1001 Nacht

Man kann zwar das Kuschelkissen, die Bettdecke und den Partner mit ins Wohnmobil nehmen, aber es schläft sich eben doch anders als in den festen vier Wänden. Ruhig schlummern im Womi will nämlich gelernt sein. Meist ist es etwas enger als daheim. Man sollte sich nicht darüber aufregen, dass man gegebenenfalls die halbe Inneneinrichtung umbauen muss, um die Schlafstelle zu konstruieren. Über das Schnarchkonzert aus dem benachbarten Vehikel muss man grosszügig hinwegsehen. Und sollten plötzlich – wie uns einmal passiert – Kaninchen ihren Reproduktionsdrang unter der Hinterachse ausleben, wertet man es als Zeichen für eine intakte Natur.

Dafür ist der Weg zur Toilette angenehm kurz. Sofern man sie denn benutzt und es nicht vorzieht, mitten in der Nacht einen Spaziergang quer durch den Campingplatz zu unternehmen. Es gibt natürlich auch Leute, die der Bequemlichkeit halber hinter den nächsten Baum pinkeln.

Ich kann meine Nachtruhe überall zelebrieren. Mein innig geliebter Mitreisender behauptet gerne, er könnte glattweg mit dem Womi losfahren, ohne dass ich etwas davon merken würde. Tatsächlich bin ich schon mehr als einmal mitten in der Nacht aufgewacht und finde das Bett neben mir verwaist. Der Mitreisende klebt im Dunkeln hinter der Fensterscheibe, beobachtet irgendetwas draussen. Gähn. „Was gibt’s?“ „Ein Auto hat neben uns parkiert.“ Ach so. Ich hätte das nicht einmal gehört, hätte die vielleicht drohende Gefahr glattweg verschlafen.

Wir suchen uns natürlich Übernachtungsplätze aus, die wir als ungefährlich einstufen. Am liebsten etwas ab vom Schuss. Dieses Vorgehen hat sich bis anhin bestens bewährt. Auf drei Kontinenten und bei mittlerweile bald 2’000 Übernachtungen.

Allzu ängstlich sollte nicht sein, wer sich fürs freie Übernachten entscheidet. Doch bei aller Unbekümmertheit ist es sicher angebracht, gewisse Vorsicht walten zu lassen. So stellen wir unser Fahrzeug in der Regel immer so hin, dass wir notfalls mitten in der Nacht vorwärts wegfahren könnten. Deshalb liegen bei uns auch keine Gegenstände herum, die bei einer überstürzten Abfahrt zuerst verstaut werden müssten. Selbstverständlich hängt der Zündschlüssel immer am dafür vorgesehenen Haken und der Fahrersitz ist in Fahrtrichtung zurück gedreht. Aus einer alten Gewohnheit heraus legt der Mitreisende seine Kleider immer an die genau gleiche Stelle. Er könnte sich selbst im Stockdunkeln anziehen. Obschon es meinem Naturell eher widerspricht, habe ich mir auch angewöhnt, abends meine Kleider gesittet hinzulegen.

Das Tolle am Reisen im Wohnmobil ist, dass die Aussicht aus dem Schlafzimmerfenster ständig wechselt. Jeden Morgen ein neues Panorama – diesen Luxus kann nicht mal ein Fünfsternehotel bieten. Da nehme ich es gerne in Kauf, dass ich mich am Vorabend etwas in Disziplin üben muss.

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

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