Öfters mal Panne (17)

… oder: Fernsehen macht doof

Die ersten zwei Monate ging alles gut. Das lag vermutlich in erster Linie daran, dass es in Australien sehr wenig sehr enge Kurven gibt. In Tasmanien, der Insel südöstlich von Australien, ist das anders. Tasmanien ist – zumindest für australische Begriffe – sehr gebirgig. Sonst hätte es ja keine solche Haarnadelkurve gegeben und dann…. doch schön der Reihe nach.

Das Wohnmobil, das wir in Adelaide kauften, hatte sich eigentlich ein Rentner für seine eigenen Eskapaden zurechtgemacht. Der Motor war revidiert, Teppiche und Polster neu, der Kühlschrank ohnehin (dieser hatte unsere Reise massgeblich beeinflusst, wie hier nachzulesen ist). Ausserdem hing hinten am Fahrzeug an einer Anhängerkupplung ein kleiner Suzuki-Jeep. Diesen war im Gesamtpaket mit dabei und wir verkauften ihn an Ort und Stelle wieder, denn für so ein Angehängsel hatten wir keine Verwendung, wollten wir doch mit einer anderen Philosophie reisen. Zum Inventar gehörte ausserdem ein kleines Fernseh-Gerät. Ein Röhrenbildschirm von der alten Sorte. Wir waren nie wirklich angetan von dieser Glotze. Dies hatte nicht nur damit zu tun, dass in Australien vornehmlich englischsprachige Programme ausgestrahlt werden, sondern auch mit der komplizierten Anbringung der Antenne auf dem Auto.

Die paar wenigen Male, wo wir den Fernseher in Betrieb nahmen, musste mein innig geliebter Mitreisender nämlich das Dach erklimmen, damit er die Antenne verankern konnte. Das wäre ja einfach gewesen, hätte unser Wohnmobil eine Aussenleiter gehabt. So aber bastelte der Mitreisende eine Art Strickleiter an der er sich in halsbrecherischem Manöver in die Höhe hievte.

Während der Fahrt stellten wir den Fernseher jeweils auf die Rückseite der Sitze. Dort schien er uns einem relativ sicheren Ort zu sein. Einmal purzelte er runter, aber so sachte und sanft, dass er keinen Schaden nahm. Da wir ihn eigentlich nie brauchten, behandelten wir ihn je länger je stiefmütterlicher. Am Stephanstag geschah es dann: Wir waren auf der Fahrt vom Arthurs Lake runter nach Launceston. Da – päng! – krachte der Fernseher zu Boden. Die Spitzkehre der tasmanischen Strassenbauer war wohl des Guten zu viel gewesen.

Der Bildschirm schaute so elend aus der Wäsche, dass wir darauf verzichteten, ihn an den Strom anzuschliessen, um festzustellen, ob ihn wirklich das Zeitliche gesegnet hatte. Seither weiss ich, woher der Begriff „Mattscheibe“ stammt.

Rückwirkend betrachtet staune ich, wie wir es anstellten, mehr als 2 Jahre lang durch Nordamerika zu reisen und 15 Monate in Australien, ohne einen Fernseher. Ohne zu wissen, was auf der Welt läuft, ohne in die Stube reinbuxierte Unterhaltung. Statt allabendlich in die Glotze zu starren, verbrannten wir ganze Scheiterbeigen an Holz an diversen Feuerstellen, wir beobachteten die Natur, diskutierten, liessen den Tag Revue passieren. War doch irgendwie auch schön.

An der phantastischen Great Ocean Road in Victoria/Australien

3 Gedanken zu “Öfters mal Panne (17)

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