Abenteuer-Urlaub

Zu einem richtigen Abenteurerurlaub gehört bereits die Reise dorthin. Ich hätte hellhörig werden sollen, als mir im Bahnhof Zürich eine Müesli-Schale samt Müesli-Müsterli verteilt wurde. Was wollte mir das Schicksal da andeuten?

Es begann harmlos mit der Fahrt durch die Rheinschlucht. Während Japaner und Nordlichter ab der grandiosen Szenerie ihre Nasen am Zugsfenster platt drückten, atmete ich ein letztes Mal tief durch und harrte der Abenteuer, die da kommen sollten. Denn die kamen ganz gewiss.

Als erstes galt es, am Zielort dafür zu sorgen, dass die kommenden Tage nicht in eine Überlebenswoche ausarten würden. Mein Müesli-Müsterli würde da nur kurzzeitig zu überbrücken wissen. Die Reiseveranstalter liessen mir freie Hand in der Menüwahl, was die Sache zwar vereinfachte, ihr jedoch auch eine gewisse Herausforderung nahm. Zwecks Vereinfachung der kulinarischen Darbietung vereinbarten die Parteien, bei Tisch Manieren zu zeigen und mit Messer und Gabel zu essen.

Zwei Tage lang zeigt sich das Wetter von seiner allerbesten Seite, was die Reiseveranstalter mehrfach dazu bewog, mich den Elementen auszusetzen. Um ein Desaster zu vermeiden, begab ich mich auf einen markierten Winter-Wanderweg. Dieser gipfelte darin, dass ich eine Skipiste überqueren musste und am Schluss auf dem Schlittelweg zu Tale wankte. Adrenalin pur!

Nach so viel Anstrengung war Körperpflege angesagt. Um den hochgesteckten Vorgaben des Reiseveranstalters gerecht zu werden, dauerte die anschliessende Wiederherstellung der Dusche allerdings länger als die eigene Versäuberung.

Als sich Frau Holle einschaltete, zogen die Reiseveranstalter einen weiteren Trumpf: Sie liessen mich mit dem Velo nach Afrika fahren. Ich strampelte um mein Leben, während vor meinem Antlitz scheinbar unberührt Paviane, Gorillas und Elefanten vorbeizogen. Ich hätte beinahe geglaubt, ich befände mich auf dem schwarzen Kontinenten, da erschallte aus dem oberen Stock das Megaphon meiner Reiseveranstalter. Ich stieg vom Hometrainer und schaltete den Fernseher aus.

In allen Belangen wurden meine Fertigkeiten in den vergangenen Tagen durchleuchtet. Ich musste unter Beweis stellen, dass ich in der Küche genauso tauglich bin wie in der Waschküche, dass ich mit dem Abstaublappen so talentiert umzugehen weiss wie mit Mehl und Hefe. Der ultimative Test erfolgte, als sich der Techniker von Swisscom verabschiedete und ich mich mutterseelenalleine mit den Ansprüchen meiner Reiseveranstalter konfrontiert sah. Fernseh- und Internetempfang mussten neu aufgegleist werden, der Ruf nach einer neuen Mailadresse und bitteschön anpassen des Mailprogramms und einrichten des Tablets wurde laut. Aber natürlich gerne! Sonst noch ein Wunsch?

Als der Abenteuer-Urlaub allmählich seinem Ende entgegendümpelte, herrschte plötzlich Alarmstufe rot. Nachts um 22.00 Uhr war die Heizung ausgefallen, 16 Wohnungen kalt. Der Heizungsmonteur kam erst am anderen Tag. Dafür innert acht Stunden zwei Mal. Kein Verkehrsdirektor, kein Politiker, kein Landschaftsschützer hätte mir deutlicher vor Augen führen können, was „kalte Betten“ sind.

So und jetzt frage ich euch: Wo sonst gibt es so viel Action für so wenig Kohle?


3 Gedanken zu “Abenteuer-Urlaub

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