Pikante Details

Es ist vermutlich mein treuster und damit ältester Begleiter in der Küche. Währschafter als der Duromatic, der bei der Gründung des eigenen Haushalts noch nicht mit von der Partie war. Schärfer bestückt als mein Messerblock, der erst im Verlauf der Jahre in die Kochduelle eingreifen konnte. Mit Sicherheit übersichtlicher als meine stetig wachsende Rezeptsammlung. Traditioneller auch als der hypermoderne Dampfgarer, der neuerdings die Küche aufwertet. Und illustrer als das Geschirr, das sich nach einem mehrjährigen Ausrutscher in die Welt des eher Rustikalen nun lammfromm weiss zeigt.

Die Rede ist von meinem Gewürzgestell. Zwei Etagen bestückt mit Pfiff und Schärfe, die längst nicht mehr mein ganzes Sortiment an Kräutern und Gewürzen aufnehmen können. Zwei mal sechs Gläser, die meine geschmacklichen Vorlieben zum Ausdruck bringen. Tun sie das wirklich? Nein, ein Ding der Unmöglichkeit, denn allein schon die Pfeffermühle ist nicht dort untergebracht und doch für praktisch jedes Gericht unentbehrlich.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert begleitet mich dieses braune Holzregal durch alle Höhen und Tiefen meines kulinarischen Wirkens. In sämtlichen Küchen hatte es seinen Stammplatz direkt neben dem Herd. Dadurch hat es zwar den einen oder anderen Fettspritzer abbekommen, aber trotzdem wirkt es noch so stramm wie am ersten Tag. Sein Inhalt hat sich laufend meinem Geschmack angepasst. Wo früher Estragon stand, behauptet sich mittlerweile Ingwer, die Herbes-de-Provence-Mischung musste Orangenpfeffer weichen.

Eines nach dem anderen sind die ursprünglichen Gewürzgläser neueren Produkten gewichen. Was sich nicht nachfüllen liess, wurde der Bequemlichkeit halber durch die Gläser der Grossverteiler ersetzt. Die einst stolze Einheit zwölf identischer Gläser hat einem kunterbunten Sammelsurium Platz gemacht.

Doch das Regal musste noch eine weitere epochale Entwicklung verkraften. Waren früher die Gläser nur mit dem Namen des Inhalts beschriftet, prangen heute Abbildungen von Peterli oder Chili-Schoten als sprachübergreifend anerkannte Gewürz-Symbole auf den kleinen Etiketten. Weitere Informationen wie http://www.-Adressen und Recycling-Piktrogramme liest zwar kein Mensch, aber sie gehören offensichtlich dazu.

Wenn in absehbarer Zeit auch noch beim allerletzten Gewürzgläschen der Preisaufdruck wegfällt, werden einige Quadratmillimeter frei auf den Etiketten. Ich wüsste durchaus wie man diesen Platz nutzen könnte: Vielleicht mit einer etwas grösseren Schrift, damit ich auch in Zukunft noch ohne Lupe kochen kann.

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