Schiff ahoi!

Egal in welche Himmelsrichtung man fährt, früher oder später wird man nur noch Wasser vor der Motorhaube sehen. Und sofern es keine Brücke gibt, die zur Nachbarinsel, zum nächsten Kontinent oder auch nur ans andere Ufer führt, muss eine Fähre her.

Fähre! Wenn ich das Wort nur schon höre, sträuben sich meine Nackenhaare. Sofort werden Erinnerungen wach an komplizierte Manöver mitten in der Nacht. An hektisch winkende Besatzungsmitglieder und überforderte Automobilisten, die ihr Fahrzeug mitsamt Anhänger rückwärts zwei Zentimeter an die nächste Stossstange heranfahren sollen. An schmuddelige Kabinen, fettiges Essen und seltsame Vorschriften.

Von wem stammt wohl der Spruch: „Eine Seefahrt, die ist lustig“? Fährüberfahrten können damit jedenfalls nicht gemeint sein. Das Drama beginnt schon vor der Reise. Haben wir wirklich zum vorteilhaftesten Tarif gebucht? Wäre es nicht besser gewesen, tagsüber auf der Fähre zu sein? Wie schaffen wir es, rechtzeitig aber auch nicht einen halben Tag zu früh am Hafen anzukommen? Mit der Ankunft im Ablegehafen geht das Unbehagen erst richtig los. Wo sind die Papiere? Stehen wir überhaupt in der richtigen Spur, alle anderen Wohnmobile sind schon an Bord! Haben wir alles eingepackt, was wir auf der Fähre brauchen?

Zum Glück können mein innig geliebter Mitreisender und ich in aller Regel ausserhalb der Hochsaison fahren. Das spart nicht nur Nerven, sondern auch einiges an Geld. Auf einer unserer letzten Fährüberfahrten von Dubrovnik nach Bari hatten wir eine Fähre praktisch für uns alleine. Keine zwanzig Fahrzeuge zählte ich. Für einmal fiel das Einweisungs-Prozedere sehr entspannt aus; wir hätten uns im Schiffsrumpf auch quer hinstellen können. Das läuft bei weitem nicht immer so. Unschön die Erinnerung an unsere Sandwichstellung zwischen zwei Brummis. Der Lastwagen neben uns sägte über eine Viertelstunde lang millimeterweise vor- und rückwärts, bis er endlich hinausfahren konnte. Während diesem Manöver verwandelte sich das gesamte Fahrzeugdeck in eine einzige Abgaswolke.

Den Rekord legten wir in Norwegen vor. Kaum ein Tag verging, ohne dass wir nicht auf einer Fähre gewesen wären. In der Regel sind das kleine Hüpfer von einem Ufer des Fjordes zum anderen, und manchmal lohnt es sich kaum, das Fahrzeug zu verlassen. Trotzdem bewirkte der Verlad auf die Fähre jedes Mal eine gewisse Anspannung, denn unser damaliges Fahrzeug hatte nebst wenig Bodenfreiheit einen beträchtlichen Überhang. Je nach Wasserstand und Knickwinkel waren die Auffahrten mehr oder weniger steil und es drohte die Gefahr, hinten aufzusitzen. Als eines Tages statt der Rückfahrlampe plötzlich das Bremslicht aufleuchtete und der Blinker sich nur noch zusammen mit der Schlussleuchte betätigen liess, waren wir zuerst ziemlich ratlos. Erst mein technisch total unbelasteter Blick auf die Anhängerkupplung offenbarte das eigentliche Problem: Die Steckdose war abgerissen. Was folgte war eine Reparatur mitten auf dem vollbesetzten Parkplatz – der Mitreisende mit krummem Rücken auf dem Boden sitzend, ich (wie üblich bei Reparaturen) Dienste als Handlanger verrichtend.

Aller Vorbehalte zum Trotz können auch wir unsere Reisepläne nicht ohne die gelegentliche Benützung einer Fähre umsetzen. Die Überfahrt nach Elba war jedenfalls nur ein kleiner Hüpfer von einer Stunde. Selbst mit meiner Fähren-Allergie eine erträgliche Angelegenheit.

2 Gedanken zu “Schiff ahoi!

  1. Gibts eigentlich noch keien Wohnmobile mit Einparkhilfe?…
    … oh, Verzeihung. Ich bitte meine letzte Bemerkung aus dem Protokoll zu streichen.
    Nicht dass ich noch Flohnmobil Lese- und Schreibverbot bekomme 😉

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    • Du wärst wohl ziemlich der Letzte, der mit einem Flohnmobil-Hausverbot belegt würde!!!
      Einparkhilfen gibt es in Form von wild winkenden Ehefrauen, die sich häufig gut hinter dem Wohnmobil verstecken, weiter gibt es Rückfahrkameras und den Bip-Bip-Rückwärtsgang.

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