Die Polenta-Kur (2)

Ich habe bis anhin gar nicht gewusst, dass es dieses Cimalmotto gibt. Es ist – wie jeder noch halbwegs zivilisierte Krachen dieses Landes – mit dem Postauto erreichbar. Allerdings ist der Fahrplan doch recht spärlich.

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Nach einer geruhsamen Nacht und einem reichlichen Frühstück laufen wir die knappe Viertelstunde runter ins Dörfchen, sehen uns dort noch etwas um, und besteigen dann das Postautöli.

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Der Chauffeur erzählt uns, dass in früheren Jahren hier bis zu 300 Leute gewohnt haben, heute wohnt nur noch eine Familie ganzjährig hier. Aber in den kommenden Wochen werde es hier aussehen “wie in der Stadt”. Alles zuparkiert, jedes Ferienhaus besetzt.

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Mitten im Nirgendwo eine Postautohaltestelle. Und wir.

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Es geht los. Aufwärts. Ohne Umschweife. Gnadenlos steil auf einem Weg, der manchmal kaum mehr als solcher erkennbar ist.

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Angesichts des knöcheltiefen Buchenlaubs kommt Vorfreude auf die Lärchenwälder auf. Wir müssen uns den Weg ertasten oder erstochern.

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Wir schwitzen und fluchen und wünschen uns eine Machete, um all dem Gestrüpp Herr zu werden. Immerhin: Es hat keine Brennesseln.

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Bei der verlassenen Alpe Orsalii folgt der angenehmere Teil des Wegs.

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Dort vorne, am tiefsten Punkt des Grates, sind die 1’400 Höhenmeter Aufstieg endlich geschafft.

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Nach der Bocchetta Cansgéi ein kleiner Vorgeschmack auf den grossartigen

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Lago d’Alzasca.

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Noch trennt uns eine halbe Stunde von diesem Naturidyll.

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Den ganzen Tag ist uns kein Mensch begegnet.

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Diesen Fluten kann auch ich nicht widerstehen, selbst wenn das Seelein vor zwei Tagen angeblich wärmer war. In den Militär-Badehosen stürzen wir uns ins kühle Nass.

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Erfrischt und darauf bedacht, nicht mehr ins Schwitzen zu kommen, nehmen wir die letzten Meter unter die Füsse.

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Endlich: die Capanna d’Alzasca! Um sie hat sich unsere ganze Wanderung gedreht. Nur weil der Koch ein guter Freund meiner beiden Begleiter ist, sind wir überhaupt hier gelandet. Die dreitägige Wanderung haben wir regelrecht um dieses Ziel herum drapiert.

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Zum Nachtessen gibt es – nein, keine Polenta – Brasato mit Risotto. Und selbstverständlich ein Glas Merlot. Eigentlich müsste ich den Titel dieses Blogbeitrags umschreiben. Aber wir hatten im Vorfeld dieser Mehrtages-Wanderung immer von der “Polenta-Kur” gesprochen.

Am anderen Morgen folgt der Teil der Wanderung, vor dem wir uns alle gefürchtet hatten: 1’400 Höhenmeter Abstieg in die Hitze des Maggiatals.

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Unterwegs wiederum viele verlassene Alphütten, teils total überwuchert, teils wieder hergestellt und zum Ferienhaus umfunktioniert.

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Einer der wenigen ebenen Flecken am Weg. Man beachte den Hintergrund.

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Gehen wir noch etwas näher ran. Kein See weit und breit!

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Und weiter geht’s bergab.

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Das Tal ist noch fern.

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Der Weg ist gut ausgebaut und lässt sich gefahrenlos begehen.

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Glücklicherweise liegt praktisch der ganze Abstieg im Schatten.

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Normalerweise würde ich mich ab solcher Landschaft freuen. Doch als wir unten im Tal ankommen, fressen mich, verschwitzt wie ich bin, die Mücken beinahe auf. Im Laufschritt geht’s weiter.

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Bei Someo überquert eine 300 m lange Hängebrücke die Maggia und ihr Schwemmgebiet.

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Wer könnte angesichts der Hitze diese Einladung ablehnen? Kristallklares Wasser sorgt für eine nicht sehr lange anhaltende Abkühlung; es dürfte nahezu 30 Grad heiss sein. Die Bushaltestelle nach Locarno liegt nur wenige Hundert Meter weiter. Ziel erreicht.

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Hier noch der Link zur Wanderung

des brutal steilen Aufstiegs und des wider Erwarten recht angenehmen Abstiegs.

Und zur Capanna d’Alzasca.

Die ersten beiden Tage dieser Wanderung habe ich HIER beschrieben.

5 Gedanken zu “Die Polenta-Kur (2)

  1. Deine Wanderungen im Locarnese haben mir ausserordentlich gut gefallen. Am Tessin gefällt mir besonders die Abgeschiedenheit und das Raue. Deine dokumentierten Wanderungen animieren zur Nachahmung. Danke für den Input.

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    • Freut mich, wenn ich dich gluschtig machen konnte.
      Wir waren zwar unter der Woche und noch vor den Tessiner Sommerferien unterwegs, aber ich glaube nicht, dass überhaupt jemals auf den begangenen Wegen wesentlich mehr Volk unterwegs sein wird.

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