Von Barras, die munden

Ein Barramundi ist für den Australischen Sportfischer, was für seinen Kollegen in Alaska ein Lachs ist. Nämlich eine grossartige Sache. Und ein sehr schmackhafter Fisch dazu. Wenn nicht der Schmackhafteste überhaupt.

Beim Wort „Barra“ kriegt jeder Australische Fisherman Augenwasser. Erst, wer einen Barra gefangen hat, steigt in den Australischen Fischer Olymp auf. Im Australischen Winter fährt jeder, der es sich leisten kann, nordwärts in die Fischgründe des Northwest Territory.

Barramundis sind in mehrerer Hinsicht spezielle Fische. Sie können im Süss- und Salzwasser leben und kommen alle als Männchen auf die Welt. Erst, wenn sie etwa 50 cm gross sind (was bei einer maximalen Länge von 200 cm immer noch verhältnismässig klein ist), wandelt ein Teil der Fische das Geschlecht. Das ist mit ein Grund, weshalb Barras in Australien ein Mindestfangmass von 55 cm haben. Mit der Flut steigen die begehrten Fische kilometerweise einen Fluss hoch, wo sie von den Anglern sehnlichst erwartet werden. Da es nur wenige wirklich gute Barra Angelstellen vom Ufer aus gibt, braucht man zum erfolgreich Barra angeln ein Boot. Aber über ein Boot scheint ohnehin jeder Aussie zu verfügen.

Alle ausser uns. Aber wir waren und sind ja keine Aussies, auch wenn wir das Land 15 Monate lang bereist hatten. Als wir südlich von Darwin an den Daly River fuhren, hatten wir damit geliebäugelt, eine geeignete Angelstelle am Fluss zu finden. Ein Einheimischer, der sich als Bill vorstellte, machte uns wenig Hoffnung auf Erfolg. Hingegen war der ehemalige Lehrer sehr angetan davon, in uns zwei Gesprächspartner aus der Ferne gefunden zu haben. Dies beruhte im Übrigen absolut auf Gegenseitigkeit.

Wir blieben mehrere Tage am Daly River stehen in der Nähe von Bill, der sich mit seiner Partnerin in einem Camper gleich für mehrere Monate eingerichtet hatte. Ihr wichtigstes Ziel: Barras fangen. Bill verfügte über ein Boot und es muss ziemlich offensichtlich gewesen sein, dass wir gerne mal mitgefahren wären. So bot er uns an, wenn wir ihm die Benzinkosten übernehmen würden, mit uns flussabwärts zu einer guten Angelstelle zu fahren.

Das taten wir dann auch. Eine Bootsfahrt von ungefähr einer Stunde führte uns vorbei an den ausgewaschenen Ufern des Flusses. In der Regenzeit muss der Daly River unvorstellbare Wassermassen mitbringen, zu schliessen aus den „aufgehängten“ Ästen, die bis zu zehn Meter hoch über dem aktuellen Wasserpegel in den Bäumen baumelten. An der Einmündung eines kleinen Seitenflusses band Bill das Boot an und was danach geschah, tönt wie die durchgeknallte Fantasie eines erfolglosen Fischers. Ein Barramundi sprang nämlich direkt über den Bug des Bootes hinweg. Ein paar Zentimeter weniger und wir hätten ihn nur noch festzuhalten brauchen. Naja, ob das bei dem Kaliber möglich gewesen wäre….

Innert einer Stunde angelten wir zu dritt fünf Barras. Einer kraftstrotzender als der Andere und nur mit viel Anstrengung und Beharrlichkeit ins Boot zu befördern.

Was uns auf dem Rückweg passiert ist, werde ich mir für ein anderes Mal aufheben. Und falls wissen wollt, was Wikipedia über Barras zusammengetragen hat, einfach hier klicken.

Wenn ihr einmal die Möglichkeit hat, Barramundi zu kaufen oder essen, lasst euch nicht vom hohen Preis entmutigen. Er ist es absolut wert!

Ich will hier ja kein Fischerlatein verbreiten, aber diesen Barramundi habe ich tatsächlich selber gefangen.

8 Gedanken zu “Von Barras, die munden

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