Kochen in der Schuhschachtel

Was kochen wir heute? Einer Umfrage in einem deutschen Wohnmobil-Magazin zufolge stellen sich erstaunlich viele Leute diese Frage gar nicht. Immerhin 80 Prozent gaben an, das Frühstück im Wohnmobil einzunehmen, 30 Prozent essen am Mittag und weitere knapp 50 Prozent am Abend was aus der mobilen Küche kommt. Und wie ernährt sich der Rest? Vielleicht jeden Tag auswärts? Das lässt die Vermutung aufkommen, dass sich die Wohnmobil-Hersteller umsonst so viel Mühe geben (und ganz klar auch haben) eine taugliche Küche zu konstruieren.

Unbestritten, in einer Wohnmobil-Küche den kulinarischen Standard hoch zu halten, stellt gewisse Anforderungen an die Köchin oder den Koch. Die Platzverhältnisse sind knapp, die Gasflammen gewöhnungsbedürftig und das Gewürzregal nicht so üppig gefüllt wie zu Hause. Trotzdem kann man in einer Wohnmobil-Küche mehr als nur Kaffeewasser machen. Fantasie und Improvisationsvermögen sind gefragt. Ich habe im Womi schon manche Eigenkreation auf den Tisch gezaubert, die mir zu Hause, in Anbetracht der umfangreichen Küchenausstattung, vielleicht gar nie in den Sinn gekommen wäre.

Der Spass beginnt für mich bereits beim Einkaufen. Zum Beispiel auf einem quirligen Markt in Südfrankreich, wo man all die herrlich frischen Sachen beschnuppern kann. Endlich wieder mal Tomaten einkaufen, die nach Tomaten und nicht nur nach rötlichem Wasser schmecken! Beim Bäcker einen Meter frisches Baguette erstehen und gleich auf dem Weg zum Wohnmobil den Gupf abbeissen. Geeigneter für einen Grosseinkauf ist allerdings ein Supermercado oder gleich ein Hypermarché. Da stellt sich zumindest das Parkplatz-Problem nicht. Selbst die grösste Wohn-Gondel lässt sich ohne Rückwärtsgang und grosses Manöver parkieren. Derweil Mütter die Möglichkeit haben, ihre Kinder im Spielparadies abzugeben, schicke ich meinen innig geliebten Mitreisenden in die Auto- und Werkzeug-Abteilung des jeweiligen Ladens. Dort ist er für längere Zeit gut aufgehoben und ich kann in aller Ruhe meinen Einkaufswagen durch die Reihen schieben. Denn neue Produkte entdecken und lokale Spezialitäten einkaufen, gehört für mich zu den Highlights jeder Reise. Der Mitreisende kann das nicht nachvollziehen. „Gstelleli uf – Gstelleli ab“ nennt er abschätzig, was mir so grossen Spass bereitet.

Spätestens an der Kasse ist mein Einkaufsmuffel aber wieder zur Stelle. Schon auf dem Band wird vorsortiert: Kühlschrank, Bad, Vorratschrank. Dann das Prozedere beim Bezahlen. Muss ich die Kreditkarte mit dem Schriftzug nach vorne, hinten oder überhaupt nicht reinstecken, sondern sie der Kassiererin geben? Mal soll ich den PIN eintippen, mal einen Wisch unterschreiben. Hat hier jemand behauptet, einkaufen sei eintönig?

Danach muss alles zack-zack gehen. Vor allem, wenn es draussen regnet oder extrem heiss ist. Wir manövrieren das Wägeli quer über den Parkplatz. Ein Glück, dass man ein Wohnmobil selbst auf dem grössten Areal von weither ausmachen kann. Nun verräumt das eingespielte Ehepaar Flohnmobil die Einkäufe. Jedes Ding an seinen Ort. Teils mit, teils ohne Verpackung. Dosen unten zu den Schuhen, Guetsli und Teigwaren oben rechts. Die Kartoffeln vom Plastiksack in einen Stoffbeutel, damit sie nicht schwitzen. Den Weisswein noch nicht sofort in die Kühle, weil sich der Kühlschrank zuerst um den Fisch und die Joghurts kümmern soll. Den Kuchen essen wir als nächstes, also ab damit ins Spülbecken. Den Radiesli zuerst das Kraut abschneiden, so brauchen sie weniger Platz und bleiben erst noch länger frisch. Das Fleisch aus der viel zu grossen Verpackung nehmen. Der Kühlschrank ist für mich das Mass aller Dinge. Wenn er gestossen voll ist aber die Türe auf Anhieb schliesst, dann reichen unsere Vorräte wieder für ein paar Tage, selbst wenn wir ausser Programm im entlegensten Winkel der Prärie landen sollten.

Obschon ich im Wohnmobil täglich und mit Freude koche, suche ich bis heute vergebens nach einem Rezept, bei dem die gedünsteten Zwiebeln nicht nach Stunden noch im Schlafzimmer vor sich hin duften. Sämtliche Lüftungskonzepte haben bisher versagt. Doch die Küche deswegen kalt zu lassen, ist für mich keine Alternative. Ohne Zwiebeln zu kochen übrigens auch nicht.

8 Gedanken zu “Kochen in der Schuhschachtel

  1. Drum führe ich einen separaten Gaskocher mit, mit welchem ich dann draussen die Luft verpesten kann- Wer sagt dann, das Wohnmobilreisende auf irgendwas verzichten sollen?? 😉 Und Carrefour, e.t.c. sind jedesmal ein Erlebnis, auch mit oder ohne PIN.

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    • Hallo Remo, willkommen im Flohnmobil!
      Stimmt, wir haben auch einen Gasgrill, den wir als Kocher verwenden können. Draussen kochen hat den weiteren Vorteil, dass die Fettspritzer auch gleich vor der Womi-Türe bleiben. Ist allerdings eine Schönwetter-Angelegenheit.
      Grüssli
      Bea

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  2. Wenn man mit Zwiebeln kocht, riecht es, egal ob Sie in der Küche eines Hauses, oder in einem Wohnmobil kochen. Genauso habe ich es gestern bei mir wieder erlebt. Der Zwiebelgeruch zieht durch alle Ritzen, auch ins Schlafzimmer.
    Soll ich jetzt auch auf dem Balkon kochen? *lach*

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  3. hallo bea
    unser rezebt für die zwiebeln:

    wenn wir längere zeit mit dem womo unterwegs sind,bereiten wir die zwiebeln im campo zu das heisst wir dünsten die zwiebeln an damit die schwefelverbindungen sich verflüchtigen und lassen sie auskühlen und ab in das tupper oder in den tiefkühler.
    vor ort kann man sie gleich verwenden wie die frischen nur dass es nicht mehr so arg riecht und die augen nicht mehr tränen.

    untenstehend noch die erklärung über die schwefelverbindungen.

    Schwefelverbindungen

    Sie sind die Geruchsträger und sorgen für den Tränenfaktor. Man findet eine Reihe homologer Substitutionsprodukte des oxidierten Cysteins, der einfachsten schwefelhaltigen Aminosäure. Prototyp dieser Cysteinabkömmlinge ist das (+)-S-Allyl-L-cysteinsulfoxid oder Alliin.

    wir wünschen tränen und geruchsarmes zwiebeln zubereiten

    peter+silvia

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    • Na hört mal, also als Chemieprofessoren gehen wir wirklich nicht auf die Reise! Und das mit den Zwiebeln war – wie so oft – leicht übertrieben. Wenn’s nach Essen riecht, weiss man doch immerhin, wonach es stinkt. Das trifft nicht immer zu!

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