Tierisches Vergnügen

Wenn man mal ein paar Tage nacheinander auf den Skiern gestanden ist, und nicht mehr ständig drauf achten muss, dass man das rechte und das linke Bein nicht verwechselt, beginnt man plötzlich wieder, die Welt um sich herum wahrzunehmen. Und dann fällt einem auf, dass man von lauter Tieren umgeben ist.

Da sind beispielsweise die Schneehühner, die sich meist laut gackernd in Gruppen zusammenfinden. Das Pendant dazu, der Schneegockel, legt ein ganz anderes Verhalten an den Tag. Er ist in erster Linie darauf bedacht, dass sein Kamm, pardon seine Haarpracht, unversehrt bleibt. Er erlaubt sich deshalb allerhöchstens ein Stirnband, ganz egal, wie sehr ihm der Wind um die Ohren pfeifen mag. Für die Schneehühner hat seinesgleichen nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Er macht Jagd auf Schneehäschen, die seine Qualitäten mehr zu schätzen wissen. Denn Schneehäschen gehen in erster Linie an die frische Luft, um ihr todschickes Outfit zu präsentieren, Skifahren ist für sie Nebensache.

Nebst den nervigen Trampeltieren, die einem beim Anstehen am Skilift immer auf den Skienden herumstehen, fällt am gleichen Ort ein anderes Tier auf: die Taubschleiche. Sie schlängelt sich hemmungslos zwischen den Wartenden durch und wenn man sie darauf anspricht, stellt sie sich ebenso taub wie dumm.

Sie sind auf diesen Breitengraden zwar nicht heimisch, aber die Giraffen haben ihren festen Platz am Pistenrand erobert. Im Idealfall stehen sie gemächlich auf Beobachtungsposten, wenn es aber dumm kommt, schneien sie aus allen Rohren und man erhält im Vorbeifahren eine weisse Glasur. Ebenso zu den Immigranten gehören die Alpenkängurus, die durch ihre unberechenbaren Sätze andere Skifahrer gefährden.

Es wurde schon lange gemunkelt, dass Wildschweine intelligente Tiere sind. Mittlerweile haben sie den Beweis erbracht und haben sogar gelernt, die Sessellifte zu benützen. Leider lässt ihr Verhalten auf den Pisten sehr zu wünschen übrig. Nicht nur das, sie scheinen sich in den Alpenregionen wohl zu fühlen und vermehren sich geradezu explosionsartig.

Von der eher harmlosen Sorte sind die Walrösser, die dank ihrer dicken Fettschicht selbst bei 20 Grad minus nur leicht beschürzt die Pisten stürmen. Doch wehe, wenn sich ein solcher Fleischberg neben dich auf den Sessellift plumpsen lässt, dann wird’s eng!

Vergessen wir nicht die Schafe, die ihrem Leithammel (je nach Gegend auch unter dem Begriff „Skilehrer“ bekannt) folgen und mit unterschiedlichem Erfolg versuchen, seine Schwünge nachzufahren.

Geradezu in prähistorische Zeiten zurückversetzt fühlt man sich, wenn ein Dinosaurier die Piste quert. Woran man ihn erkennt? An seinen mindestens 20 Jahre alten, ellenlangen Skis, die von vorne bis hinten gleich breit sind („Pommes Frites“), den Skischuhen mit Museumscharakter, einer ausgebleichten Jacke und einer SKA-Mütze auf dem baren Haupt. Für solche Kreaturen hat die Eule nur ein mildes Lächeln übrig. Aber meist begegnen sich die beiden Spezies ohnehin nicht, denn die Eule verlässt ihr Nest nach einer anstrengenden Nacht frühestens um die Mittagszeit und wenn sie nicht einen Wochenskipass im Sack hätte, würde sie erst nach der Pistenkontrolle das erste Mal frische Luft schnuppern.

Etwas untypisch für Skigebiete, aber dieses Jahr aufgrund der speziellen Schneesituation gehäuft anzutreffen sind Fische. Deren Mäuler haben sich in den vergangenen schneefreien Tagen immer mehr geöffnet und furchterregende Einblicke in die mächtige Schneedecke, Gletscherspalten gleich, freigegeben. (Der Begriff „Fischmaul“ ist übrigens keine Erfindung von mir, sondern die offizielle Bezeichnung für solche Risse in der Schneedecke.)

Die Vogelwelt ist auffallend gut vertreten. Nicht nur in Form von Schluckspechten, die erst nach dem Skitag an der Bar zur Hochform auflaufen, sondern auch als ganze Schwärme kreischender Vögel. Sind es Kraniche, Elstern oder doch nur Kanarienvögel? Ich konnte diese Gruppen von Jugendlichen zoologisch noch nicht richtig zuordnen.

Angesichts dieser doch stark übervertretenen Tierwelt mag ich es meinem innig geliebten Mitbewohner gönnen, dass er wenigstens einen richtigen Menschen auf der Piste angetroffen hat.

10 Gedanken zu “Tierisches Vergnügen

  1. …durchs mittlerweile nasse Haar streich…
    Wir kommen gerade von der Skipiste. Die Artenvielfalt war heute relativ gering bei uns,
    denn es hat durchgeschneit….von Anfang bis zum Schluß….Immerhin hab ich weitere Spezies ausgemacht….Brillenschlangen und Blindschleichen…
    Am Lift war ziemlich freie Fahrt, weil bei diesem Wetter nicht jeder rausgeht….
    Der Eisbär schleicht in seine Höhle 😉

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    • Ganz im Sinne eines guten Freundes von uns aus dem Frankenland, mit dem wir häufig zum Skifahren unterwegs sind, und der bei passender Gelegenheit seufzend sagt: „Unser Herrgott hat einen grossen Tiergarten.“

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      • Gut ist, dass ich als fleissiger Zoobesucher das noch nicht bemerkt habe, dass die Auswahl beim Skifahren doch fast grösser ist. Aber ich werde weder meine Karte, Snow-Pass ( ganz Graubünden), noch meine Jahreskarte im Züri-Zoo retour geben.
        Aber eins ist für mich sicher, dieser Artikel gehört doch in eine Zeitung, ich finde ihn super.

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