Dialog vor der Parkhaus-Kasse

„Gib mir mal das Billett?“
„Aber das hast doch du, ich habe es dir bei der Einfahrt gegeben.“
„Ah ja, stimmt.“

Kramt das Ticket umständlich hervor.

„Wo muss ich es denn …. ah ja, da ist der Schlitz. Kommt es drauf an, wie man es reinhält?“
„Ich weiss nicht, stecks einfach mal rein.“

Mittlerweile steht das nicht mehr ganz jugendliche Paar nicht mehr ganz alleine vor der Parkhaus-Kasse.

„Wieviel macht es?“
„Einen Franken.“

Kramt nun, noch umständlicher als zuvor, im Portemonnaie herum.
Das Display beginnt zu zählen.
Zwanzig. Dreissig. Fünfzig. Sechzig.

Die Kolonne wird länger. Die Hoffnung, dass der Automat nicht auch noch Fünfrappen-Stücke akzeptiert, wird richtiggehend greifbar.

Siebzig, Achtzig. Neunzig.
Die Spannung steigt.

„Ah, jetzt ist mir doch noch ein Zehner runter gefallen.“

Bückt sich im Zeitlupentempo. Ein Stöhnen geht durch die Menge, helfen tut niemand.

„Sodeli.“

Das Portemonnaie wird wieder in die Handtasche zurück gesteckt.

„Und wo kommt jetzt das Billett raus?“
„Ich glaube aus dem Schlitz, wo du es reingesteckt hast.

Das Billett wird abgezogen. Das Paar dreht sich um.

„Was machen denn all die Leute da?“
„Keine Ahnung. Haben denn die nichts Besseres zu tun?“

Was ich noch sagen wollte: Die Geschichte ist nicht gänzlich frei erfunden, sie ist mir in nicht ganz so extremer Form vor ein paar Tagen im Parkhaus „begegnet“. Hätte das Parkticket bezahlende Paar aus Mutter und Kind bestanden und hätte das Kind das Geld einwerfen dürfen, hätte sich niemand aufgeregt. Alle hätten wohlwollend genickt: „Braves Kind, gut kannst du das schon.“

11 Gedanken zu “Dialog vor der Parkhaus-Kasse

  1. Ich muss ehrlich zugeben, ich denke mir in so Zeiten wo viele endlich ihr Parkhaus Ticket bezahlen würden und ich in der Schlange zusehe wie das Kind was für’s Leben lernt, schon mal: es gäbe doch weiss Gott bessere Zeitpunkte um mit dem Kind zu üben.
    Ich bin eben Egoist. Sicher habe ich ja alles schon seit jeher gekonnt.
    Allerdings gingen meine Eltern damals, als ich noch nicht wirklich bis zum Münzeinwurfs-schlitz langen konnte mit mir zu Fuss… Ein Auto hatten wir erst später.

    Gefällt mir

  2. Am Donnerstag Abend nach dem Theater-Besuch, wir lachten immer noch über die Vorstellung von Michael Elsener, stand vor uns einer an der Parkhauskasse: 8.00 … 3.00 … 2.00 … 1.00 … 0.80 … 0.60 … … 0.50 … … … 0.40 … … … … … … 0.30 … … … … … … … … … Er wedelte mit einem 10er-Schein vor dem Notenschlitz herum, aber da stand, Noten (10 / 20 / 50) erst ab 38 Franken – da nützte alles Wedeln nichts und auf der Leucht-Anzeige stand immer noch 0.30. Nach einer Spende von 30 Rappen durften dann auch wir an die Kasse um unseren Obolus zu entrichten.
    Ach – was ich noch fast vergessen hätte: der Typ war sicher ein Vierteljahrhundert jünger als ich.
    Liebe Grüsse aus der Warteschlange!
    Urs

    Gefällt mir

  3. Ist das selbe Spiel nicht auch an den Kassen in der Migros oder sonst wo zu beobachten. Waren werden gescannt eingepackt. Dann sagt das Kassenfrölein: 25 Franken bitte und die Suche in der Poschtitäsche beginnt….. Gruss Bruno

    Gefällt mir

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..