Wir Schweizer sind schön blöd!

Und das meine ich für einmal nicht ironisch! Ironisch am Ganzen ist höchstens das Wörtchen “schön”, das sich nicht nur hier gewissermassen als ironische Verdoppelung etabliert hat.

Wir bauen Strassen, Autobahnen, Tunnels, Galerien, Brücken, und alles kostet Geld. Viel Geld. In absehbarer Zeit soll der 16 km lange Gotthard Strassentunnel saniert werden. Dazu baut die Eidgenossenschaft zuerst ein zweites Tunnel, schickt die Automobilisten nach dessen Fertigstellung durch dieses neue Loch, saniert währenddessen das alte Loch und nimmt, erstrahlt das alte Loch dereinst in neuem Glanz, beide Tunnels in Betrieb. Einspurig! Die nahezu täglichen Staus vor den Tunnelportalen werden uns erhalten bleiben.

Die Benützung dieses Strassentunnels ist, genauso wie der San Bernardino, der zweite alpenquerende Tunnel in der Schweiz, kostenlos. Wir Schweizer sind die Einzigen, die es sich leisten können, keine Tunnelmaut zu erheben! Überall um uns rum kostet das Durch-  bzw. Überqueren der Alpen. Die Brenner-Autobahn, der Mont-Blanc-Tunnel, der Fréjus-Tunnel, Karawanken- und Tauerntunnel. Überall wird man zur Kasse gebeten.

Die Mautgebühr am Arlberg-Strassentunnel ist schon wieder teurer geworden. Die einfache Fahrt durch den knapp 14 km langen Tunnel hat auf Anfang Jahr um 50 Cent aufgeschlagen und kostet nun 9.5 Euro. Wir konnten uns an der Zahlstelle eine bissige Bemerkung nicht verkneifen. “Schon wieder teurer?” “Nach drei Jahren…”, die Bemerkung des Geschöpfs hinter der Glasscheibe wirkte so hilflos wie genervt.

Ich nerve mich auch. Darüber, dass wir Schweizer halb Europa gratis durch unsere Alpentunnels fahren lassen. Damit bin ich zwar nicht alleine. Aber ändern wird es auch nicht viel.

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8 Gedanken zu “Wir Schweizer sind schön blöd!

  1. So gesehen sind wir Deutschen noch blöder. Wir verlangen noch nicht mal für die Benutzung der Autobahnen eine Maut. Das ändert sich erst 2016. Problem ist, dass der technische und bürokratische Aufwand einen Großteil der Einnahmen verschlingen wird. 😦

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  2. Die zwei Mal einspurigen Tunnels werden wohl bei den ersten paar Staus ’notfallmässig‘ doppelspurig geöffnet. Und in ein paar Jahren wird das dann der Normalfall sein.
    Zumal man bis dann vermutlich auch bei Doppelspur viele Staus hat.
    Wo soll man sonst auch durch, nur hier ist es gratis 😉
    Nun ja, ich kann gut lästern. Schon viele hundert Mal ins Tessin gefahren, aber einen Strassentunnel habe ich dazu noch nie gebraucht. SBB rulez!
    Wobei, einmal bin ich via Disentis über den Lukmanier nach Biasca. Mit dem Velo.
    Gruess vom Werner

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    • Die Sache mit dem zweimal einspurigen Gotthard-Tunnel ist ein Thema für sich. Ich habe mich einfach darüber aufgeregt, dass die Österreicher nach 3 Jahren schon wieder aufgeschlagen haben und bei uns ist eine Gebühr noch nicht mal ein Thema.

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  3. Sind die Tunnel vielleicht kostenlos, um Ausweichverkehr zu vermeiden? Nach Einführung der Autobahnmaut für LKWs gab es hierzulande bei den Herren Politikern dumme Gesichter, als die LKWs dann logischerweise durch die Ortschaften fuhren, wenn das kürzer war. Infrastrukturfinanzierung ist ein schwieriges Thema, mit der Schweizer Variante kenne ich mich nicht aus, hier in D ist es so, daß der Autofahrer mit seinen Steuern Bahn, Schiffahrt und die Rentenkasse finanziert und dann merkt man, hoppla, das Geld reicht ja nicht unendlich und der Autofahrer hat alles finanziert, nur nicht seine Straße, also bitteschön noch eine Maut, die unlogischerweise nicht an Streckenlänge und Streckenabschnitt gekoppelt ist, wodurch sie nichts anderes ist als eine weitere Steuer.

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    • Die beiden genannten Strassentunnels – San Bernardino und Gotthard – sind die einzigen wintersicheren Verbindungen im Nord-Süd-Verkehr ganz auf Schweizer Boden, die für den Schwerverkehr geeignet sind. Ausweichen ist nicht möglich bzw. wird teurer, weil man dann z.B. die Brenner-Autobahn benützt.
      Bei uns ist es allerdings auch so, dass längst nicht alle Gebühren, die der Autofahrer bezahlt, in den Strassenverkehr fliessen. Vor allem der öffentliche Verkehr profitiert von der Milchkuh Auto.

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