Öfters mal Panne (29)

… oder: Sperrzone Côte d’Azur

An dieser Stelle möchte ich gerne die Leserinnen und Leser aus dem Wohnmobilforum Schweiz begrüssen.
Schön, dass ihr hierher gefunden habt, auch wenn ich euch den roten Teppich nicht mehr ausrollen darf.

Der Weg war lang, schmal und kurvenreich. Aber an seinem Ende lockte ein Wohnmobil-Stellplatz direkt am Meer. Also spulten wir unverdrossen die 35 Kilometer vom Col de Tende ans Mittelmeer hinunter ab. Über unzählige Kurven galt es, 1’200 Höhenmeter zu vernichten. Mein innig geliebter Mitreisender war am Steuer gefordert, sehr sogar, denn mehr als einmal kam uns auf der schmalen Strasse ein Lastwagen weit jenseits der Mittellinie entgegen.

Als wir endlich in Ventimiglia angekommen waren, zogen wir gleich noch die letzten 8 Kilometer durch bis auf die französische Seite, wo sich der Stellplatz direkt am Wasser befinden sollte. Ich war mir meiner Sache sehr sicher. Schliesslich hatte ich im Vorjahr hoch oben von der Autobahn aus in Menton unten Wohnmobile erblickt und die Stellplatz-Datenbank im Tomtom wartete ebenfalls mit einem entsprechenden Eintrag auf. Wir frohlockten, nur noch wenige Kilometer und wir würden nicht nur endlich eine Pause machen können, sondern unser Tagesziel erreicht haben.

Als Madame Tomtom ankündigte „Sie haben Ihren Zielort erreicht“, waren wir beim Yachthafen des belebten Menton. Wohl direkt am Meer aber vor einem Parkplatz mit einer Höhenbeschränkung. Ratlosigkeit. Meine Hoffnung, dass wir in der Nähe wenigstens einen Parkplatz finden würden, von dem aus wir einen Kaffeehalt schalten, etwas durchatmen und das weitere Vorgehen beraten könnten, zerschlugen sich sehr bald. Selbst Anhalten war unmöglich! Absolut kein freier Parkplatz in Sicht, weder für ein französisches Kleinstauto und schon gar nicht für unser sechs Meter langes Womi. Mir blieb keine Wahl, als den Mitreisenden wieder auf die Autobahn zu lotsen, was einfacher gedacht denn ausgeführt war. Bis wir die rettende Autobahn endlich erreicht hatten, mussten wir mindestens 20 Kilometer durch enge Strassenzüge, vorbei an Gestrüpp und überhängenden Felsen fahren. In der dichtbesiedelten Region an der italienisch/französischen Grenze plumpsen die Alpen buchstäblich direkt ins Meer und die Autobahn liegt auf gut 300 Metern.

Für meine Blauäugigkeit, dass es in einer solchen Region einen Wohnmobil-Stellplatz geben könnte, musste ich mir vom Mitreisenden zu Recht massive Vorwürfe gefallen lassen. Der längst überfällige Halt war erst nach weiteren 60 Kilometern Autobahn-Fahrt bei einer Raststätte möglich. Dort konsultierten wir einmal mehr unser Navi und stellten fest, dass es bei der nächsten Ausfahrt in La Napoule einen Campingplatz geben musste. Wie der aussah war zweitrangig, Hauptsache wir kamen von der Strasse weg. Als wir jedoch beim vermeintlichen Campingplatz ankamen, sahen wir vor uns wieder nur einem Parkplatz mit Höhenbeschränkung. Meine Sorge galt in dem Moment weniger einem geeigneten Übernachtungsplatz als dem Mitreisenden, dessen Nerven auch am durchglühen waren. Er musste einmal mehr einfach weiterfahren, weil wir im hektischen Südfrankreich nirgends anhalten konnten. Details der Stimmung im Womi und die dazugehörigen Gehässigkeiten erspare ich euch lieber.

Einen Kreisel später folgte das erlösende Schild. Es lotste uns auf den Campingplatz L’Argentière. Alles andere als eine gediegene Sache. Der zwar begrünte aber staubige Platz lag in der Nähe eines mückenverseuchten Bachs, in dem wir Ratten schwimmen sahen. Aber nach einer solchen Odyssee kann man wohl nicht mehr gross wählerisch sein.

Aus dieser Episode habe ich nicht nur gelernt, das damals brandneue Navi kritischer zu beurteilen, sondern auch, dass die Côte d’Azur, und zwar die gesamte Côte d’Azur, zum wohnmobilistischen Sperrgebiet gehört. Stellplätze gibt es kaum und wenn, sind sie wenig attraktiv. Die Topografie und die dichte Besiedelung tun ihr Übriges, um einem den Aufenthalt zu vermiesen. Seither haben wir um diesen Teil Südfrankreichs immer entweder einen grossen Bogen gemacht oder schnurstracks einen Campingplatz angefahren.

4 Gedanken zu “Öfters mal Panne (29)

  1. Zu diesem Schluss kamen wir auch schon…. obwohl das gute 10 Jahre zurückliegt!
    … und das mit den durchglühenden Nerven des geliebten Mitreisenden kommt mir auch irgendwie bekannt vor 😉
    Heb än schönä Sonntiobig
    bbbbbrigitte

    Liken

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