Der Bio-Schwachsinn

Biologische Lebensmittel – so hört man immer wieder – liegen im Trend. Artgerechte Tierhaltung, keine Verwendung von Pestiziden und Kunstdünger, Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. So und ähnlich werden gegenüber den Kunden die Preise der zum Teil massiv teureren Bio-Produkte gerechtfertigt.

Ich stehe offen dazu: Ich kaufe keine Bio-Lebensmittel. Ich sehe keinen Vorteil darin, im Dezember Bio-Zucchetti oder Bio-Tomaten aus Marokko zu kaufen. Beides habe ich heute bei Coop gesehen und beide Gemüse haben im Sommer Saison, bestenfalls noch im Herbst, aber sicher nicht jetzt. Und was ist noch Bio an Buchweizen, der aus China importiert wurde? Oder an Endivien-Salat aus Spanien. Wurde das Grünzeug – übrigens etwas vom wenigen, das auch ein Hobby-Gärtner noch im Dezember vom eigenen Garten verzehren kann – vielleicht mit einem Bio-Futter fressenden Esel quer durch halb Europa transportiert?

Kürzlich habe ich am Radio gehört, dass unser Land, das auf einem regelrechten Butterberg hockt, Bio-Butter importieren muss. Das ist doch Schwachsinn! Und wenn ich heute gelesen habe, dass in Italien 700’000 Tonnen konventionell produzierter Lebensmittel als Bio-Produkte verkauft wurden, kann ich nur sagen: musste ja mal so kommen.

Mir stösst es auch sauer auf, wenn jemand konsequent auf der Bio-Welle reiten will, im gleichen Atemzug aber wegen zwei, drei Bio-Brötchen den Backofen zehn Minuten vorheizt. Das Argument „wir haben keinen Atom-Strom mehr“ versandet dabei in meinem müden Lächeln.

Statt mit aller Sturheit Bio-Produkte zu kaufen, finde ich es viel wichtiger, dass man saisongerecht einkauft. Ich weiss, wann welches Gemüse Saison hat. Bei mir kommen im ganzen Winterhalbjahr keine frischen Tomaten auf den Tisch. Ich wundere mich nicht, wenn ich im März keine Trauben kaufen kann und das Januar-Kopfsalätchen vor lauter Schrecken schon im Einkaufskorb die Schraube macht.

Aber natürlich lasse ich mich zwischendurch auch mal verleiten, beispielsweise eine Avocado oder Mango zu kaufen. Die haben in Gottes Namen bei uns nie Saison. Auch Zitronen zum Backen lasse ich mir nicht nehmen. Denn den ganzen Winter von getrockneten Apfel- und Birnenschnitzen leben mag ich nun doch auch wieder nicht.

So, und nun werde ich saisongerecht Sauerkraut in die Pfanne hauen.

22 Gedanken zu “Der Bio-Schwachsinn

  1. Essen ist für manche Leute ein Religions-Ersatz. Für sie ist alles gut, was unverändert aus der Natur kommt. Es geht ihnen dabei nicht um Sinn oder Unsinn, sonder einzig um den Glauben. Sie glauben fest daran, dass „Bio“ sie zu besseren Menschen macht.
    Die Leute übersehen dabei aber gerne, dass auch der Schimmelpilz am Gerstenkorn natürlich ist. Die Listerien am Käse. Auch das Rohöl im Golf von Mexiko; ein reines Naturprodukt. Und vergessen wir nicht den Asbest und die Schweinegrippe – Natur pur…

    liebe Grüsse vom Muger

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  2. Liebes Flohnmobil

    schon länger bin ich (stillschweigend geniesserische) Besucherin Deines Blogs.
    Und jetzt oute ich mich: Wie recht Du doch hast! Saison geht ganz klar über Bio, und wenn die Lebensmittel dann noch regional produziert werden, kann mir Bio gestohlen bleiben… Wie schön, dass es bei uns einen Bauernmarkt gibt (der leider allerdings vom nächsten Samstag an bis Ende März eingestellt wird…)
    Und: Wahrscheinlich habe ich in einem Jahr tatsächlich genug eigene Zitronen zum Kochen, aber leider nicht zum Backen…

    LG Regula

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    • Hallo Regula, herzlich willkommen im Flohnmobil!
      Genau, „gestohlen bleiben“ ist das Stichwort. Und Märkte sind wirklich eine ganz tolle Sache, selbst wenn man mitunter auch dort etwas kritisch sein soll, wenn zwecks Vervollständigung des Sortiments plötzlich Bananen neben den einheimischen Äpfeln liegen.
      Eigene Zitronen? Du machst mich neugierig. Wintergarten? Sizilien?

      Liebe Grüsse
      Bea

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      • Liebe Bea
        seit drei Jahren habe ich einen kleinen Zitronenbaum, der von Mai bis November jeweils auf der Terrasse steht (und von November bis Mai im Wohnzimmer). Der blüht ununterbrochen und trägt im Moment eine reife (ca. 15 cm lang und 8 cm dick) und fast ein Dutzend kleine Zitronen. Da hoffe ich doch, dass ich die nächstes Jahr ernten kann.
        Bananen hatte tatsächlich noch nie jemand auf dem Markt im Angebot, aber dafür hie und da frische Feigen von der Rigi… Mmmh, fein!

        LG Regula

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  3. also meine frau und ich sind richtig froh,dass die bioabteilung immer ganz gross angeschrieben wird,denn da können wir viel leichter daran vorbeidüsen und uns ganz normal mit normalen lebensmittel eindecken.
    schöne normale grüsse aus spanien
    silvia und peter

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  4. Wenn ich wo „Bio“ lese, dann gehe ich auch meist nicht beachtend daran vorbei. Ich glaub es ihnen einfach nicht. Zu viel Schindluder ist schon damit getrieben worden. Und warum soll ich für etwas das dreifache zahlen, dass wahrscheinlich nicht besser ist, als die „normalen“ Produkte.
    Aber es scheint sich ja gut zu verkaufen.
    lg Gabi

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