Der Kochbuch-Eintrag

Es gab mal eine Zeit, da wurde in meinem Freundeskreis viel gemeinsam gekocht und über Gekochtes diskutiert. Und je mehr gekocht wurde, desto grösser wurde die Ausfall-Liste. Dies hatte nicht primär mit unseren gastronomischen Fähigkeiten sondern mit den Vorlieben für kulinarische Ausflüge ins Unbekannte zu tun. Wenn etwas gründlich misslang oder sich zumindest nicht mit den hochgesteckten Vorstellungen deckte, sprachen wir davon, dass dies wieder mal ein „Eintrag fürs Kochbuch“ sei. Wir befassten uns allen Ernstes damit, ein Kochbuch herauszugeben, das aus lauter missratenen Rezepten und deren Verbesserungsvorschlägen bestehen sollte.

Eins sei vorweg erwähnt: Aus dem Kochbuch wurde nichts, selbst wenn es ständig ergänzt wurde und immer noch wird. Denn gerade gestern habe ich wieder einmal einen Eintrag ins besagte Kochbuch beigesteuert.

Grundsätzlich vom Niedergaren sehr angetan, wollte ich gestern meinen Gästen das „Leicht geräucherte Gewürzfilet“ aus dem Betty Bossi Kochbuch „Niedergaren leicht gemacht“ auftischen. Dazu musste ich zuerst eine Mischung aus Rohzucker, Anispulver, Nelken und Zimt auf einer Alufolie verteilen, auf dem Blech in den kalten Ofen schieben und auf 240 Grad heizen. Dann Ofen aus, Türe nie öffnen und warten, bis die Temperatur auf 80 Grad gesunken ist, das edle Stück Fleisch rein und warten bis die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist.

Ich hab alles genau gemacht wie im Rezept beschrieben. Der Zucker hat sich aufgelöst, caramelisiert und ist schliesslich verbrannt. Ich war mir sehr unschlüssig, ob ich das Fleisch diesem Gestank aussetzen wollte. Ein kurzes Schnuppern in den Backofen bewies mir aber, dass es dort drin nicht nach verbrannt roch und tatsächlich noch ein Hauch der Gewürze an den Wänden hing. Also zog ich das Rezept durch wie beschrieben.

Zum Resultat kann ich nur soviel sagen: Der Kalbshohrücken war sehr schmackhaft und zart, von den mit viel Aufwand erzeugten Räucheraromen aber war absolut nichts zu merken.

Dass in der Richtung etwas gegangen sein muss, liess sich jedoch an meinem Backofen ablesen. Der Caramel-Qualm hatte eine gleichmässig braune Schicht in meinem Backofen hinterlassen. Aber ich wollte ihn ja schon lange wieder mal gründlich reinigen…

Heute nun habe ich beim Schreiben dieser Jammerschrift nach dem Rezept gegoogelt. Ich habe es gefunden und siehe da, dort werden nur Temperaturen von 160 Grad angegeben, sollte sich Rauch entwickeln, müsse man sogar vor Erreichen der besagten Temperatur zurückschrauben. Gut möglich, dass es mit 160 statt mit 240 Grad funktioniert. Mir ist ehrlich gesagt die Lust auf dieses Rezept vergangen. O-Ton meines innig geliebten Mitbewohners: „Ich hab dir ja gesagt, dass das nicht funktionieren kann! Hätten wir es draussen auf dem Räucherofen gemacht….“ Ja, ja, nur weil der Mitbewohner in der jüngsten Vergangenheit ein paar Dutzend Fischfilets geräuchert hat, muss er sich noch nicht einbilden, vom Fach zu sein.

4 Gedanken zu “Der Kochbuch-Eintrag

    • Man liest schon…
      … aber das bezieht sich leider nur auf die grauen, katalytischen Teile, von denen man mit hohen Temperaturen den Dreck quasi runterbrennen kann.
      Meine Backofen-Scheibe hätte sich davon reichlich unbeeindruckt gezeigt.

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