Spektakuläres Madeira

Der Wander-Klassiker in Madeira sind zweifellos die Levadas. Sei können auch schon ganz spektakulär sein, wie in diesem Blog-Beitrag nachzulesen ist. Aber es geht noch viel spektakulärer.

Beispielsweise, wenn man einen der alten Wege bewandert, den die Einheimischen während Jahrhunderten und vor dem Bau von Strassen benützt haben, um ihre Waren von einem Ort zum nächsten zu transportieren. Oftmals führen solche Wege spektakulär und abenteuerlich über dem tosenden Meer hinweg.

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Die obigen Bilder stammen von einer Wanderung, die ganz harmlos als Levada-Wanderung begann….

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… und mit dreckigen Schuhen aufhörte.

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Zum Glück gab es kurz vor Ende der Wanderung eine regelrechte Schuh-Waschstrasse.

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Eine weitere imposante Wanderstrecke führte uns über einen alten Weg in ein Fischerdorf.

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Wie viele Steine wurden hier über die Jahrhunderte zu mehr oder weniger flachen, abgerundeten Treppenstufen verlegt!

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Nach dem langgezogenen Fischerdörfchen Paul do Mar

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geht es auf einem ebenso alten Pfad wieder 400 m aufwärts.

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Diese Wanderung klang dann entlang einer eher unspektakulären Levada aus…

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… argwöhnisch bewacht von Einheimischen.

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Es topft und topft und topft

Unsere Reise- und Wanderleiterin machte uns drauf aufmerksam, dass die Madeirenser vor ihren Häusern viele Töpfe haben. Kann das Haus und der Platz drum herum noch so klein sein, es werden Blumentöpfe aufgestellt. Nicht selten wachsen aus allen Blumentöpfen, oder aus dem, was dazu umfunktioniert wurde, die gleichen Pflanzen. Sie werden kostengünstig aus Stecklingen vermehrt und gedeihen angesichts des milden Klimas prächtig.

Derart sensibilisiert fallen mir auf einmal all die vielen bepflanzten Töpfe auf.

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Die Madeirenser mögen etwas einfallslos sein, was die Bepflanzung ihrer Blumentöpfe betrifft, in der Wahl ihrer Behältnisse sind sie relativ unzimperlich…

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… oder habt ihr bei uns so etwas schon einmal gesehen?

Wandern dem Wasser entlang

Madeira ist berühmt für seine Levadas. Ganze Heerscharen von Wanderer und Spaziergänger folgen den fast ebenen Wegen entlang der Wasserkanäle. Diese versorgen seit Jahrhunderten die trockeneren Gebiete mit dem köstlichen Nass aus dem Landesinneren.

Unsere Reiseleiterin, die schon über 60 (in Worten: sechzig!!!) Wanderwochen auf Madeira geleitet hat, kennt viele solcher Levadas. Doch auch sie kennt nur einen Bruchteil der 3’000 Kilometer Wasserführungen. Nichts desto trotz hat sie uns schon an zwei total unterschiedlichen Levadas entlang geführt. Die eine völlig abgeschieden im Landesinneren. Sehr rau, sehr viel Wasser. Und das nicht nur im Kanal, sondern aufgrund starker Niederschläge auch daneben. Gummistiefel wären das passende Schuhwerk gewesen.

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Wir waren alle ausgerüstet mit Wanderschuhen, Regenhosen, Regenjacke und vor allem einer Stirnlampe. Letzteres war zwingend notwendig, weil das längste Tunnel, das es zu begehen galt, einen Kilometer lang war. Wohl sah man von Anfang an das andere Ende, aber nur als nie näher kommen wollendes Mini-Pünktchen.

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Um es gleich vorneweg zu nehmen: Das Unterfangen geriet zur Ausdauer-Übung der Sonderklasse. Ursula, unsere Leiterin, entschuldigte sich nachher bei uns. Wenn sie gewusst hätte, dass neben der Levada im Tunnel derart viel Wasser liege, wäre sie nie und nimmer dorthin gegangen mit uns. So etwas habe sie in all den Jahre noch nie erlebt.

Teils auf dem unebenen Weg neben der Levada, teils auf dem Mäuerchen balancierend, sich mit den Händen an den feucht-schmutzigen Wänden abstützend oder breitbeinig. Jeder musste im Verlauf der Tunnel-Durchwanderung seine für ihn beste Methode entwickeln, wie er über die Runden kam. Ich entschied mich, auf dem Mäuerchen behutsam einen Fuss vor den anderen zu setzen und mit den Stöcken rechts der Levada das Gleichgewicht zu suchen. Dadurch musste ich allerdings aufpassen, dass ich meinen Kopf nicht anstiess. Zwischendurch watete ich einfach auch durch das etwa knöcheltiefe Wasser und testete meine Wanderschuhe. Meine Füsse blieben bis zum Schluss trocken. Über das Aussehen der Schuhe darf spekuliert werden.

Ingesamt  acht Tunnels lagen an unserer Strecke, das zweite war das längste und alle anderen, die folgten, entlockten uns nur noch ein müdes Lächeln.

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Die feuchte Landschaft mit ihren fast senkrechten “Hängegärten” war grandios und entschädigte uns für all die Mühen des Tages.

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Total anders dann die Levada, die wir am folgenden Tag bewanderten. Sie führt durch Kulturland, ist schmaler und der Weg daneben nicht wesentlich weniger dreckig. Anders als die erste Levada, die Wasser für ein Kraftwerk führt, dient diese Levada ausschliesslich der Bewässerung. Der Klassiker also.

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Die Fotografin war die Einzige, die ungehemmt durch sämtliche Pfützen schritt. Alle Anderen versuchten in diversen Balanceakten, schadlos über die Runden zu kommen. Ihre Schuhe wurden aber im Verlauf der Wanderung mindestens so dreckig wie die von Frau Flohnmobil.

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Irgendwo hier plätschert bestimmt auch eine Levada durch die Hänge.

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Bohnen, Chabis, Gurken, Kürbis, Zwiebeln, 3 x im Jahr Kartoffeln, Mais, Rüebli. Jeder Madeirenser scheint einen Blätz Garten irgendwo am Bord zu haben.

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Nicht jeder Garten ist gleich einfach zu erreichen.

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Das steile Gelände wurde seit Jahrhunderten terrassiert.

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Futter beschaffen für eine Geiss oder Kuh.

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Vorbei an einem Toblerone-Häuschen.

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So unterschiedlich kann Levada-Wandern sein. Die meisten Wandergruppen beschränken sich auf diese flachen Wegstücke. Wir aber haben “Bergwandern” gebucht. Und wie spektakulär das sein kann, werde ich später berichten.

Wer mehr über die Levadas in Madeira, ihre Entstehung und Nutzung lesen will, gucke HIER nach.

Gross und doch nicht das Grösste

Es gibt zwei Buchstaben, bei denen gerät jeder Madeirenser in Ektase.

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Vielerorts sind diese zwei Buchstaben zu sehen. An Hotels, Bars, Museen. Jeder scheint zu wissen, wofür sie stehen. Und ist stolz darauf.

Hm. Die zwei Buchstaben, sie stehen für Madeiras berühmtesten Sohn. Der in einer überlebensgrossen Statue am Hafen Funchals verewigt wurde.

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Doch ganz ehrlich, was kümmert mich dieser schnöde Fussballer, wenn es auf Madeira so geile Wanderwege gibt.

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Wandern auf dem schwimmenden Blumentopf

Es gibt diverse Bezeichnungen für diese Insel weit draussen im Atlantik. “Blumeninsel” wird sie oft genant, auch “Garteninsel” oder „Insel des ewigen Frühlings“. Am besten gefällt mir “Schwimmender Blumentopf”.

Und fürwahr, Madeira verfügt besonders jetzt im Frühling über eine immense Blütenpracht. Einerseits als Pflanzungen in den Gärten. Was da nicht alles blüht, was bei uns teilweise mit grösster Sorgfalt meist nur eine Saison hält. Ganze Hecken von Hibiskus, Beete von Rittersternen (Amaryllis), regelrechte Geranien-Bäume. Umwerfend! Sehr eindrucksvoll, und leider schon fast vorbei, blühen die violetten Jacaranda (Palisanderbäume).

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So schön all diese Bepflanzungen sein mögen, viel mehr interessieren mich die wild wachsenden Pflanzen. An diesen kann ich ich kaum satt sehen.

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Dieser Hahnenfuss ist übrigens mindestens doppelt so gross wie bei uns daheim.

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Der Natternkopf gilt als die Blume Madeiras schlechthin.

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Und wie findet man all diese begeisternd schönen Blumen? Klar doch: auf Wanderungen. Und das sieht dann beispielsweise so aus:

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Frau Flohnmobil, frisch behutet, hat allen Grund zum Strahlen.

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Dieses Madeira ist so traumhaft schön, ich könnte heulen vor Freude.

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Es dauerte lange, sehr lange, genau genommen fast bis zur letzten Minute, bevor ich einen Nachbarn erhielt. Ich sah ihn von weitem und wusste: Das Unheil naht. Als er auf meiner Höhe sein Handgepäck versenkte, rutschte sein T-Shirt in der Grösse Einmann-Zelt hoch und gab einen Blubberbauch frei. Igitt!

Mir wurde bange. Wenn dieser Sumo-Ringer sich unmittelbar neben mir nieder liess, würde es eng werden. Denn genau genommen passte er nie und nimmer in einen einzelnen Sitz rein. Weder in der Länge und erst recht nicht in der Breite.

Der Koloss liess sich plumpsen. Glücklicherweise blieb zwischen uns ein Sitz frei. Doch diesen nahm er bis zur Hälfte in Beschlag. Als das Frühstück serviert wurde, klappte er das Tischchen neben sich runter. Quer zu essen erwies sich aber für den Fleischberg als zu beschwerlich. So klappte er das Tischchen vor sich runter, hievte seine Wampe drauf und auf den bescheidenen Streifen Platz, der noch blieb, stellte er das Tablett. Das alles betrachtete ich mit einer nicht zu geringen Portion Abscheu, während ich noch locker Platz hatte, eine Serviette in meinem Schoss zu entfalten, bevor ich mich über mein Frühstück hermachte.

Dieses widerliche Geschöpf neben mir, das der Kategorie Ü150 angehört, verbrachte die Reise mehr oder weniger quer zur Flugrichtung. Und zu seinem grossen Übel musste die halbe Portion von Sitz 17A auch noch vor der Landung aufs Klo. Wie unsensibel!

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Nicht auf den Boden treten!

Ich weiss nicht mehr, was der Auslöser für diesen Beitrag war. Eines weiss ich aber mit Gewissheit: Wenn ich solche Geistesblitze nicht sofort aufschreibe, versanden sie wieder. Es sei denn, ich hinterlasse auf meinem Pult einen Fresszettel, der mir irgendwann mal wieder zwischen die Finger gerät. So wie jetzt.

Als hätte ich ihn erst gestern zum letzten Mal gesehen, erinnere ich mich an den Staubsauger meiner Grossmutter. Anfangs der Siebzigerjahre war das Nilfisk-Teil so gross, dass es einen halben Schrank füllte. Sein Einsatz musste wohl überlegt sein, galt es doch immer zuerst, ihn zusammenzusetzen. Als Kind fand ich diesen Staubsauger ein riesen Ungetüm. Nicht von ungefähr, wir hatten daheim ein etwas dezenteres Modell.

Meine Grossmutter aber hantierte mit ihrem Nilfisk souverän in der 3 1/2-Zimmer-Wohnung im Zürcher Heuried Quartier. Dort gab es keine Spannteppiche, wie sie in der damaligen Zeit in grässlichen Farben und Mustern Mode waren, sondern im Eingangs-Bereich einen Klinker-Boden und “echte” Teppich-Läufer. Dieser rotbraune Klinkerboden muss meiner Grossmutter heilig gewesen sein. Denn beim Betreten der Wohnung galt es stets, vom Treppenhaus in einem grossen Schritt direkt auf den Läufer zu treten. Wenn nicht, gab’s ein Donnerwetter. Einem Hüpfspiel gleich bewegte man sich in der Wohnung meiner Grossmutter von Teppich zu Teppich fort. Wehe, wenn man die Fränseli in Unordnung brachte! Ich glaube, meine Grossmutter war die Einzige, die je einen Fuss direkt auf diesen Klinkerboden gesetzt hatte. Und auch das nur, wenn sie ihn putzte.

Vor dem Haus gab’s eine Teppichstange. Und im Putzkasten – so viel Platz war neben dem Nilfisk-Monster dann doch noch – ein geflochtener Teppich-Klopfer. Heute stehen nur noch vor älteren Häusern solche Teppichstangen. Und einen Teppich-Klopfer habe ich glaub seit Jahren nicht mehr gesehen.  Ihr?

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So muss der Staubsauger meiner Grossmutter auch ausgesehen haben. An seine glänzende Oberfläche kann ich mich noch gut erinnern. Das Bild habe ich auf dieser Website gefunden.