Die Honigkuh

Der Menschheit höchstes Ziel, so scheint es mir je länger je mehr, ist die Überlistung der Natur. Mensch kauft mitten im Winter Tomaten, die doch eigentlich DAS Sommergemüse sind. Schneien lässt Mensch es nach Belieben aus der Maschine. Den Veilchenduft sprayt Mensch aus der Dose. Seine Kühe begattet er mit dem Köfferli-Muni.

Es ist eine ungesunde Entwicklung, dass jederzeit und nach Belieben alles für uns zur Verfügung stehen soll. Sie verpufft viele wertvolle Ressourcen und lässt den Verstand verkümmern. Und sie macht uns dumm, ignorant und hochmütig. Wer Kartoffelstock mit einem Silberbeutel und Milch mit einer Tetra-Verpackung assoziiert, statt mit Kartoffeln, die in der Erde gewachsen sind und Kühen, die (leider nur noch allzu selten) auf der grünen Wiese weiden durften, ist von bescheidenem Geist.

Deshalb für einmal eine etwas erweiterte Bildlegende: Auch wenn es hier den Anschein erwecken könnte, dass die Kühe (genau, diese zwei braunen Wesen im Vordergrund) ins Bienenhaus (das ist das putzige Häuschen mit den farbigen Tafeln im Hintergrund) gehören, muss ganz klar betont werden: Auch wenn die Schweiz für viele ein Land ist, wo Milch und Honig fliessen, dazu brauchen wir auch im 21. Jahrhundert noch summende, stechende Bienen UND muhende, CO2 furzende Kühe.

5 Gedanken zu “Die Honigkuh

  1. Die heutige Konsumgesellschaft will vor allem eines: konsumieren! Alles, immer und von überall her. Früher kaufte man auf dem Markt ein, was in der Gegend in der Saison produziert wurde oder kochte, was im Keller oder im Estrich gelagert werden konnte. Im Winter halt viel Kartoffeln und die von mir so geliebten Dörrbohnen, welche ich zusammen mit meiner Grossmutter „auffädelte“ und wir im Herbst im Estrich trocknen liessen. Aber heute müssen es Tomaten mit wenig Geschmack aus dem Treibhaus, Ananas aus Honduras, frische Bohnen aus Marokko, Braeburn-Äpfel aus Australien, Spargeln aus Peru, Kiwis aus Neuseeland und CO2-Blöterli aus dem besetzten Palästina sein – das ganze Jahr ohne Pause…
    Liebe Grüsse
    Urs

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    • An die CO2-Blöterli leiste ich auch meinen Beitrag – eigentlich aus purem Unwissen und mit der Idee, der Umwelt etwas Gutes zu tun. Aber Spargeln aus Peru und Äpfel aus Australien kommen mir aus Prinzip nicht ins Haus. Auch kein „Bio“-Fenchel aus WeissderKuckuckwieweitweg.
      Gestern gab es bei uns übrigens Dörrbohnen zum Znacht. Bei genauerem Hinsehen stammen die allerdings auch aus China 😦
      Es ist wirklich nicht einfach, sich heutzutags noch „korrekt“ zu ernähren.

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      • Ich weiss – es geht uns ja auch so. Wenn man schon bei den Kartoffeln schauen muss, ob sie nicht aus Israel (und dann meist aus dem besetzten Westjordanland) stammen, wird’s wirklich schwierig. Gerade vor ein paar Tagen sah ich eine Schachtel Trauben im Laden?! Trauben im Februar? Ja klar – aus Chile 😦
        Bei den Bohnen kommt mittlerweile eine grosse Menge aus Marokko, aber oft ist es schwierig, Knoblauch zu finden, welcher nicht vom fernen China hierher gekarrt wird…
        Also: Rindfleisch von Ott’s Bauernhof auf der Manzenhueb, Bienenhonig vom Peter aus Wangen bei Olten, frisches Brot vom Bosshard aus Balterswil und Käse aus dem Zürcher Oberland vom Stefan in Neubrunn/Turbenthal, da weiss man, was woher kommt. Aber ein ganzes Menü lässt sich damit halt noch nicht auf den Tisch stellen!
        Ich geh‘ jetzt einkaufen…

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