Der manipulierte Wander-Hoger

Es wurde betoniert. Gesägt. Gehämmert. Gefräst. Gebohrt. Genagelt und geschraubt. Da müssen zahlreiche Handwerker beschäftigt gewesen sein an einer der grössten Schweizer Baustellen. Die Rede ist hier allerdings nicht von einem renovationsbedürftigen Haus. Oder einem ehrgeizigen Strassenbau-Projekt. Nein, es handelt sich um einen der beliebtesten Wanderberge der Zentralschweiz, den Grossen Mythen.

Der 1’898 m hohe Ausflugsberg steht dominant mitten im Kanton Schwyz. Er ist von weither auszumachen und wird auch „Matterhorn der Wanderer“ genannt. Man kann über diese Zusatzbezeichnung geteilter Meinung sein, mir erscheint der Mythen ohnehin eher wie die Freiluft-Ausstellung eines Eisenwarenhändlers.

Am Bergweg wurde in den vergangenen 150 Jahren immer und immer wieder Hand angelegt, so dass er nun auch von ungeübten Wanderern begangen werden kann.

Stufen wurden in den Fels gehauen, abschüssige Passagen zum Teil beidseits mit Ketten gesichert. Der Weg wurde verbreitert und wenn sich das nicht mit natürlichen Mitteln bewältigen liess, kam Beton zum Einsatz.

Da der Kalkstein von den tausenden von Wanderern, die jedes Jahr den Mythen erklimmen, blank poliert wird, wurden und werden die Tritte angeraut.

Ein endloses Werk, dieser Grosse Mythen.

Nun mag sich der aufmerksame Leser fragen, was Frau Flohnmobil dort verloren hat, wenn sie doch nur über den Hoger schnöden kann. Die Antwort ist einfach: Die Aussicht vom Grossen Mythen ist phänomenal. Alle paar Jahre kann man diese Freiluft-Eisenwarenhandlung über sich ergehen lassen, um das gewaltige 360° Panorama zu geniessen.

Andere tun’s schliesslich auch. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, um Futter zu betteln.

14 Gedanken zu “Der manipulierte Wander-Hoger

  1. Als bekennender Mythen-Fan und häufiger Gipfelbesucher schätze ich halt schon, dass der Wanderweg unterhalten und gepflegt wird. Auch für mittelmässig begabte und ausgerüstete Berggänger wie mich ist so der grosse Mythen erreichbar. Solange nicht noch eine Bergbahn rauf gebaut wird, ist für mich alles im grünen Bereich…
    Die Aussicht vom Mythen kann ganz verschieden sein. Jetzt im Herbst ist das Nebelmeer im Tal und die Sicht auf die umliegenden Berggipfel manchmal auch ein ganz tolles Erlebnis.
    Gruess vom Werner

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    • Oh, mitten ins Wespennest! 😳
      Als ehemalige Kletterin gehe ich mit solchen Wegen sicher etwas hart ins Gericht und habe bewusst provozierend geschrieben.
      In meinen Augen soll nicht Kreti und Pleti völlig ohne Risiko überallhin gehen können, sonst haben wir hier bald amerikanische Verhältnisse, wo Eigenverantwortung ein Fremdwort ist.
      Nichts desto trotz, ich war als Schülerin vor 35 Jahren (vor meiner Bergsteiger-Zeit) zusammen mit meiner Grossmutter oben und da waren bestimmt noch nicht so viele Kunstbauten. Dennoch war damals schon ein Auflauf am Mythen.
      Wieso stellst du dein Licht so unter den Scheffel? Was ich bis jetzt von dir weiss, bist du mehr als ein mittelmässig begabter Berggänger.

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  2. Ich finde diesen ausgebauten Weg jetzt auch nicht wirklich so schlimm – da stört mich mehr der ganze Wahnsinn, welche jetzt auf Bergen gebaut wird – für all die Adrealinjunkies, welche mit der Bahn auf einen Berg fahren, nur um dann auf eine spektakuläre Plattform hinaus zu laufen oder mit einer verrückten Bahn zu fahren. Chilbi in den Alpen ! Gruss Jürg

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    • Jetzt hast du mich ertappt! Von den ganzen technischen „Aufstiegsmöglichkeiten“ am Berg mache ich nämlich auch Gebrauch. Allerdings nur im Winter.
      Ansonsten sind mir diese Alpen-Chilbi-Einrichtungen ein totaler Graus.

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  3. Klettersteige gibt es halt überall in den Alpen und ich muss zugeben, dass ich die früher auch begangen bin. Aber natürlich hast Du recht, es muss nicht jeder Berg mit Eisen bestückt und zubetoniert werden.
    Noch schlimmer finde ich allerdings auch, wenn immer mehr Einrichtungen für Halbschuhtouristen und (sorry, das muss jetzt sein :-)) für Wintersportler die Berge verschandeln. Und das sage sogar ich, die jetzt leider nicht mehr „halb kletternderweise“ die Berge bezwingen kann.

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