Das Ende der Beschaulichkeit

Wir haben uns nichts Böses dabei gedacht, als wir in der Parkanlage in Serta ein schattiges Plätzchen anfuhren. Das Thermometer zeigte satte dreissig Grad, Schatten war gefragt, in diesem Ort kein allzu rares Gut.

Das Schicksal nahm seinen Lauf, als mein innig geliebter Mitreisender die Campingstühle in der gepflegten Grünfläche aufstellte. DAS sollte man vielleicht nicht machen, zumal selbst die Portugiesen auf die offensichtliche Abkürzung über die Wiese, pardon – den Rasen – verzichteten. Unter den Augen zahlreicher neugieriger Portugiesen schritt plötzlich ein Uniformierter des Weges. Er trug schwarze Stiefel bis unter die Knie. Lange Sporen hatten die Treter, als wenn er angeritten gekommen wäre – aber er war definitiv im Jeep vorgefahren. Er bellte uns an, dass wir hier nicht „campieren“ dürften. Natürlich auf Portugiesisch, aber wir konnten schon erahnen, was er von uns wollte. Wir verschoben uns ein paar Meter und platzierten die Campingstühle ins Kies um, so dass wir die hehre Grünfläche nicht mehr entweihten mit unseren profanen Birkenböcken.

Die Beschaulichkeit konnte weitergehen. Das tat sie auch. Vor allem, weil mein innig geliebter Mitreisender die nächstgelegenen Rasensprenger-Düsen mit einem Stein beschwert hatte. Grad jedes Dreckwasser lassen wir auch nicht an unser Womi ran! Wir gingen essen und weil das hierzulande nicht vor 20.00 geschieht, kamen wir entsprechend spät wieder zum Womi zurück. Vollgefressen wie wir waren, konnten wir trotzdem nicht sofort einschlafen. So waren wir immer noch hellwach, als kurz vor 24.00 Uhr ein Fahrzeug neben uns parkierte, das wir zuerst als Wohnmobil erachteten.

Weit gefehlt! Das Wohnmobil war eine Imbissbude. Und diese rollte nicht nur ihre Markise runter, sondern setzte auch einen laut dröhnenden Generator in Gang. Uns blieb nur die Flucht! Vom anderen Ende des Parkplatzes aus konnten wir sehen – an Schlaf war vorerst nicht zu denken – dass die Hamburger regen Zulauf zu verzeichnen hatten. Als ein weiteres grosses Fahrzeug anzurollen schien, meinte der Mitreisende lakonisch: „Jetzt chunnt no dä mit em Magebrot.“

Wie Phönix aus der Asche war der Imbissstand aufgetaucht. Und da der Zulauf, oder vielmehr das Gekarre zum Stand, auch drei Stunden später noch anhielt, mussten wir uns aus dem Staub machen. Aber diesmal definitiv weiter weg. Unseren Schönheitsschlaf holten wir erst in der folgenden Nacht nach.

6 Gedanken zu “Das Ende der Beschaulichkeit

    • Wenn dir jemals jemand einen rumpelnden, knatternden Generator nebens Kopfkissen gestellt hätte, würdest du nicht so doof fragen. 😉
      Und nein, natürlich haben wir uns nicht neben eine Chilbi gestellt. Aber wer kann schon wissen, dass um Mitternacht noch einer einen Grillstand auftut?

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