Öfters mal Panne (31)

… oder: Was rumpelt denn da?

Ich behaupte: Jede Panne kommt aus hellheiterem Himmel. Denn hätte sie sich angekündigt, hätte man ja rechtzeitig etwas gegen das drohende Unheil unternehmen können. Oder nicht?

Mein innig geliebter Mitreisender war schon immer ein Sensibelchen, wenn es um seinen fahrbaren Untersatz ging. Dass er jeglichen Ärger mit einem darniederliegenden Auto vermeiden wollte, liegt auf der Hand. Sobald er nämlich irgendetwas feststellte, das nicht war wie sonst, war es um sein Seelenheil geschehen. Das war umso schlimmer, als dass unser Camper nicht nur Auto, sondern auch Schlafzimmer, Küche, Bad und Esszimmer war.

Um nochmals zum Seelenheil des Mitreisenden zurückzukommen, darum war es auch geschehen, als wir über den Blue Ridge Parkway im Osten der USA tuckerten. Kurz nach unserem Mittagshalt stellte er beim fahren nämlich abnormale Geräusche und leichte Vibrationen fest. Meinen technisch unbelasteten Ohren wäre das Rumoren nicht aufgefallen, der Mitreisende dagegen legte sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit unter den Camper. Die Obduktion ergab: Kreuzgelenke an der Kardan-Welle ausgeschlagen.

Ich wusste mit dieser Diagnose nichts anzufangen und stellte einmal mehr die Frage, die dem Mitreisenden im besten Fall ein verständnisloses Lächeln entlockte, im schlimmsten Fall einen längeren Vortrag: „Wie weit kommen wir noch damit?“ In Anbetracht der ihm bevorstehenden schlaflosen Nacht entschied sich der Mitreisende, sofort Massnahmen zu ergreifen. Wir fuhren in den nächstgelegenen grösseren Ort. Trotz Ladenschluss erkannte der freundliche Verkäufer bei NAPA unsere missliche Lage, verkaufte uns die passenden Ersatzteile und empfahl uns eine Werkstätte.

Diese lag gleich um die Ecke. Dort beschied man uns, es würde binnen einer halben Stunde ein Mechaniker seinen Dienst antreten, der sich hier ein Zubrot verdiene. Um Schlag 17.30 Uhr traf dieser ein und begann an unserem Dodge zu hantieren. Was dann geschah, brach dem Mitreisenden beinahe das Herz, musste er doch mit ansehen, wie die Kugellager, die bei uns mit einer Presse an den richtigen Ort gedrückt worden wären, durch ein paar gezielte und einige weniger gezielte Schläge mit dem Hammer traktiert wurden. Nichts desto trotz war eine knappe Stunde später alles wieder montiert und funktionsfähig.

Nun stelle man sich eine ähnliche Situation bei uns vor. Die Misere bestünde schon mal darin, dass man erst in ein paar Tagen einen Termin in der Werkstatt erhielte. Dann könnte man ganz, aber gaaanz sicher kein Ersatzteil mitbringen, das montiert würde. Und schliesslich würde die Rechnung etwas grösser ausfallen. Uns dagegen hatte die Reparatur der Kardan-Welle gerade mal 55 US$ gekostet. Samt Trinkgeld, dafür ohne Bürokratie. Und binnen weniger als einem halben Tag war unser Auto wieder flott.

Hatte ich beim Aufwachen noch nicht mal gewusst, dass unser Fahrzeug eine Kardan-Welle hatte, wusste ich beim Einschlafen nicht nur, wie so etwas aussah, sondern auch noch, wie die diversen Teile drum herum auf Englisch hiessen. So etwas nennt man wohl „technischer Fortschritt“!

2 Gedanken zu “Öfters mal Panne (31)

  1. Weil einfach einfach einfach ist! Ich bin mal mit meinem alten Kombi durch die australische Wüste gefahren, bis die Gearbox irgendwann nicht mehr wollte. Auf einen versierten Mitreisenden konnte ich da leider nicht zurückgreifen. Irgendwie habe ich es dann aber doch im ersten Gang bis zum Ende der ewig langen, ewig geraden, ewig einsamen Straße geschafft und irgendwie konnte ich sogar die Reparatur zahlen… Wenn heute irgendeine Lampe am Supermobil leuchtet oder irgendwas wild piepst, ist es im besten Fall der offene Kofferraum und im schlimmsten mein Ruin… Beim letzten Supermobil bin ich aus Trotz irgendwann Fahrrad gefahren – und mich bekommt im Leben keiner mehr in die Vertragswerkstatt eines deutschen Autoherstellers… Tse, tse…

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    • Was hätten wir denn einander im Altersheim zu erzählen, wenn im Leben immer alles rund laufen würde???
      Ich hoffe, ich werde mich noch lange und an viele Pannen erinnern. Bloss: Die, die ich schon erlebt habe, reichen mir eigentlich für meine zweite Lebenshälfte.

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