Oberengadiner Geschäftstüchtigkeit

Es ist zwar angesichts der herrschenden Gefrierschrank-Temperaturen pure Energie-Verschwendung, aber ich muss mal etwas Dampf ablassen. Wir sind nun schon eine ganze Woche im Engadin, genauer gesagt in Silvaplana, in den Ferien. Mit dem gewählten Standort sind wir zwar nicht bei den Oberbonzen, aber die Champagnerluft weht trotzdem bis hierher. Oder besser gesagt die Abluft, bzw. die Auswüchse.

Wo andere Skiorte um diese Jahreszeit Vorsaison-Tarife anbieten, rupft man bei den Oberengadiner Bergbahnen die Skifahrer nach allen Regeln der Kunst. 72 Franken sind bestimmt kein bescheidener Preis für eine Tageskarte. Wenn man bedenkt, dass erst 50 % der Anlagen und kaum ein Drittel aller Pisten in Betrieb sind, wäre hier ein gewisser Preisnachlass durchaus angebracht.

Heute Nachmittag waren wir auf der Corvatsch-Seite am Skifahren. Bei der Plattform zum Einstieg der linkel Gondel war es derart vereist, dass eine Frau geradewegs in die Gondel rein gestürzt ist. Erst nachdem innert Minutenfrist eine zweite Person am gleichen Ort hingefallen ist, hielt man es für nötig, Auftausalz zu organisieren.

Im Skigebiet Corvatsch-Furtschellas lief gerade mal die untere Sektion Luftseilbahn und ein einziger Skilift. Für so etwas werden dem Skifahrer 59 Franken abgeknöpft (Halbtages-Karte), also gleich viel, wie wenn sämtliche 15 Anlagen des Gebiets in Betrieb wären! Zugeben, für die Witterungsverhältnisse können die Bahnbetreiber nichts und bei 100 km/h Wind möchte ich gewiss nicht auf den 3’303 m hohen Gipfel schweben. Aber das Gebotene und der Tarif klaffen weit auseinander. Den Bündnern wird bekanntlich eine gewisse Sturheit zugesprochen, doch in dieser Preispolitik schlägt sich nicht Sturheit, sondern totale Unflexibilität nieder.

Wenn ich es recht bedenke, sind sie zwar so unflexibel auch wieder nicht. Gestern nach 15.00 scheuchten sie nämlich am Munt San Murezzan, dem einzigen noch laufenden Sessellift links der Corviglia-Bahn, die Skifahrer buchstäblich vom Berg runter und machten früher dicht.

Es ist eine leidige Tatsache, dass die Bergbahn-Betreiber immer Gründe finden, um ihre Preise anzuheben. Sei es wegen einem neuen Sessellift oder der Erweiterung der Beschneiungs-Anlage. Die nächsten Preisaufschläge sind durch die Liberalisierung des Strommarktes vorprogrammiert.

Und wenn ich schon am wettern bin, kann ich gleich noch etwas Unprofessionelles anfügen. Am vergangenen Sonntag sind wir auf der Piste auf einen Skiunfall gestossen. Nachdem die Begleiter des Verunglückten vergebens versucht hatten, per Handy den Rettungsdienst zu alarmieren, fuhren wir an die Talstation von Salastrains und wollten über den Unfall informieren. Dass man dort nur italienisch sprach, zog die Sache unnötig in die Länge. Wir fuhren anschliessend wieder hoch und sahen vom Sessellift aus, dass noch kein Rettungsschlitten vor Ort war. Eine geschlagene halbe Stunde musste der Verunglückte auf Rettung warten. Angesichts der tiefen Temperaturen wäre dies auch für einen Unverletzten eine Tortur gewesen.

Auf den Engadiner Skipisten möchte ICH nicht verunfallen. Das gilt allerdings auch für andere Skigebiete.

2 Gedanken zu “Oberengadiner Geschäftstüchtigkeit

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.