In den Serras

Nun hat mich so etwas wie ein Supergau ereilt – mein Surfstick hat den Geist aufgegeben. Diesen Beitrag hatte ich noch geschrieben, als alles in Butter war, wollte ihn nochmals durchlesen und dann abschicken und dann einfach nichts mehr. NICHTS MEHR. Und das im tiefsten Portugal! Ich habe schon mehrere Versuche unternommen, einen neuen Surfstick zu beschaffen, aber die scheinen alle SIM-locked zu sein. Nun muss ich mich vorläufig als Pirat betätigen und mich in fremde Netze einschleichen – so wie heute. Vielleicht werde ich in Zukunft nur noch Beiträge ohne Bilder schreiben, vielleicht finde ich eine befriedigende technische Lösung. Mal sehen. Nun also der Post, der schon am letzten Samstag online hätte gehen sollen:

Gebirge ziehen uns mehr an als das Meer. Das Meer hier an der Westküste Portugals ist rau, kalt und meist etwas monoton. Über Sanddünen watscheln mögen wir genauso wenig wie als paniertes Schnitzel herumliegen. Kurzum: Mein innig geliebter Mitreisender und ich sind keine Wasserratten.

Der Norden Portugals ist wesentlich gebirgiger – nein, bleiben wir bei der Wahrheit – hügeliger, als der Süden. Wir haben die Serra da Lousa durchfahren. Dort geht es bis 1‘202 m hinauf. Nicht mit den Wanderschuhen, sondern fahrenderweise auf einem rumpligen Teerbelag. Und was erblickt das Auge von dort aus? Hügelkämme in sämtliche Himmelsrichtungen. Und auf allen Hügelkämmen Windräder. Tausende von Windrädern gibt es in Portugal. Da diese Hügelkämme unbewohnt und auch ungenutzt sind, richten die lärmigen Windräder quasi keinen Schaden an. Von einem traumhaft schön gelegenen Übernachtungsplatz bei einer Kapelle aus können wir uns am Abend eingehend mit der Funktionsweise der Windräder auseinandersetzen. Schon genial, diese drei Rotorblätter, nie gibt es einen toten Punkt.

In der schroffen Nordseite der Serra Lousa hat sich so etwas wie Mischwald erhalten können. Das ist eine wohltuende Abwechslung zu den monotonen aufgeforsteten Eukalyptus- und Föhrenwäldern, die man sonst in Portugal antrifft. Die Gegend ist – jedenfalls für portugiesische Verhältnisse – reich an Wasser. Und dieses Wasser in den Flüssen kann man meist ohne Lupe ausmachen. Es lockt auch zum Bade. Dazu habe ich mich bereits separat geäussert.

Das nächste Gebirge am Weg ist die Serra da Estrela, wo mit dem 1993 m hohen Torre Portugals höchster Berg steht mit dem einzigen Skigebiet des Landes. In einem Laden unten im Flachland werden neben den obligaten Lederwaren, Käsen und Schinken Mützen und Handschuhe verkauft. Neben der Eingangstüre stehen zwei Paar Schneeketten. Die Strasse ist gut ausgebaut, die Vegetation eher kümmerlich und was bis vor einem Jahr noch wuchs, hat ein Feuer verwüstet. Das felsige Gelände erinnert etwas an die Grimsel. Etwas. Denn dazu fehlt definitiv noch etwas an Panorama.

Mein innig geliebter Mitreisender (seines Zeichens Skilehrer) und ich krümmen uns ab dem Skigebiet. Ein Vierersessellift, drei Skilifte und etliche Schneekanonen. An der Talstation steht ein museumsreifer Ratrac. Das ganze Gebiet ist von einem Drahtgeflecht umgeben und etwa halb so gross wie der Atzmännig. Eine breite Strasse führt bis zuoberst auf den Gipfel. Wir haben unseren alpinistischen Stolz überwunden und sind hochgefahren.

Ein Gletschertal macht hier oben von sich reden. Es verläuft schnurgerade Richtung Manteigas. Selbstverständlich ist schon Jahrtausende lang kein Eis mehr vorhanden. Die Serra da Estrela ist eher fast ein liebliches Gebirge. Die Vegetation ist nicht üppig, Bäume hat es praktisch keine, auch wenn auf diesem Breitengrad die Waldgrenze weit über 2‘000 Metern liegt. Der Wind wird wohl ziemlich üppig über diesen Landstrich fegen.

Szenenwechsel. Zurück an die Küste nach Aveiro. „Venedig Portugals“ wird dieses Universitätsstädtchen etwas gar abgehoben genannt. Tatsache ist, dass es ein paar Kanäle gibt, die von der Lagune her ins Städtchen reichen. Diese werden heutzutage mit bunten Booten und neugierigen Touristen drauf befahren. Wir haben uns auch für so eine 45-minütige Tour hinreissen lassen. 5 Euro sind ja nicht alle Welt.

Nun sind wir – Wäsche war mal wieder fällig – auf einem Campingplatz und geniessen echt portugiesisches Campingleben. War der Campingplatz in Lissabon vorwiegend von ausländischen Touristen benutzt, ist dieser hier mehr oder weniger eine rein portugiesische Angelegenheit. Die – schwer zu schätzen – etwa 200 Wohnwagen stehen verheerend nahe beisammen, die Autos müssen draussen bleiben. Für Durchgangs-Touristen hat es gerade mal eine Handvoll Plätze. Es gibt einen einzigen Ausgang, das ganze Gelände ist eingezäunt. Ich mag lieber nicht dran denken, was passieren könnte, wenn eine Gasflasche in die Luft geht.

Hier haben wir endlich mal einen Blick ins „Reisemobil International“, Ausgabe Juni 2011, geworfen. So erfahren wir, dass hier in Portugals Norden gewisse, bis anhin kostenlose Autobahnen, nun auch etwas kosten. Die Erfassung erfolgt elektronisch, man muss sich ein Kästchen, ähnlich wie die Go-Box, anschaffen bzw. als Tourist mieten. Davon hatten wir null Ahnung und haben uns bestenfalls gewundert, was die Erfassungsgeräte dereinst sollen. Gestern – und wirklich erst gestern, haben wir erstmals eine solche scharf geschaltete Autobahn befahren. Ob die Erfassungsgeräte unsere schittere Schweizer-Nummer entziffern können, damit sie wissen, wohin die Rechnung geschickt werden muss? 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein Gedanke zu “In den Serras

  1. So manches erinnert mich an die Berge Andalusiens. Naja, sind ja nicht grad soooo weit weg. 😉
    Schön sieht es auf jeden Fall aus.
    Hoffe, Dein Internetproblem löst sich bald in Wohlgefallen auf.

    Liken

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.