Schrecken in Uniform (6)

Um diesem schrecklichen Wetter, das sich vor der Haustüre abspielt, wenigstens gedanklich zu entfliehen, hier eine Geschichte, die sich an einem sonnigen, heissen Januartag in Mexico ereignet hat.

Wir hielten uns in Maruata auf, im Niemandsland an der mexikanischen Pazifikküste auf etwa 18° N. Unser Camper war unter Palmen parkiert. Unter Kokospalmen, wohlbemerkt, von wo theoretisch jederzeit eine Kokosnuss auf unser Autodach oder unser Oberstübli hätte runterdonnern können. Tat aber keine, soviel vorneweg. Es war ein improvisierter Campingplatz mit einem Zaun drumherum, damit die freilaufenden Kühe und Esel nicht quer durch den Platz latschten. Irgendwo hatte es Wasser, von Stromleitungen, die jedem 1.-Lehrjahr-Stromer-Stift die Haare zu Berge stehen lassen würden, baumelten Steckdosen. Wenn es dunkel war, sah man die Ampèrekäfer hin und her sausen. Irgendwann taten sie es nicht mehr. Stromausfall, Hauptsicherung durch, das gesamte Kaff ohne Strom.

Und was taten die Mexis? Die drehten sich erst mal in ihrer Hängematte rum und hofften, dass der Schaden bald behoben sein würde. Damals gab es in Maruata kein Telefon und erst recht kein Handynetz (vielleicht heute, 11 Jahre später, immer noch nicht), der nächste grössere Ort war über 50 Kilometer entfernt. Niemand wusste, ob schon jemand von der Elektrizitätsfirma benachrichtigt worden sei. Ein halber Tag verging. Immer noch kein Strom. Dass das Tiefkühlgut in der Affenhitze zu tauen begann, kümmerte die Mexis weniger, als die Tatsache, dass der Fernseher nicht mehr lief. Also nochmals eine Runde in der Hängematte.

Mein innig geliebter Mitreisender und ich konnten nicht mehr länger untätig rumsitzen. Nicht, dass wir auf Strom angewiesen gewesen wären. Unser Camper hatte ein Solarpanel auf dem Dach, das uns mehr als genügend Strom lieferte. Aber irgendjemand musste doch etwas tun! Es gab einen Stützpunkt der Marine im Kaff, doch mit den Leuten dort wollten die Dorfbewohner nichts zu tun haben. So machten wir zwei Gringos uns auf den Weg und brachten bei den Wachen unser Anliegen vor. Man liess uns stehen, bald darauf kam ein Offizier daher, der uns in das von einem hohen Zaun umgebene Areal hereinbat. Wir sollten doch um Gottes Willen nicht in der brütenden Sonne stehen bleiben, sage er zu uns, bevor er uns anhörte.

Wir erzählten von dem Stromausfall, dass niemand hierhin kommen wolle und dass sie auf dem Marinestützpunkt doch sicher ein Funkgerät hätten, mit dem sie der energetischen Misere Abhilfe schaffen konnten. Der Offizier hörte zu, nickte, hörte weiter zu und fragte schliesslich, wieso der Mitreisende dazu nichts zu sagen habe. Regelmässige Leser des Flohnmobils wissen, dass der Mitreisende …. doch lest einfach selber den zweitletzten Abschnitt hier.

Drei Stunden später: Die Flimmerkisten gingen wieder an und für die Mexis war die Welt wieder schwer in Ordnung. Wir hatten unsere gute Tat vollbracht und das angetaute Fleisch verfiel wieder in den Tiefkühlschlaf.

Maruata war der Boden für ein weiteres, so ganz und gar untechnisches Abenteuer. Lest hier.

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