, der halbwegs meinen gehobenen Vorstellungen entsprach – Modell Alaska 2000 trat in mein Leben. Dass mir das Finklein (für alle Deutschen Leser: ein „Finke“ ist  auf schweizerdeutsch kein Singvogel, sondern ein Hausschuh!) schon auf der ersten Wanderung nasse Füsse bescherte, erstaunte mich allerdings angesichts des Preises und der Verarbeitung nicht wirklich.

Leider konnte ich erst ein Jahr später, als wir wieder zu Hause waren, dem Treter Alaska 2000 etwas Brauchbareres vor die Nase setzen.  Modell Eidgenoss 2001 durfte zuerst die heimische Bergwelt erkunden und kam zwei Jahre danach in den einmaligen Genuss, Kängurus in der freien Wildbahn zuschauen zu dürfen. Und es durfte den höchsten Berg Australiens, den 2’228 m hohen Mount Kosciusko, besteigen. Besteigen ist allerdings etwas hoch gegriffen, denn mit jedem halbwegs fahrtüchtige Einkaufsvelo könnte man ab der Sesselbahn Endstation auch dorthinauf pedalen – wenn es denn erlaubt wäre. Wir haben selbstverständlich auf die Bahn verzichtet und bewusst den längeren, landschaftlich interessanteren Weg in Kauf genommen. Eines Tages löste sich vorne die Sohle vom Schuh. Ein australischer Schuhmacher leimte sie wieder an und versicherte mir, sie werde sich never again ablösen. Na denkste! Never war schon bei der nächsten Wanderung zu Ende. Der Schuh durfte die Heimreise mit uns nicht mehr antreten, wir hatten auch so genügend Übergewicht. Also nicht wir, aber unser Gepäck.

Zielstrebig erstand ich zu Hause wieder ein paar Wanderschuhe, Modell 2005, bzw. Meindl Air Revolution. Mit ihnen war ich sehr glücklich, aber offensichtlich sind wir in den vergangenen fünf Jahren nie richtig in den Regen gekommen. So fand ich erst auf unserer Jura-Wanderung diesen August heraus, dass sie trotz Gore-Tex Innenfutter absolut nicht dicht sind. Nach dem Motto „Ich habe nichts zu verlieren“, brachte ich sie ins Sportgeschäft zurück. Dieses schickte sie dem Hersteller ein. Dank der Mithilfe des Sportgeschäfts und etwas guten Zuredens meinerseits wurde mir (die Schuhe waren gemäss Hersteller nicht reparierbar, wie seltsam…) der volle Kaufpreis zurückerstattet! Eine flotte Geste angesichts des fast biblischen Alters der Schuhe.

Nun marschiere ich also mit dem Modell 2010, wiederum von Meindl, durch die Gegend. Ich kann versichern, auch wenn die Schuhe gratis waren, das Wandern ist nicht umsonst.

  

3 Gedanken zu “Den Wanderschuhen auf den Fersen

  1. Pingback: Eine wird schon passen | Flohnmobil - im Alltag unterwegs

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.