Die vierte erste Nacht

Als wir mit Sack und Pack in Australien ankamen, hatten wir lediglich eine Unterkunft in den Compass Country Cabins von Conny und Mark. Und ein klappriges Mietauto. Von einem eigenen Campingfahrzeug waren wir meilenweit entfernt. Am Tag nach unserer Ankunft begannen wir damit, unsere Ausrüstung für die bevorstehende Reise zusammenzukaufen und nach einem geeigneten Fahrzeug Ausschau zu halten. Dieses entdeckten wir bald und nach knapp 14 Tagen, in denen wir uns um die Finanzierung, Anmeldung und Versicherung des Wohnmobils bemühten, stand das Fahrzeug endlich neben unserem temporären Zuhause.

Nun galt es, das 4,5 Tonnen schwere Gefährt, das nach unserer Vorstellung reichlich unpraktisch ausgebaut war, etwas zu optimieren. Beispielsweise diese gelben Dinger, die hinten am Fahrzeug befestigt sind. Das sind zwei 20-Liter Kanister für Diesel, das dazu passende Gestell hatte uns ein örtlicher Schlosser aus einem Teil des nicht benötigten Sofa-Gestells hergestellt. Als kleinere Reparaturen, die wir selber erledigten, drängten sich auf:

– das Überdruckventil am Boiler musste gewechselt werden, weil es undicht war
– der Wasserhahn am Spülbecken wurde ersetzt
– ein Scheinwerfer hatte Kontakt-Probleme
– am Zigarettenanzünder war ein Kabel los

um nur die Aufwendigsten aufzulisten. Nach vielen kleinen Eingriffen waren wir der Meinung, wir seien nun reisefertig. Australia, we’re coming!

Die erste Nacht im Wohnmobil verbrachten wir nochmals in Mount Compass. Es hatte den ganzen Tag über geregnet und wir konnten ein erstes Mal ausgiebig im neuen Fahrzeug wohnen. Das behagliche Wohngefühl kam jedoch zu einem abrupten Ende. Während ich nämlich kurz vor dem Schlafengehen ganz gemütlich auf unserer transportablen Toilette sass (sorry, ich hätte euch dieses Detail gerne erspart, aber es ist für die Geschichte nicht unwesentlich), merkte ich plötzlich, wie es mitten im Camper vom Dach runter tropfte. Wir trauten unseren Augen nicht. Da hockten wir in unserem reisebereiten Fahrzeug und es regnete rein! Wir konnten im Moment gar nichts machen, um uns herum breitete sich die finstere Australische Nacht aus. Macht- und ratlos unterstellten wir fürs Erste einen Eimer und hofften, dass er gross genug sein würde, um die Nacht zu überstehen. Natürlich war unter diesen Voraussetzungen an eine geregelte Nachtruhe nicht mehr zu denken und wir wurden mehrmals wach und konnten so den Kübel immer wieder leeren.

Die Schadensbesichtigung am kommenden Tag ergab: Das gesamte Dach war mit einem speziellen Anstrich neu beschichtet worden. Leider hatte es der Pinsler nicht für nötig gehalten, dazu das Solarpanel abzuschrauben und die sich darunter befindlichen Risse auch zuzukleistern. Ganz abgesehen von den Bohrlöchern, denen eine Wurst Silikon gewiss gut getan hätte. Einmal mehr pilgerten wir zum Hardware Store von Mount Compass – wo wir innert kürzester Frist Stammkunden geworden waren – und erstanden zwei Kilo Polyester und einen Quadratmeter Fiberglasmatte. Damit flickten wir das löchrige Dach. DORT würde es garantiert nie mehr reinregnen!

In der folgenden Nacht hatten wir Gelegenheit, die Tauglichkeit unseres Werks zu prüfen. Selbst aus der etwas ungewöhnlichen Porta-Potti-Perspektive tropfte definitiv nichts mehr ins Fahrzeuginnere.

4 Gedanken zu “Die vierte erste Nacht

  1. oder ein paar löcher in die decke bohren und die naturdusche wäre auch schon mit dabei gewesen.

    so was änliches passierte uns mit dem ersten womo (chrüpeli )als wir noch einen alkofen draufbauten.
    nur dass es nicht ins klo rinnte sondern beim kajütenbett unserm sohn mitten ins gesicht tropfte.

    da es im moment in spanien auch regnet sind die erinnerungen wieder presenter.
    nasse grüsse aus spanien senden

    peter+silvia

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