Schrecken in Uniform (5)

Die Parkplatz Situation im Fährhafen von Melbourne war kläglich. In unmittelbarer Nähe des Eingangstores gab es lediglich Kurzzeit-Parkplätze. So konnten wir uns – obschon wir über eine Stunde zu früh am Hafen waren – nie mehr als einige Meter vom Wohnmobil entfernen. Polizisten hatten dieses besondere Fleckchen Erde als aussergewöhnlich ertragreich erkannt und patrouillierten in den kürzest möglichen Abständen. Als die Zeit endlich gekommen war, standen wir als allervorderste in der Warteschlange, um auf das gigantische Fährschiff nach Tasmanien zu gelangen. Auf zehn Fahrzeugdecks mit einer totalen Länge von 2,6 Kilometern fanden bis zu 500 Fahrzeuge Platz. Und wir sollten unter den Ersten sein, die in den gewaltigen Schiffsbauch einfahren konnten.

Dachten wir jedenfalls. Bis zu dem Moment, als ein uniformierter Hafenbeamter uns fragte, was wir in den beiden gelben Kanistern (in Australien „Jerry Can“ genannt) hinten auf dem Fahrzeug hätten. „Diesel“, antworteten wir wahrheitsgemäss. Seine Miene verfinsterte sich augenblicklich. Es sei verboten, Treibstoff in Kanistern an Bord zu bringen. Wenn wir keinen Platz für den Diesel in unserem eigenen Tank hätten und niemand in der Warteschlange sei, der Platz im Tank hätte, müssten wir die Jerry Cans mitsamt Inhalt hier lassen. „Don’t worry“, meinte er anfänglich noch, es gäbe sicher jemanden hier, der vierzig Liter Diesel brauchen könne.

Es war hinlänglich bekannt, dass der Treibstoff auf der Insel Tasmanien teurer war, als auf dem Festland. Ergo füllte jeder halbwegs solvente Automobilist vor der Überfahrt seinen Tank randvoll. Unsere Chancen, jemanden mit unserem Sprit zu beglücken, standen deshalb nicht gerade gut. Etwas mehr Glück hatten wir mit den paar Litern Benzin, die wir für unseren Generator mitführten. Die wurden wir schnell los. Allerdings hätten wir sie hier im Hafengelände nicht selber umleeren dürfen. Das hätte offensichtlich nur der Uniformierte tun dürfen, der plötzlich nicht mehr so nett war. Beinahe unwillig beschied er uns endlich, dass er nun doch jemanden gefunden habe für unseren Diesel. Dieser „Jemand“ rieb sich natürlich die Händchen, nie mehr in seinem Leben würde er für 40 Liter Diesel weniger Geld bezahlen müssen.

Nun folgte der absurdeste Teil der ganzen Episode. Wir mussten die zwei Stahlkanister mit Wasser füllen! Während der ganzen siebzehnstündigen Überfahrt quälte sich mein innig geliebter Mitreisender mit der Frage, wie wir es jemals schaffen sollten, das Wasser wieder vollständig aus den Kanistern zu bringen. Ein Dieselmotor ist ja ein Dieselmotor, weil er mit Diesel läuft. Hätten wir es in Tasmanien geschafft, unser Fahrzeug mit einem Wasser-Diesel-Gemisch zu betreiben, wären wir heute mit Sicherheit weltberühmt.

3 Gedanken zu “Schrecken in Uniform (5)

  1. schrecken in uniform gibt es nicht nur im ausland,nein auch in der schweiz gibt es solche knorrlis.
    es ist zwar schon länger her ( ostern 1986 ) da fuhren wir mit unsern freunden aus münchen von domodossala richtung simplon-pass mit wohnmobil und wohnwagen ( angehängt )
    an der schweizergrenze fragt der zöllner „habt ihr was zu verzollen? salami wein usw“
    ehrlich wie wir damals waren gaben wir vier ganze salami an.
    „die müsst ihr entweder hier essen oder da lassen denn es herrscht maul und klauenseuche“
    und der grinste auch noch dabei,so dass wir glaubten die salamis landen sicher bei den zöllnern auf dem tisch.
    schweren herzens gaben wir die salamis ab,und haben unserseits innerlich gegrinst denn im anghängten wohnwagen haben wir über ein kilo geschnittene salami im kühlschrank gehabt um die unterwegs zu essen.(was wir auch gemacht haben)

    gruss
    peter und silvia

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