Klarstellung!!!

Da ich langsam aber sicher den Eindruck erhalte, dass ich in diesem Blog verulkt werde, muss ich mich hier und jetzt mal persönlich zu Wort melden.

Als erstes muss ich klarstellen, dass ich Conrad heisse. Jawohl, CONRAD. Weder Conradli noch Conradinski, noch Coni. Auch nicht Hundeviech oder Hundeli. Und Scheisshund schon grad gar nicht. Schliesslich bin ich von edlem Blute, auch wenn ich mitunter als Promenaden-Mischung erachtet werde. Jawohl! Ich bin vom edlen Geschlechte der Griffon fauve de Bretagne, nicht mehr und nicht weniger als ein französischer Jagdhund.

Diese zwei komischen Typen, diese Hundesitter da, die versuchen seit gut zwei Wochen, sich mit mir anzufreunden. Können sie haben, schliesslich brauche ich jemanden, der mir zweimal täglich etwas zu fressen gibt und meinen Wassertopf auffüllt, damit ich dieses furchtbar trockene Futter runterspülen kann. Und ein paar Streicheleinheiten sind auch ganz nett. Je länger je hysterischer sind die Beiden, wenn es darum geht, mit mir spazieren zu gehen. Was ist denn schon dabei, wenn ich ein paar hundert Meter vor ihnen herrenne und sie mich nicht sehen können? ICH weiss immer, wo die sind. Und wenn’s mir grad so drum ist und ich ein Leckerli will, lasse ich mich auch zurückpfeifen. Aber nur dann. Schliesslich kenne ich hier jeden Baum, jeden Strauch, jede Hasenfährte.

Neuerdings aber darf ich nicht mehr frei herumlaufen. Sobald sie mit mir spazieren gehen wollen, nehmen sie mich an die Leine. „Vorsicht“ nennen sie das. Und dann soll ich auch noch anständig an der Leine laufen. Darf nicht die ganze Zeit von der linken zur rechten Strassenseite wechseln. Und wenn ich so richtig in die Leine liege, weil es mir einfach zu wenig schnell geht, passt es ihnen auch nicht. Ausser, es geht bergan. Dann reissen sie sich drum, wer mich halten darf. Pah, die hab ich schon durchschaut! Lass mich doch nicht zum Affen machen. Wenn die schon auf einen Berg wollen, dann sollen sie gefälligst aus eigener Kraft und Anstrengung dorthin marschieren.

Vor ein paar Tagen hab ich’s wieder einmal geschafft. Ich hab die beiden Komischen überlistet. Die dachten doch tatsächlich, ich liesse mich beim Einnachten widerstandslos ins Haus bugsieren. Als keiner schaute, bin ich auf leisen Sohlen hinter dem Tisch durchgeschlichen und schon war ich weg. Das Pfeifen habe ich ignoriert, das Rufen ohnehin. Endlich konnte ich wieder mal meinem Jagdtrieb nachkommen. Die ganze Nacht habe ich Eichhörnchen nachgespürt, habe Hasenfährten geschnuppert und Mäuse gejagt. Ach war das herrlich! Kreuz und quer bin ich durch den Wald gerannt. Das liesse ich mir öfters geschehen. Aber wenn ich die zwei Komischen richtig verstanden habe (die sprechen ein wirklich absurdes Kauderwelsch), wollen sie mich in Zukunft noch strikter an die Leine nehmen. Jetzt muss ich gut aufpassen, dass ich mir meinen Ausgang am Morgen nicht auch noch verbocke. Die Komische ist immer noch im Schlafanzug, wenn sie mich am Morgen raus lässt und ich würde wetten, die legt sich nochmals zum Komischen bevor ich recht in meinem Wald angekommen bin.

Also eigentlich bin ich mit den beiden Komischen ja ganz zufrieden. Immerhin machen sie jeden Tag mit mir einen langen Spaziergang. Dass sie mich nicht mehr frei laufen lassen, damit muss ich mich wohl oder übel abfinden. Wenigstens bin ich tagsüber nicht angebunden und kann in meinem Bach planschen, meinen Mäusen nachspüren oder an einem schattigen Plätzchen vor dem Haus von Eichhörnchen-Sandwiches oder Hasen-Burgern träumen.

Gestern hatte ich einen wirklich schweren Tag. Kein Erbarmen kannten die Komischen mit mir. Ich musste mit, obschon ich die ganze Nacht im Ausgang war. Diese Bergtour hat mich an den Rand meiner Kräfte gebracht. Ich konnte weder die Aussicht geniessen noch gebührend oft mein Bein heben, so kaputt war ich. In so einem Moment ist es mir scheissegal, wenn ich abends an der Leine bin. Irgendwann muss ich schliesslich meinen Schönheitsschlaf nachholen.

11 Gedanken zu “Klarstellung!!!

  1. Oh je, da habt ihr bestimmt geschwitzt, als der freche Kerl auf Abwegen war.
    Aber ihr macht das richtig, „Erlebnispädagogik“, bis der Deliquent zu müde für dumme Ideen ist, das wird ja auch bei Jugendlichen Übeltätern empfohlen 😉 .

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  2. Das ist halt der Unterschied zwischen Jagd- und Hütehund. Conrad als Jagdhund geht gerne jagen und Moira als Hütehund geht gerne hüten. Da wir keine Schafe haben, hat sie es sich angewöhnt, uns zu hüten. Nervt halt auch ein wenig, aber so bleibt sie immer in Sichtdistanz. Rennen tut sie lieber im Sport:

    Es Grüessli vo de Moira an Conrad!

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  3. Mensch Conrad,
    Du bist ja auf den Menschen gekommen! Gratulation zu den ‚Komischen‘. Ich glaube, Du hast es da gar nicht so schlecht erwischt. Und denk dran, bei deren Erziehung immer schön hartnäckig bleiben! Zweibeiner raffen das nicht gleich, wie auch… Stöckchen holen und so ein Hundebabykram, da stehen die voll drauf! 😉

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    • Für Stöckchen bin ich zu faul, die riechen zu wenig interessant. Da muss schon was aus Fleisch und Blut her. Mit den Komischen vertrage ich mich ganz gut, wenn ich ganz lieb gucke, krieg ich sogar zwischendurch mal etwas zu beissen. Und deren lange Spaziergänge finde ich, wenn ich nicht grad eine Freinacht hinter mir habe, auch schwer in Ordnung.

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  4. Pingback: IQ zwischen zwei Hundeohren | Flohnmobil - im Alltag unterwegs

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