Öfters mal Panne (14)

… oder: kein Tag ohne Schraubenzieher

Es war ein unschöner Anblick, der sich uns spätabends präsentierte. Dabei wollte ich doch nur noch kurz vor dem Schlafengehen Reiseführer und Karte aus dem Weg räumen. Und nun das! Unser Störeli (Markise), das so patent das Fahrerhaus vom restlichen Wohnmobil abtrennte, lag in einem unansehnlichen Haufen am Boden. Die lobenden Worte meines innig geliebten Mitreisenden waren mir auf sicher. Dabei hätte ihm das Missgeschick genauso passieren können, denn es war nicht mehr und nicht weniger als die Führungs-Schnur gerissen.

In einer tadellosen Nachtübung (es war zwar noch hell draussen, weil wir uns weit im Norden Norwegens befanden), demontieren wir das Störeli und rekonstruierten, wie dessen Mechanismus funktionieren musste. Es folgte eine etwas unruhige Nacht, was weniger auf unseren Stellplatz bei einem verwaisten Schulhaus zurückzuführen war, als auf unsere schlafraubenden Bedenken, innert nützlicher Frist eine passende Schnur aufzutreiben. Das malate Störeli war nämlich etwas vom Genialsten, das unser Knaus Alkoven Wohnmobil zu bieten hatte. Mit einem Griff konnte man es runterziehen und sich so einerseits vor neugierigen Blicken schützen und andererseits den zu beheizenden Innenraum massiv reduzieren.

Am nächsten Tag begann die Suche in irgendeinem Kaff nördlich von Trondheim. Sie führte uns von einen Baubedarf zu einem Fachgeschäft für Bootszubehör und endete in einem Markisenladen. Alle Stationen, die wir anfuhren, lagen glücklicherweise nur im Umkreis von 500 Metern, nichts desto trotz zeigte sich einmal mehr, dass so ein Wohnmobil ein denkbar ungeeignetes Einkaufs-Fahrzeug ist.

Der Markisenmensch erklärte ohne zu zögern und zu unserer allergrössten Erleichterung, dass er eine solche Schnur im Sortiment führe. Er wickelte uns grosszügig etwa 20 Meter à 1 Krone ab. Das entsprach etwa vier Fränkli. Dass wir so günstig zu der exakt passenden Schnur kamen, hätten wir uns nicht träumen lassen.

Eine gute Stunde später hatten wir unser Störeli richtig eingefädelt, montiert und sämtliche Verkleidungen wieder festgeschraubt. Seither führen wir – auf ein altes WC-Papier-Rölleli gewickelt – Störeli-Schnur durch halb Europa. Als Souvenir an eine reibungslose Reparatur.

Der Mitreisende wieder mal mit dem altbewährten roten Chrüzli-Schraubenzieher am Werk.

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