Schrecken in Uniform (7)

Irgendwann hat alles sein Ende und so flogen auch wir im Juni 2001 nach über zwei Jahren Reise durch Nordamerika wieder nach Hause. Der Flug stand unter keinem guten Omen, mussten wir doch bereits vor 6.00 Uhr am Flughafen in Seattle sein und flogen dann – gähn – mit über einer Stunde Verspätung erst los. Unsere Chancen, den Anschlussvogel in die Heimat zu erwischen, waren verschwindend klein, denn wir kamen erst 15 Minuten vor dem geplanten Weiterflug in Atlanta an.

Da wir kein gesteigertes Interesse daran hatten, unseren USA-Aufenthalt zu verlängern, legten wir den Turbogang ein. Atlanta ist ein immens grosser Flughafen. Und natürlich kamen wir im alleräussersten Gate an und mussten exakt ans andere Ende des Flughafens für unseren Weiterflug. Zwischen zwei olympiareifen Sprints konnten wir im Züglein kurz durchatmen. Hechelnd und mit einem Pulsschlag nahe 200 erreichten wir das Abfluggate, wo unser Flug auf dem Monitor bereits als „departed“ angegeben war. Das Abfertigungspersonal begrüsste uns aber freudig so nach dem Motto: Genau, auf euch haben wir noch gewartet.

Unsere beiden Sitzplätze waren selbstverständlich bereits von Yankees belegt (okay, es war auch ein Yankee-Flug), die Flugbegleiter wollten uns an zwei verschiedenen Orten platzieren. Ja sonst noch was?!? Mein innig geliebter Mitreisender legte seine ganze Kratzbürstigkeit an den Tag und machte ultimativ klar, dass wir auf zwei Sitzplätzen nebeneinander bestanden. Ja er sehe doch, jammerte die Flugbegleiterin, das gehe nicht. Die Reisenden hätten sich alle längst eingerichtet, sie könne doch nun nicht mehr die ganze Sitzordnung über den Haufen werfen.

Der Mitreisende blieb stur. „Keine Bange“, sagte er zu mir voller Zuversicht, „so lange wir noch stehen, fliegt der da vorne nicht ab.“ Schweizer Passagiere sagten uns, die Flight Attendants seien „ganz selber schuld“, schliesslich hätten sie selber angefangen, die Sitzplätze zu mischeln. Dann kam Bewegung in die Sache. Unter Protesten wechselten einige Passagiere ihren Sitzplatz. Hätten Blicke töten können, hätten der Mitreisende und ich Zürich nur noch im Bleisarg erreicht. Wovon ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob die Blicke von den Passagieren oder der Besatzung tödlicher gewesen wären.

In Zürich warteten wir unverrichteter Dinge vor dem Gepäckband. Vier Kartonschachteln voller Reiseerinnerungen und zwei Fahrräder wurden anderntags gratis und franko vor die Haustür gebracht. Von einem ausserordentlich freundlichen Pensionierten im Privatauto. Ohne Uniform.

2 Gedanken zu “Schrecken in Uniform (7)

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