Waschtag

„Haaalt!“ Mir blieb keine Zeit mehr, um Nettigkeiten auszutauschen, ich musste meinen innig geliebten Mitreisenden sofort zum Anhalten bewegen. Meine Augen hatten erspäht, wonach wir schon seit Tagen Ausschau gehalten hatten. Drum hiess es wenden, parkieren, aussteigen, auskundschaften. Tatsächlich, ich hatte mich nicht getäuscht, es war eine Wäscherei. Und der erste Augenschein ergab, dass es freie Maschinen hatte und dass sie zu funktionieren schienen. Dem Zusammensuchen der Schmutzwäsche inklusive der Bettwäsche und Badetücher stand nichts mehr im Wege. Alles Routine – und ein Klacks gegen die Probleme, mit denen ich mich konfrontiert sah, als ich die Waschmaschine mit Münzen füttern wollte.

Was zu Hause so locker nebenbei und häufig zu einer beliebigen Zeit erledigt werden kann, wird auf Reisen mitunter ganz schön mühsam. Natürlich ist es denkbar, dass man für mehrere Wochen Garderobe mitführt. Bei uns ist das aus Platzgründen nicht möglich. Wir sind häufig einen Monat und länger mit dem Wohnmobil unterwegs und müssen darum alle zwei Wochen eine Waschgelegenheit ausfindig machen.

Längst nicht alle Campingplätze verfügen über eine Waschmaschine. Und wenn, heisst es nicht zwangsläufig, dass sie funktioniert. Und wenn sie funktioniert, ist sie vielleicht dauernd besetzt oder die Rezeption, die einem die Jetons verkauft, erst ab 18.00 Uhr offen. Ihr findet das etwas gar theoretisch? Irrtum, haben wir alles schon mehrfach erlebt.

Deshalb bevorzugen wir mittlerweile Wäschereien in Ortschaften. Gerade in Frankreich funktioniert der Waschtag mit einer „Laverie automatique“ problemlos. Sofern man über die passenden Münzen verfügt. Denn die Wechselautomaten scheinen immer genau dort defekt zu sein, wo wir waschen wollen. So musste ich um die Mittagszeit schon mal meine Nase an einer geschlossenen Apotheke platt drücken, mir bei einer Pizzeria eine Abfuhr geben lassen, bis endlich ein Coiffeur im Quartier Erbarmen hatte, und mir meine Zehneuronote in Münzen umwechselte.

Längst habe ich mich daran gewöhnt, dass ich unterwegs meine Wäsche im Tumbler trockne. Seit jenem Waschtag in Kalifornien, als mein Pyjama am Abend noch feucht war, bin ich zu den Tumblerinnen konvertiert. Das hatte auf unserer Reise durch Nordamerika ausserdem den Vorteil, dass nicht ständig die Frage beantwortet werden musste, ob der Wäschetrockner defekt sei. Im Land der unbeschränkten Möglichkeiten trocknet nämlich niemand seine Wäsche an der Leine.

Natürlich haben wir auch schon erlebt, dass die Wäsche schneller trocken war, als wir die Wäscheklammer loslassen konnten. Und glaubt mir, auch ich wasche unterwegs regelmässig Wäsche von Hand aus. Doch was macht man, wenn der Waschtrog keinen Stöpsel hat und grosse Wäschestücke wie der Duvetanzug im eigenen Plastikbecken keinen Platz finden? Zuerst etwas dumm aus der Wäsche gucken. Und dann besinnt man sich auf seinen Haushalt, holt eine rohe Kartoffel, schnitzt an ihr rum und fertig ist der Stöpsel. Funktioniert, probiert’s mal aus! Das Schälen könnt ihr euch dabei sparen. Da wir nicht immer Kartoffeln dabei haben, führen wir seit einigen Jahren einen Universal-Stöpsel mit, der auf jeden gängigen Abfluss passt. „Stöpsel“ ist zwar nicht der passende Ausdruck, denn das Kunststoffteil ist flach wie eine Omelette und verschliesst den Abfluss einzig durch den Druck des Wassers. Der nervigen Wasserverschwendung durch ständig durchlaufendes Wasser, gerade in südlichen Ländern, können wir seitdem gut entgegenwirken.

Bei stinkenden Wasch- und Putzlappen nützt allerdings die besagte Handwäsche – mit oder ohne Stöpsel – nichts. Da muss gröberes Geschütz aufgefahren werden. Die Stinktierchen in eine Pfanne, mit Wasser bedecken, ein Spritzer Waschmittel dazu, das Ganze aufkochen und schon sind die Lappen wieder einigermassen hygienisch sauber und der muffige Geruch hat sich verzogen.

Leider ist das Leitungswasser nicht überall so klar wie bei uns. In gewissen Regionen Irlands sieht es nicht nur nach Moor aus, es riecht auch so. Könnt ihr euch unsere Gesichter vorstellen, als wir unsere Wäsche aus der Wäscherei abholten und alles einen Braunstich hatte? Vor solchem Wasser hätte wohl selbst die legendäre Clementine aus der Ariel-Reklame kapituliert.

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