Mein Schatzkästchen

Mein Mann war ein Mensch der Taten und Worte. Kein Theoretiker. Von unbarmherzigen Umständen in seiner Jugendzeit geprägt, stand er mit beiden Beinen im Leben. War sehr nüchtern. Zu meinem Leidwesen nur bedingt romantisch. Lesen und Schreiben war ausserhalb des beruflichen Alltags nicht so sein Ding. Nur in den Anfängen unserer Beziehung schrieb er mir. Dafür fast täglich.

Diese Briefe, Karten, Zitate, ironischen “Vermisstanzeigen”, sie alle habe ich aufgehoben. In einer Schachtel, die mein Mann mir mal als Geschenk von einer Geschäftsreise nach Paris mitbrachte.

Als wir nach einem halben Jahr zusammenzogen, kam der Postfluss abrupt zum Stoppen. Fortan bedurfte es besonderer Anlässe, damit ich in den Genuss einiger Zeilen kam.

Die Karte zu meinem 31. Geburtstag hatte mein Mann selber gestaltet. Er verwendete damals Rubbelbuchstaben (weiss jemand hier überhaupt noch, was das ist?) und schrieb mir in geschwungenen Lettern diesen Satz, der mich noch immer tief berührt und trotz der ganzen Nüchternheit, die mein Mann für Aussenstehende mitunter ausstrahlte, seine tiefe Liebe zu mir zum Ausdruck brachte.

Du bist meine Lebensquelle.
Ich trinke von Dir und bin ewig durstig.

Heute wäre unser 20. Hochzeitstag.

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3 Gedanken zu “Mein Schatzkästchen

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