Boxenstopp in Melbourne

Mein innig geliebter Mitreisender schaltete entschlossen einen Gang höher. Das Fahrzeug beschleunigte. Unüberhörbar. Noch ein Gang. Und weil es so locker ging, gleich noch einer. Der Mitreisende verfiel in einen veritablen Temporausch, während es mich regelrecht in den Sitz drückte.

Unsere Fähre nach Tasmanien legte erst am Abend ab. Wir hatten noch den ganzen Tag zur Verfügung. Da uns bekannt war, dass es am Hafen praktisch nur Kurzzeit-Parkplätze gab, suchten wir uns einen geeigneten Aufenthaltsort, um die letzten Stunden auf dem australischen Festland zu verbringen. Wir fuhren in den Albert Park, eine zentrumsnahe, grüne Oase Melbournes. Breite Strassen durchzogen den ganzen Park. Wie es in Australien an solchen Orten üblich ist, hatte es mehrere schattenspendende Unterstände mit Tischen und Bänken und ebenso viele Grillstellen. Man muss wissen, dass kaum etwas so sehr dem australischen Lebensstil entspricht wie ein Barbecue im Freien. Wegen der Gefahr eines Buschfeuers (zugegeben, die wäre in einer Grossstadt nicht wirklich gross) sind die BBQs meist elektrisch betrieben. Solche BBQ Kochstellen werden meist kostenlos zur Verfügung gestellt. Je nachdem, wer sie vorher benutzt hat, sind sie mehr oder weniger sauber. Aussehen tun sie in etwa so:

Wir suchten uns also die schönste Grillstelle aus, parkten unser Wohnmobil und begannen, unser Essen zuzubereiten. Was es gab? Keine Ahnung, Känguru vielleicht, ein Würstchen oder Lammfleisch. Sicher kein Tofu.

Da wir immer noch zu früh dran waren, um in den Hafen zu fahren, begann ich in einem Anflug von Langeweile, den Stadtplan von Melbourne zu studieren. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. F1-Course! Wir waren auf der Original Formel-1-Rennstrecke gelandet. Ausgerechnet wir, mit unserer lahmen Ente von einem Wohnmobil. Bei 80 km/h stand die Tacho-Nadel bockstill.

Wenn ihr also im morgigen Grossen Preis von Australien einen Kondensstreifen erblickt – von uns stammt der garantiert nicht!

Und was es unbedingt noch anzufügen gilt: Es mag Leute geben, die extra nach Melbourne pilgern, um einmal in ihrem Leben auf dem hehren Asphalt der Formel-1-Strecke zu fahren. Dazu gehören der Mitreisende und ich garantiert nicht. Insbesondere was mich betrifft, so finde ich die sogenannte „Sportart“ Automobilrennen etwas vom Aller-Aller-Dööfsten, das die Menschheit je erfunden hat.

Ein Gedanke zu “Boxenstopp in Melbourne

  1. Pingback: Sonntags-Vergnügen in Melbourne | Flohnmobil - im Alltag unterwegs

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