Mit den Hühnern nach Chichicastenango

Chichi-wieviel? Ich wusste auch nicht, dass es diesen Ort gibt und bedurfte einiger Anläufe, bis ich das Wort in einem Zug und fehlerfrei aussprechen konnte.

Unseren Camper hatten wir an einem sicheren Ort auf einem Privatgrundstück am Atitlan-See abgestellt und fuhren mit dem Bus nach Chichi. Die abenteuerliche Busfahrt führte über steile, kurvige Strassen und durch enge Dörfer. Sie entsprach in allen Belangen dem Klischee. Waghalsige Manöver, Passagiere auf dem Trittbrett, notdürftig angebrachtes Gepäck auf dem Dach, das der Beifahrer jeweils schon vor dem nächsten Halt loszubinden begann. Und natürlich mehrere „Gott-sei-mit-uns“-Kleber und Wimpel. Die brauchte es tatsächlich, wenn der Fahrer über dem Steuerrad so richtig in die Kurven lag, während der Beifahrer kräftig an der Hupe zog.

Chichicastenango liegt im Hochland Guatemalas und zweimal wöchentlich findet dort der angeblich grösste Markt Zentralamerikas statt (so berichtet jedenfalls Wikipedia). Mit Sicherheit ist der Markt einer der grössten und der bekannteste Guatemalas. Im bedrohlich engen Gewimmel werden an hunderten von Ständen nebst Früchten und Gemüsen bunte Tücher, Lederwaren, farbenfrohe Kleider, Schmuck und Handwerk angeboten. Die fliegenden Strassenverkäuferinnen (tatsächlich scheint diese Aufgabe in Guatemala dem weiblchen Geschlecht vorbehalten zu sein) sind beim Anpreisen ihrer Ware sehr hartnäckig. So verfolgte uns die ca. 12-jährige Maria eine geschlagene Stunde lang, um ihre grobgeschnitzten Holztiere für 10 Quetzales (keine Ahnung mehr, wie viel das umgerechnet war, vermutlich kaum mehr als ein US$) schlussendlich doch noch an den Mann zu bringen. In Guatemala wie in Mexico zahlt man auf den Märkten keine Festpreise, sondern die ausgefeilschte Summe. Selbstredend, dass wir als Gringos immer viel zu viel hinblätterten.

Mitten im Marktgelände steht eine Kirche, die die Mayas zur Zelebrierung ihres mit dem Katholizismus vermischten Glaubens besuchen. Zu brennenden Kerzen schütten sie Blumenblätter, die sie mit Säften begiessen. Am Eingang werden die bösen Geister durch das Schwingen eines rauchenden Kessels ferngehalten.

In den Gassenküchen wird mit einfachsten Mitteln gekocht. Nicht alles, was in den Töpfen schmort, entspricht unserer Vorstellung von Essen.

Weil der Markt auch Touristen anzieht – und diese schnell und unschwer als solche auszumachen sind – versuchen die Einheimischen mit Liedern und anderen Darbietungen ihr bescheidenes Einkommen aufzubessern. Diese Familie leierte mit einfachen Instrumenten ihr Endloslied herunter. Wir konnten sie lange vom Balkon eines Restaurants aus beobachten.

Im Nachhinein betrachtet, war der Besuch des Marktes ein Highlight unserer Mittelamerika-Reise, die uns fünf Monate lang mit dem Camper durch Mexiko und Guatemala führte. Da die Kriminalitätsrate in Guatemala sehr hoch ist und das EDA zu grosser Vorsicht mahnt, würde ich wohl heutzutage nicht mehr auf eigene Faust das Land bereisen.

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