Die dritte erste Nacht

Da sassen wir also mitten in unseren Kartonschachteln und Einkauftaschen. Über der Millionenstadt hatte sich der Mantel der Nacht gelegt; angeblich regnet es zwar nie in Kalifornien, finster wird es jedoch alleweil. In uns selber wütete der Jetlag, die Anstrengung eines vollbepackten Tages und die Verarbeitung zahlreicher Eindrücke.

Wir standen am Anfang unserer Traumreise. Gestern noch hatten wir den Schlüssel in unserer Haustüre für längere Zeit zum letzten Mal gedreht. Dann der Flug nach L.A., eine Nacht im Hotel und anschliessend der grosse Moment: Wir sahen erstmals unseren Camper in Echtgrösse. 1999 hatte es fast noch etwas Pionierhaftes an sich, einen Camper übers Internet zu buchen. 5,7 nicht enden wollende Meter, das war ri-i-i-iesig im Vergleich zu unserem VW-Bus, den wir bis vor kurzem noch besessen hatten.

Nach der Übernahme des Fahrzeugs begann das grosse Einkaufen, das sich noch über mehrere Tage hinwegziehen sollte. Wir hatten ja weder Geschirr noch Töpfe, keine Toilettenwäsche und noch nicht mal Toilettenpapier. Wir stopften unsere Einkäufe in den reichlich vorhandenen Platz rein. Am Ende des ersten Tages war in unserem Camper alles überstellt. So ähnlich muss es bei Messies aussehen. Bei ordentlichen Messies vielleicht, denn der Grossteil unserer Habe befand sich noch in Kartonschachteln, mit denen wir unsere Habe über den Atlantik transportiert hatten.

Wohin mit all dem Zeug? Wie sollten wir den Stauraum nützen? Wir verräumten alles erst mal provisorisch in die Schubladen und Schrankabteile, denn wir waren nudelfertig. Wir arbeiteten uns genau so lange durch unser Gepäck vor, bis wir auf unser Bettzeug stiessen. Die Erlösung! Selten habe ich so gut in einer so grossen Unordnung geschlafen. Dass der Dockweiler RV Park unmittelbar in der Abflugschneise des Flughafens lag, störte uns erst in den kommenden Tagen, denn die Kähne flogen so nah über uns hinweg, dass wir jede Schraube zählen konnten. Aber was spielte das für eine Rolle, wir würden diese schreckliche Grossstadt so bald wie möglich hinter uns lassen und die traumhaften Landschaften Amerikas erkunden.

Eine knappe Woche nach unserer Ankunft in Kalifornien waren wir startbereit. Wir hatten einen Grossteil unserer Ausrüstung beisammen. Klar stellte sich im Nachhinein heraus, dass das eine oder andere fehlte, wie beispielsweise eine Bärenlampe. Aber sicher kam uns zu Gute, dass wir schon zu Hause mit einem Campingfahrzeug Erfahrungen gesammelt hatten. Es sollten noch mehr dazukommen, als uns teilweise lieb war.

4 Gedanken zu “Die dritte erste Nacht

  1. Das Schöne am Dockweiler RV Park ist ja nicht nur die gute Sicht auf tieffliegende Flugzeuge mit Triebwerken auf Startleistung, sondern auch die unmittelbare Nähe der grössten Kläranlage des Grossraumes Los Angeles, der Hyperion Plant 😉
    Gibt’s noch mehr Photos von Eurer USA-Reise?
    Liebe Grüsse
    Urs

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    • Kläranlage auch noch? Da müssen aber die Winde damals zu unseren Gunsten geweht haben.
      Ja klar gibt’s noch mehr Fotos – sechs Alben habe ich gefüllt in zwei Jahren. Aber halt alles analog; da überlegte man noch, bevor man abdrückte.

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