Öfters mal Panne (6)

… oder wie der Kühlschrank zu seinem Veto-Recht kam

Unsere Suche nach einem Wohnmobil zum Kaufen gestaltete sich seinerzeit in Australien etwas harzig. Nachdem wir endlich ein halbwegs passendes Fahrzeug gefunden hatten, konnten wir nicht noch lange Sonderwünsche anbringen.

Die Tatsache, dass der Kühlschrank nigel-nagel-neu war, freute uns durchaus. Getrübt wurde die Freude allerdings durch die Tatsache, dass es lediglich ein Zweiweg-Kühlschrank war. Dazu für Nicht-Wohnmobilisten folgende Erklärung: Während zu Hause der Kühlschrank selbstverständlich an der 230-V-Stromversorgung angeschlossen ist, muss man sich in einem Wohnmobil mit anderen Energiequellen behelfen. Zumindest, solange man auf der Fahrt ist und/oder nicht auf einem Campingplatz an der Steckdose hängt. In europäischen und auch amerikanischen Campingfahrzeugen werden vorwiegend Dreiweg-Kühlschränke eingebaut. Sie funktionieren wahlweise mit Gas, 230 oder 12 V. Letzteres allerdings nur, solange man am Fahren ist und der Alternator Strom liefert.

Unser Kühlschrank im Aussie Wohnmobil funktionierte nur mit 12 oder 230 V. Die Überlegung dahinter ist nachvollziehbar: Je heisser die Umgebungstemperatur ist, desto uneffizienter kühlt ein mit Gas betriebener Kühlschrank. Einem Kompressor-Kühlschrank dagegen macht die Hitze weniger aus.

Schon in der ersten Nacht, in der wir frei, also nicht auf einem Campingplatz, standen, erwachten wir mitten in der Nacht und hörten, dass der mit 12 V betriebene Kühlschrank nicht mehr anlief. Die Batteriespannung war zu tief. Da wir den Strom nicht aus dem Daumen saugen konnten, blieb uns nur noch, das Gerät auszuschalten und am nächsten Morgen schleunigst einen Campingplatz aufzusuchen. In der Folge fanden wir rasch heraus, dass wir – selbst mit verdoppelter Batteriekapazität – kaum mehr als eine Nacht am gleichen Ort stehen bleiben konnten, weil der Kühlschrank schlapp machte. Wohl oder übel schafften wir uns einen Generator an, mit dem wir nach Belieben Strom produzieren konnten. Das Gebrumme des Motörchens war gewöhnungsbedürftig. Auch das wesentlich geräuschärmere Solarpanel auf dem Dach ersetzten wir durch ein grösseres Modell.

Viel häufiger als uns lieb war, übernachteten wir in den 15 Monaten, während derer wir Australien bereisten, auf einem Campingplatz und zapften Strom ab. Alles wegen dem Kühlschrank!

Wenn wir parkierten um etwas zu besichtigen, wandern, einkaufen, etwas essen zu gehen oder was auch immer, versuchten wir stets, unser Womi so hinzustellen, dass a) der Kühlschrankseite im Schatten stand und b) das Solarpanel trotzdem Sonne hatte. Manchmal wirklich die Quadratur des Kreisels! Ich weiss gar nicht mehr, wie oft wir umparkierten, bis es für den Kühlschrank passte und wie oft wir einen weiteren Weg in Kauf nahmen, nur damit dieser verflixte Kühlschrank im Schatten stand.

Als die Tage kürzer wurden, liessen wir jeweils den Generator laufen, während ich am Kochen war. So musste ich wenigstens nicht im Halbdunkeln hantieren. Während das Aggregat knatterte, lud es die Batterien und gleichzeitig speiste es den Kühlschrank mit 230 V, so dass wir für die kommende Nacht genügend Strom hatten. Im Gegensatz zu einem modernen Wohnmobil hatte das Aussie Fahrzeug ausser dem Kühlschrank, Licht und der Wasserpumpe keine weiteren Stromverbraucher. Trotzdem sassen wir nach dem Essen häufig nur im Kerzenschein im Wohnmobil, damit jaaaa nicht mitten in der Nacht der Strom ausging.

Eine eigentliche Panne verursachte der Kühlschrank nicht, vielmehr ein Dauerärgernis. Und sein Mitspracherecht nahm er bedingungslos in Anspruch. Tag für Tag.

Quizfrage: Auf welcher Seite hatte das Australische Wohnmobil seinen Kühlschrank?

2 Gedanken zu “Öfters mal Panne (6)

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