Die erste Nacht

Unser erstes Mal fand in einem betagten VW-Camper mit Hochdach statt.

* P A U S E T A S T E *

Pfui, doch nicht was ihr denkt!
Wenn ihr weiterlest, werdet ihr schnell merken, dass wir damals grössere Sorgen hatten, als die Federung des klapprigen Busses zu testen.

* P A U S E T A S T E *

Das schlammgrüne Objekt der Begierde wurde uns von Freunden im temporären Austausch gegen unseren PW zur Verfügung gestellt. Es sollten die ersten gemeinsamen Ferien meines zukünftig innig geliebten Mitbewohners und mir werden. Frohen Mutes fuhren wir mit dem VW-Bus an einem sommerlich warmen Freitagabend Richtung Genua. Kurz nach Mailand passierte es. Pffft – Plattfuss vorne rechts, Karkasse total zerfetzt. Das ist schon mit dem eigenen Fahrzeug ein Ärgernis, wenn man mit einem geliehenen Wagen unterwegs ist, verkommt es unter Umständen zum Alptraum. Wir orteten das notwendige Werkzeug unter der Sitzbank des Beifahrers und konnten so in Kürze den Radwechsel vornehmen. Was wir aber nicht bedacht hatten: Wir standen in der Abenddämmerung am Rande eines Reisfelds. Als wir wieder einstiegen, schwirrten uns Dutzende von Moskitos um die Ohren. Da wir weder eine Fliegenklatsche ausmachen konnten, noch einen Insektenvernichtungs-Spray fanden, nahmen wir den fast aussichtslosen Kampf gegen die Blutsauger mit einem Stück Vorhang auf. Wir würden den Ort nie mehr finden, wo wir unsere erste Nacht in einem Campingfahrzeug verbrachten. Aber ihr könnt mir glauben, dass jene Nacht sehr kurz und sehr unruhig ausfiel. Als wir schliesslich in Korsika von der Fähre rollten, mussten wir zuerst einen neuen Reifen auftreiben, bevor Ferienstimmung aufkommen konnte.

Damit wir uns nicht zu sehr in Sicherheit wiegten, überraschte uns das Fahrzeug laufend mit neuen Mätzchen. Einmal stieg die Wasserpumpe aus, das nächste Mal riss das Kupplungskabel. Stets fanden wir das für die Reparatur nötige Ersatzteil mitsamt dem Werkzeug unter der besagten Sitzbank vor.

Angesichts dieser vielen Pannen in so kurzer Zeit mag es verwundern, dass wir uns nicht entsetzt von diesem neu entdeckten Hobby abwandten und beschlossen, fortan in Hotels Ferien zu machen. Doch es war schon immer mein Wunschtraum gewesen, mit einem Camper zu verreisen. In all den Jahren, als ich auf dem Campingplatz versuchte, Zeltheringe gerade in den Boden zu schlagen, schielte ich stets schwärmerisch und auch ein wenig neidisch zu den Campingbussen rüber. Wie grenzenlos musste die Freiheit mit einem solchen Fahrzeug sein! Bereits als Kind hatte ich mit Legosteinen Wohnwagengrundrisse entworfen. Hätte es damals schon Barbie- und Playmobil-Wohnmobile gegeben – ich hätte mit Sicherheit eins im Kinderzimmer gehabt.

Bald zwei Jahrzehnte nach unserer pannenvollen Premiere sind wir immer noch und trotz allem mit Leib und Seele Camper-Reisende. Mehr als 2’000 Mal haben wir bereits in einem Campingfahrzeug geschlafen. In einer kleinen Serie werde ich euch die diversen Fahrzeuge und das damit verbundene Abenteuer der allerersten Übernachtung in einem neuen Fahrzeug vorstellen.

4 Gedanken zu “Die erste Nacht

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