Ver-zipperleint

Es ist eine Frage des Alters aber zweifellos auch der eigenen Einstellung, ob und gegenüber wem man über seine Gebresten und Krankheiten spricht. Ich bilde mir ein, dass dieser Blog überwiegend von Leuten gelesen wird, die – wie ich auch – schon in ihrer zweiten Lebenshälfte stehen. Und deshalb bilde ich mir auch ein, dass nicht nur ich, sondern auch viele meiner Leserinnen und Leser so ihre Zipperlein haben. Aber darüber sprechen? Und wenn möglich hier? Nein, dieser Blog ist nicht als Klagemauer für Gebresten gedacht.

Sich jemandem anzuvertrauen, kann für das Gegenüber belastend sein. Das Mitteilungsbedürfnis über die eigenen Befindlichkeiten ist nicht bei jedem gleich gross. Dieses Mitteilungsbedürfnis ist meiner Meinung nach auch nicht jedem gegenüber gleich angebracht. Wie reagieren? Mitgefühl zeigen? Hilfe anbieten? Ignorieren? Es ist eine Sache, wenn eine Freundin mir anvertraut, der Leidensdruck sei nun so gross, dass sie sich für die Hüftgelenks-Operation entschieden habe. Oder wenn mir die Nachbarin, der ich mehrmals pro Woche begegne, erzählt, sie habe soeben eine schlimme Erkältung überstanden.

Aber wenn mir jemand, den ich erst vor wenigen Tagen aus geschäftlichen Gründen kennengelernt habe, brühwarm seinen neusten Besuch beim Arzt herunterbetet, habe ich meine liebe Mühe. Auf die Details jener Darmspiegelung hat hier niemand Bock, oder?

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8 Gedanken zu “Ver-zipperleint

  1. Es scheint aber, dass man eine bestimmte Art der Erkrankungsgeschichte anzieht – ich werde immer wieder gern mit gynäkologischen Einzelheiten von Nachbarinnen bombardiert. So zwischen zwei Etagen mal eben eine Totaloperation und zwischen Tür und Angel eine Zyste, oder eine Entbindung, wir sind ja schließlich unter uns-uns-uns-ns-ns-ns und einen schönen Tag noch! – Nun, man lernt mit der Zeit, mitten im Text einen geschickten Abbruch herbeizuführen. Das mantraartige Aufsagen von Gutsätzen mit steigendem Nachdruck ist da schon mal ein Anfang: Ja, die Sonne scheint – ja, die Sonne scheint – JA, D I E S O N N E! ! !
    Grüße aus selbiger!

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      • Was mir gerade noch in den Sinn kam: vielleicht ist die Krankheit/ widerliche Untersuchung des Gegenübers ja eine Schutzreaktion, um seine eventuelle Imperfektion seinerseits von vornherein entschuldigen zu können, frei nach dem Motto – tu mir nichts, ich kann doch nichts dafür, ich bin krank/ schwach. Aber da frage ich mich doch gleich, welche Wirkung ich im Treppenhaus habe… … …

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  2. Hallo liebe Bea! Ich weiß, was Du meinst. Ein Zipperlein ist noch zu ertragen, aber spätestens bei Schilderungen von der unteren Bauchnabelhälfte bin ich raus. Ich bin von sowas ‚peinlich berührt‘, ignoriere es, suche Fluchtwege und wundere mich abermals über die Menschheit. Manche Zeitgenossen sind da echt gnadenlos. Man bräuchte eine eitrige Gegenstory in Reserve… Bäh, nein, dann doch lieber das Wetter und nix wie weg!
    Viele liebe Grüße aus Hannover
    Franziska

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    • Ein herzliches Wieder-willkommen, liebe Franziska, hier im Flohnmobil!
      Hast du beschlossen, die Blog-Welt wieder etwas aktiver zu beackern?
      Hier kannst du jederzeit vorbei schauen, von mir wirst du auch weiterhin keine eitrigen Geschichten zu lesen kriegen.
      Grüessli
      Bea

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      • Hach Bea, wenn ich könnte, wie ich wollte, wäre ich nie ‚verschollen‘. Das, was Du so wunderbar im Griff hast, fehlt mir irgendwie – die Zeit. Genug gejammert, ich freue mich riesig, von Dir zu lesen. Deine Texte sind immer wieder eine wahre Freude!
        Im Sommer war mein smarter Raumteiler drauf und dran, ein Wohnungsmobil zu erwerben – bei jedem neuen Zielobjekt war Dein Flohnmobil in meinem beschäftigten Hinterköpfchen. Für mich heißt es: Erlebnis auf vier Rädern = Bea = Flohnmobil! ;o)
        Gut gelaunte Grüße von
        Franziska

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  3. Als Ärztin und vermutlich einer Deiner jüngeren Leser bin ich ehrlich gesagt gewohnt, dass die Menschen mir sehr gerne und ausführlich auch, wenn sie eigentlich nicht meine Patienten sind, sondern mich ,,einfach so“ treffen, ihre Leidensgeschichten erzählen und denken, sie machen mir damit eine Freunde. Wenn ich merke, dass derjenige wirklich ein Problem hat, höre ich selbstverständlich, wenn es irgend geht zu und versuche, zu helfen oder zumindest etwas Trost zu spenden. Wenn es sich aber nur um eine Art ,,Wichtigmacherei“ handelt, ist meine Antwort:,, Ich verstehe, dass Sie das belastet und ich wünsche Ihnen alles Gute.Und jetzt verraten Sie mir, wie Ihnen dieses Bild gefällt/ die Torte schmeckt/ wo Sie diesen raffinierten Schal gekauft haben…!“
    Gruß, Nessy
    http://www.salutarystyle.com

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    • Hallo Nessy, willkommen im Flohnmobil!
      Ich kann mir deine Situation gut vorstellen. Es ist weitherum bekannt, dass medizinisch gebildete Geschöpfe, wie du eines zu sein scheinst, nur allzu gern um Rat gefragt werden. Ich bilde da übrigens auch keine Ausnahme. Aber ein bisschen Fingerspitzengefühl ist seitens der Fragesteller/Informanten schon angebracht. Ich habe beispielsweise auch keinen Bock drauf, unseren Gästen den ganzen Abend mit Krankengeschichten zu „versüssen“. Das mache ich lieber mit einem gelungenen Dessert.
      Herzliche Grüsse
      Bea

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