Am Ende Europas

Die Algarve – also die Südküste Portugals – gilt als eine der beliebtesten Ferienregionen Europas. Sie hat verschiedene Gesichter. Im Osten, da wo wir angefangen haben, sind die Strände flach, meist sind Lagunen vorgelagert, so dass man nur über Brücken oder mit dem Boot ins Meer kommt. In dieser Region ist es trotz erheblichen Touristenbauten noch einigermassen beschaulich geblieben. Nicht so im Westen. Dort wechseln sich Sandstrände und felsige Küstenabschnitte ab. Und dort geht die Post ab. Hässliche Ferienburgen reihen sich an der Küste auf und haben sich tief ins Landesinnere gefressen. Wir haben diesen Anblick nur von der Autobahn aus genossen, das hat vollends gereicht. Unseren ersten Stellplatz bei Manta Rota, nahe der spanischen Grenze, können wir nur in den höchsten Tönen loben. Ein eigens für Wohnmobile ausgeschilderter Parkplatz hinter der Düne und dem weitläufigen Strand. Duschen, Wasserhahn, Entsorgung, Läden in unmittelbarer Nähe. Mehr zu begehren wäre unverschämt.

Im Hinterland sieht es immer etwa gleich karg aus. Dort wo bewässert werden kann, gedeihen üppig Orangen- und Zitronenbäume sowie Gemüse. Etwas genügsamer sind die Olivenbäume. Sonst viel Gestrüpp und entlang der bescheidenen Wasserläufe meterhohes Schilf mit herrlich blühenden Oleandern, aufgeforstete Pinienwälder und häufig Eukalyptusbäume. Die Portugiesen haben die meisten ihrer Bäche und Flüsse aufgestaut. Nicht etwa, um Strom zu gewinnen, sondern für die Wasserversorgung. Da und dort sieht man Windfarmen, viele sind noch im Entstehen.

Wir konnten uns trotz der hohen Temperaturen für zwei Velotouren ins Hinterland aufraffen. Die Route zu finden war auf der ersten Runde ein Glücksfall. Die Orte, die in unserer Karte verzeichnet sind, sind auf den Wegweisern nicht drauf, so konnten wir nur der Nase nach fahren – und sind einigermassen dort gelandet, wo wir wollten. Die Strasse variierte von asphaltiertes Bachbett bis tip-top. Aufgrund dieser Erfahrung hatten wir uns für die zweite Tour für eine gelb eingezeichnete Strasse entschieden, in der Hoffnung, dass wir so nicht an jeder Kreuzung die Karte hervorholen müssen – denn das Navi mögen wir beim Velofahren nicht auch noch dabei haben. Bingo! Auf und ab, an vereinzelten Häusern und noch weniger Dörfern vorbei strampelten wir auf einer durchwegs guten Strasse 32 km durchs Hinterland und auf dem gleichen Weg wieder zurück.

Natürlich haben wir uns auch mal ins Getümmel gestürzt. Die Altstadt in Lagos mit ihren engen Gassen ist nämlich sehenswert. Und von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung zum touristischen Aushängeschild der Algarve – der Ponte da Piedada. Die Küste ist in diesem Abschnitt felsig und das Meer hat aus den Klippen Türme ausgesägt. Das alles ist ganz nett und sollte man sich sicher anschauen, wenn man schon mal hier ist. Wir kommen nicht umhin, die Great Ocean Road in Australien als Vergleich hinzuzuziehen. Sorry, liebe Portugiesen, aber dort geht es noch ein paar Schuhnummern imposanter zu und her!

Beim Cabo Sao Vicente, dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes, thront ein Leuchtturm über den 60 Meter hohen Klippen. Hier treffen Tante Mittelmeer und Vater Atlantik aufeinander. In dieser windumtosten Gegend kann sich kein Baum behaupten. Nur noch Gestrüpp beherrscht das Landschaftsbild. Und ein Stand, der die „Letzte Bratwurst vor Amerika“ verkauft.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

10 Gedanken zu “Am Ende Europas

  1. Danke für die gute Beschreibung und die schönen Bilder.
    Hoffe auch die Portugiesen werden mit der neuen Regierung erfolgreich die finanziellen Probleme bekämpfen. Touristen, die etwas Geld ins Land bringen, ohne das Land gleich zu verwüsten könnten da wohl auch helfen.

    Liken

  2. Wunderschön beschrieben und ebenso herrliche Fotos dazu.

    Was mich ein bisschen stutzig macht: Du schreibst, dass am Cabo Sao Vicente der Atlantik und das Mittelmeer zusammentreffen. Ich dachte immer, das würde bei Gibralatar sein. Ich kann mich an unseren Andalusienurlaub in Conil de la Frontera erinnern, dass wir da an der Costa de la Luz schon den Antlantik vor der Nase hatten – falls ich mich nicht irre! 🙂

    Liken

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.