Geburtsstunde einer Bonsai-Journalistin

Genau heute vor vier Jahren wurde mein erster Zeitungsartikel veröffentlicht. Rückblickend muss ich sagen, dass die Blattmacherin eine gehörige Portion Zuversicht an den Tag gelegt hatte, mir ausgerechnet jenen Schreibauftrag zu erteilen. Es handelte sich nämlich um eine ganz spezielle Form der Berichterstattung, die an einem genau definierten Platz in der Zeitung und genau am Montag, 19. Februar 2006 erscheinen musste. Hätte ich einen unbrauchbaren Text abgeliefert, hätten die auf der Redaktion ein Problem gehabt und ich wohl nie mehr die Gelegenheit, für den Tages-Anzeiger zu schreiben.

Ich hatte den Auftrag gefasst, mich am Samstag einer Wandergruppe anzuschliessen, mit den Leuten zu plaudern und bis am Sonntag 12.00 meine 3’000 Zeichen abzuliefern. Was war ich aufgeregt! Ob ich die Gruppe am vereinbarten Ort überhaupt treffen würde? Ob mir im entscheidenden Moment die richtigen Fragen einfallen würden?

Alles lief glatt. Das illustre Grüppchen fand es ziemlich speziell, dass ich meine Premiere hatte und sie meine Versuchskaninchen waren. Als die Leute gemerkt hatten, dass ich ein ganz normaler Mensch bin, legten sie ihre Zurückhaltung vor der „Reporterin“ ab und ich wurde ein Teil von ihnen. Sie luden mich sogar ein, wieder einmal mitzukommen. Als Privatfrau.

An jenem Abend hatte ich daheim vorsorglich ein schnelles Essen eingeplant. Ein Käsefondue ist innert Minuten auf dem Tisch, passte in die Jahreszeit und sättigt nachhaltig. Ich hatte ja keine Ahnung, wie lange mich diese 3’000 Zeichen (was etwas weniger als dem Umfang dieses Blog-Beitrags entspricht) beschäftigen würden. Immer und immer wieder las ich meinen Text durch, bevor ich ihn am Sonntag schliesslich abschickte. Am nächsten Tag wäre ich am liebsten der Zeitungsverträgerin entgegen gerannt. Ich hielt die Spannung kaum noch aus, als ich den Tagi aus dem Briefkasten nahm. Da war er also – mein erster Zeitungsartikel! Ich war mächtig stolz.

Seither habe ich über 300 Artikel und Artikelchen geschrieben. Zugegeben, die meisten davon waren eher seichter Natur. Nichts desto trotz war der morgendliche Blick in die Zeitung immer mit einer gewissen Spannung verbunden, denn nebst den vereinbarten Aufträgen schickte ich häufig Kolumnen und Glossen ein, die zu einem beliebigen Zeitpunkt erscheinen konnten. Es bestand also jederzeit die Möglichkeit, dass etwas von mir in der Zeitung stand.

Seit der Auflösung der Regionalredaktionen im vergangenen November kocht meine journalistische Karriere auf Sparflamme. Damit mein Schreib-Gen nicht verkümmert, habe ich in diesen Blog eröffnet. Das bringt zwar keine Kohle ein, aber der Spassfaktor ist enorm. Und die stetig wachsenden Leserzahlen zeigen mir, dass ich nicht gänzlich in den luftleeren Raum hinaus schreibe. Ein kleines Bisschen eitel ist man ja schliesslich schon.

Ein klärendes Wort zum Titel dieses Beitrags. Mit „Bonsai-Journalistin“ wollte ich nicht suggerieren, dass ich mich auf diese frisierten Zwergbäumchen spezialisiert habe (obschon ich auch einmal darüber geschrieben habe und überhaupt sehr häufig Natur-Themen anpackte), sondern den Umfang meiner journalistischen Tätigkeiten zum Ausdruck bringen. Punkt.

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