Potentielle Waffen

Natürlich sah ich den Hinweis am Check-In-Schalter. So unübersehbar wie er war, so geflissentlich ignorierte ich ihn. Wanderstöcke, das ging unmissverständlich daraus hervor, waren im Handgepäck nicht erlaubt. Und wo befanden sich meine Wanderstöcke auf dem Heimweg von La Palma? Genau!

Ich hatte absolut keinen Bock, vor versammelter Meute meinen Koffer zu öffnen und die faltbaren Wanderstöcke irgendwie dort hinein zu versenken. Und schliesslich hatte ich auf einem früheren Flug mal gesehen, dass eine Passagierin ihre Wanderstöcke mit in die Kabine nahm. Dessen ungeachtet: Ich blieb in der Sicherheitskontrolle hängen. Und war nicht gewillt, meine 200 Franken teuren, praktisch neuen Stöcke kampflos aufzugeben.

Man bot mir an, ich könne meinen Rucksack, den ich mit in die Kabine hätte nehmen wollen, als Fluggepäck aufgeben. Das tat ich dann auch. Ich zerpflückte meinen Rucksack, nahm das Notebook und was ich auf dem vierstündigen Flug sonst noch zu gebrauchen trachtete, heraus und eilte einen Stock tiefer zurück ans Check-In. Zum Glück ist der Flughafen in La Palma sehr übersichtlich! Nebst den Nerven, die ich an der Sicherheitskontrolle schon abgeraspelt hatte, ging das Aufgeben eines weiteren Gepäckstücks flott über die Bühne. Zu solch fortgeschrittener Zeit war niemand mehr am Anstehen. Gleichzeitig konnte so auch das Taschenmesser eines Mitwanderers heim gerettet werden.

Irgendwo über dem Atlantik blickte ich mal in eine andere Richtung als immer nur zu meinen beiden Kolleginnen, mit denen ich die ganze Zeit tratschte. Ich traute meinen Augen kaum – die Passagierin schräg vor mir war tatsächlich am Stricken!

Kann mir bitte mal jemand plausibel erklären, weshalb meine faltbaren Carbon Wanderstöcke gefährlicher sein sollen, als Stricknadeln aus Metall?

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11 Gedanken zu “Potentielle Waffen

  1. Vielleicht waren die Stricknadel aus Kunststoff?
    Vor Jahren flog der Müller zum Radfahren auf eine Insel. Beim einchecken ging plötzlich gar nichts mehr. Stau, eine ältere Dame musste ihre Tache öffnen dabei wurde Inhaltsteil um Inhaltsteil gecheckt. Zuletzt wurde ein Kulturbeutel als Gefahrenpotenzial eruiert. Der Zollbeamte hielt schließlich eine glitzekleine Reiseapotheke in der Hand. Auch deren Inhalt landete auf dem Tisch. Aber das Suchgerät schlug immer noch Alarm, wenn das Etui in seine Nähe gehalten wurde. Nach weiterer intensiven Suche fand der gestrenge Beamte in einem versteckten Seitenfach eine etwa 4cm lange, metallene Verbandschere!
    Die ältere Dame, bleich vor Schreck, war Müllers mitgereiste Mutter.

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    • Die Lismernadeln waren nitnichten aus Kunststoff. Und auch nicht aus Bambus.
      Danke für deine Geschichte. Arms Müller-Mami! Die meisten von uns sind wohl schon mal in der Sicherheits-Kontrolle hängen geblieben.

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  2. Sogar ein Comfiglas, gefüllt mit selbstgemachter Himbeercomfi (ein spontanes Abschiedsgeschenk, das deshalb im Handgepäck landete), wurde sofort als potentielle Waffe enttarnt und somit konfisziert. Ist manchmal schon schräg, dieses Flughafenprozedere…

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  3. Im Jahr 2006 wurde alles verboten im Handgepäck mitzuführen was spitzig, feilenähnlich ,Schere, auch wenn sie noch so klein war und sogenannte Flüssigkeiten. Dazu zählen z.B. Rasierschaum, Haarlack, Zahnpasta, Konfitüre, Honig etc. wenn das Behältnis mehr als 100 ml Inhalt hatte. Das haben wir den Amerikanern zu verdanken……
    Auch Stricknadeln gehören dazu! Da war vermutlich jemand bei der Sicherheitskontrolle am Bildschirm etwas abwesend oder hat die Stricknadeln einfach nicht gesehen?!

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  4. …weil man mit Carbonstöcken viel schneller zur Flugzeugtoilette kommt, als mit Stricknadeln und es sich somit um einen absoluten Eigenvorteil handelt, welcher gemäß den internationelen Dopingrichtlinien in öffentlichen Verkehrsmitteln seit 1853 verboten ist…

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