Schrecklich voll und unendlich einsam

Er hat mich richtiggehend ins Messer laufen lassen. Dabei hätte er es gewusst. Mein innig geliebter Mitreisender konnte sich absolut bombensicher sein, dass es mir nicht gefallen würde. Aber ich hätte es ihm nicht geglaubt. Ich musste es selber erfahren und es war sehr, sehr heilsam.

Ich wollte einfach unbedingt mal diesen Gardasee sehen.  Nun weiss ich es: Am Gardasee habe ich nichts verloren. Der Gardasee mag zwar traumhaft eingebettet zwischen Gebirgszügen liegen, aber der Betrieb hier ist für mich zu viel es Guten. Nach den paar Tagen im Münstertal war eigentlich schon der Abstecher nach Meran an der oberen Schmerzgrenze. Der Gardasee war gewissermassen das Sahnehäubchen. Nur war die Sahne schon hinüber. Wie kann man sich das nur antun, hier wochenweise oder gar Jahr für Jahr Ferien zu machen!

Wir sind dem östlichen Seeufer entlang gefahren, haben verzweifelt nach einem Parkplatz gesucht, wo wir wenigstens mal anhalten könnten. Alles verbarrikadiert – überall Teppichstangen. Wohnmobile sind nur auf Campingplätzen gefragt und diese liegen meist an der Durchgangsstrasse. Auf so einem Campingplatz sind mein Mitreisender und ich gestrandet. Eine lärmige Nacht stand bevor, mein Kopfkissen schien direkt auf dem Randstein zu liegen. Die Nähe zur Strasse hatte immerhin den Vorteil, dass der See nur ein paar Schritte weg war. Schön warm war das Wasser, kein Zähneklappern, nur das sanfte Plätschern der Wellen. Wenn man den Strassenlärm und die Menschenmassen ausblenden kann, mag es am Gardasee durchaus angenehm sein.

Doch der Gardasee war nur Zwischenetappe, das Ziel weiter südlich. Nach überqueren der Poebene steigt hinter Modena das Gelände wieder an. Und zwar ziemlich zackig, ruppig und sehr kurvenreich. Die Apuanischen Appeninen sind praktisch bis auf die höchsten Höhen von gut 2’000 Metern dicht bewaldet. Die oft winzigen Dörfer der Garfagnana sind abgelegen, nur über kurvige, miserable Strassen zu erreichen.

Die Kurverei für meinen Mitreisenden ist extrem anstrengend gewesen. Ich bewundere ihn endlos für seine Fahrkünste und mit jedem Meter, den er in der Toskana fährt, fühle ich mich unfähiger, jemals dieses Fahrzeug sicher zu lenken. Ohnehin, wenn ich fahren würde, wäre es für den Mitreisenden anstrengender als selber am Steuer zu sitzen. Also belassen wir einfach die Sitzordnung.

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9 Gedanken zu “Schrecklich voll und unendlich einsam

  1. Hallo Bea

    Pech kann man überall haben. Auf der Heimreise von der Westschweiz wollte ich meiner Frau noch zeigen, wie schön es auf der Mörlialp ist. Visuell war es – abgesehen von etwas viel Wolken – ganz schön, akustisch war es allerdings voll daneben. Irgend ein (Un-)Mensch organisierte doch tatsächlich einen Raver-Event oberhalb der Mörlialp: Wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm-wummmm usw.

    Fahrt doch einfach weg von den bekannten Pfaden und geniesst Pasta und den guten Wein der Toscana!

    Liebe Grüsse

    Urs

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    • Wummmmm-Wummmmm-Wummmm-Idioten sind leider sehr beschränkt – aber nicht regional. Die treiben überall ihr Unwesen. Es braucht keine Obwaldner Street-Parade zu sein, es reicht schon, wenn einer mit dem Cabriolet mitten in der Nacht neben uns parkiert und meint, wir müssten seine Musik mithören.
      Den Wein übrigens haben wir heute Abend getrunken. Wenn ein Wummm-Wummmer neben uns parkieren sollte diese Nacht, werden wir die Flasche noch ganz leeren.

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    • aber Muger: Du musst das Verhältnis beachten, denn der Merlisee ist auch vieeeeel kleiner als der Gardasee…
      Liebe Grüsse aus Irsee im Ostallgäu (Kloster und vor allem Kloster-Braugaststätte)
      Urs

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