Die zweite erste Nacht

Wie sehr hatte ich mir immer gewünscht, mit einem Camper zu verreisen. Unabhängig zu sein. Das eigene Bett stets im Gepäck. Unsere pannenvolle Premiere mit dem alten, grünen Bus hatte uns nicht entmutigt, im Gegenteil (wem die Geschichte nicht bekannt ist, kann sie gerne hier nachlesen). Ein knappes Jahr später kauften wir uns einen gebrauchten Campingbus, Typ VW Westfalia Joker. Er hatte unter anderem den Vorteil, dass er mit seinen kompakten Massen in unsere Tiefgarage rein passte. Doch dort hatten wir natürlich die erste Nacht nicht verbracht. Wir vertrauten drauf, dass unser Fahrzeugs dicht war, schliesslich war es keine alte Klapperkiste, sondern ein sechsjähriges Schnäppchen.

Ich platzte beinahe vor Stolz und Vorfreude, als wir zum ersten Mal damit losfuhren. Es war an einem Freitagabend im Mai. Das Fahrzeug hatten wir am Vortag schon startklar gemacht, damit wir möglichst ohne Zeitverlust ins Wochenende rasen konnten. Unser Ziel war ein Campingplatz im Tessin. Vermutlich standen wir damals nicht im Stau vor dem Gotthard, und wenn, dann hätte ich das in meiner damaligen Euphorie locker weggesteckt.

Als wir im Maggiatal ankamen, war es noch immer hell. Nach welchen Gesichtspunkten sucht man sich einen Stellplatz auf dem Campingplatz aus, wenn man frei wählen kann? Wir wussten es damals noch nicht. Wir wussten weder, dass man darauf schauen sollte, dass man nicht unter einem Baum mit dürren Ästen steht, die im Falle eines Sturmes abbrechen, noch, dass man sich so hinstellt, dass der Kühlschrank möglichst wenig Sonne abkriegt. Ach was waren wir für Greenhorns, hochgradig ambitionierte Greenhorns!

Unsere Ausrüstung war damals noch genauso unvollständig wie unsere Vorstellungen vom Camperleben euphorisch und vielfältig waren. Aber wir hatten stets eine glasklare Vorstellung davon, wie unser Ruhelager auszusehen hatte. Wir hatten absolut keine Lust, uns in Schlafsäcke zu wickeln. Seit eh und je hatten wir ein Fixleintuch und unsere ganz normale Bettdecke dabei. Doch zuerst galt es, die Bettstatt herzurichten, was in einem durchschnittlich mit Gepäck vollgestopften VW-Bus mit zahlreichen Manövern verbunden ist. Was auf Position A lag, musste nach B verlagert werden, was vorher auf B war, gehörte nach A. Das Leintuch musste schön sauber um alle vier Ecken der zweiteiligen Matratze gespannt sein, was nur durch mehrere Turnübungen zu erreichen war. Mein innig geliebter Mitbewohner hat es noch nie geschätzt, auf einem Rumpf (auf Deutsch würde man dazu wohl „Falte“ sagen) zu schlafen!

Die erste Nacht im eigenen Camper war – na wie war sie eigentlich? – unspektakulär. Eine von vielen, die folgen würden. Vom Platz her natürlich etwas eng, aber was spielt das für eine Rolle, wenn man sich liebt? Da reichen 1,2 Meter in der Breite doch völlig aus.

Zwar nicht im Tessin aufgenommen, liefert dieses Bild doch den Beweis, dass wir immer in richtigem Bettzeug geschlafen haben.

7 Gedanken zu “Die zweite erste Nacht

    • Das „nette Foto“ stammt aus Sardinien und ist vor – ähm – 1997 entstanden. Leider hört man von Sardinien nicht mehr so viel Gutes in Sachen frei stehen, aber das müssen sich die Campierenden vermutlich mehrheitlich selber in die Schuhe schieben.

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  1. Hallo Bea, wenn man deinen Artikel liest, kann der Frühlingsanfang einfach nicht mehr weit sein, nicht? Soviel Reisefieber wird wohl in eine sehr grossen Reise münden…

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