Der Steinbock und die Weltcup-Rennen

Das Spektakel war vorüber. Die Helikopterflüge hatten deutlich abgenommen, die Menschenmassen waren wieder verduftet. Zaghaft lugte er um den Felsvorsprung herum. Was er sah, stimmte ihn nachdenklich. Noch immer hatte es viele Zweibeiner in seinem Revier, aber kein Teil mehr so arg wie noch bis vor kurzem. Der Steinbock wunderte sich einmal mehr, weshalb man für ein paar bunt gekleidete Wahnwitzige einen derartigen Aufwand betreiben musste. Und noch weniger, weshalb ihnen grölende Horden dabei zujubelten

Aus diesen Zweibeinern wurde er nicht klug. Vor kurzem noch hatten sie gejammert, sie hätten zu wenig Salz für die Strassen. Aber hier am Lauberhorn verteilten sie das angeblich so rare Zeugs gleich eimerweise. Je nach Situation kam grobkörniges oder feines Salz zur Anwendung. Dem Steinbock war das völlig schnuppe. Obschon – Salz war eine Delikatesse, an die er nur in Ausnahmefällen herankam. Vielleicht würde ja irgendwo auf einem Häufchen etwas für ihn übrig bleiben.

Sie waren komische Vögel, diese Zweibeiner. Noch komischer waren die, die sich in der Rolle der Organisatoren dieser Skirennen sahen. Denen konnte es wirklich niemand recht machen. Hatte es viel Schnee, jammerten sie. Schneite es, jammerten sie erst recht. Hatte es Nebel und er, der Steinbock, konnte sich inkognito etwas umsehen, jammerten sie am lautesten. Dieses Jahr jammerten sie, weil es zu wenig Schnee hatte und zu warm war. Was nun also? Sie hatten ja ihre fauchenden Schneekanonen, die selbst die grünste Landschaft in eine Skipiste verschandeln konnten. Dieses Jahr war es wieder besonders krass. Der Steinbock konnte bereits die ersten Krokusse riechen rechts und links von diesem salzgeschwängerten Schneeband.

Noch waren die Zweibeiner damit beschäftigt, Kilometer von Sicherheitsnetzen und Abschrankungen zu entfernen. Ein paar weitere Tage voller Emsigkeit und Helikopterlärm und dann würde der Steinbock endlich wieder seine Ruhe haben. So viel Ruhe halt, wie man als Steinbock hatte, wenn man in einem weltberühmten Skigebiet zu Hause war.

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.