2 Jahre danach

Mein lieber Mann

Heute sind es zwei Jahre her, seit du in meinen Armen von deinen Leiden erlöst wurdest. Es war der Tag, an dem mein neues Leben anfing. Das Leben ohne dich.

So vieles ist seither geschehen. Das Leben hat es gut mit mir gemeint. Ich fiel weder in das tiefe Loch, das mir prophezeit wurde, noch vergrub ich mich daheim. Ich lernte neue Leute kennen, die ich heute meine Freunde nennen darf. Und ich traf den Mann, an dessen Seite ich mir eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann.

Du musst nun mein Herz mit ihm teilen. Aber für dich wird es immer Platz haben.

In Liebe und Dankbarkeit
Deine Bea

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Wo sind die Gipfel?

Früher bestieg man einen Gipfel, atmete kurz durch, beglückwünschte sich gegenseitig zum erfolgreich bestiegenen Berg, setzte sich hin, packte das Futter aus, blickte in die Ferne und versuchte, das aufgereihte Panorama zu sortieren. Man erblasste vor Neid, wenn irgend so ein Dahergelaufener alle Gipfel kannte (man hatte es ihm allerdings irgendwie angesehen, dass er schon auf jedem Hoger gewesen sein musste).

Heute besteigt man einen Gipfel, atmet kurz durch, beglückwünscht sich gegenseitig zum erfolgreich bestiegenen Berg, setzt sich hin, packt das Futter aus und blickt statt in die Ferne aufs Handy. Das aufgereihte Panorama zu sortieren versucht man schon gar nicht erst, weil das elektronische Allerweltsteil auch das besser kann.

„Peak Finder“ heisst die App, die einem das Panorama auseinanderbeint. Zack, App öffnen und wenige Sekunden später weiss man mit Sicherheit, dass das dort drüben nicht das Matterhorn sein kann.

Bei meinen Handy funktioniert das auch. Irgendwann. Gar nichts mit ZACK. Meistens habe ich nicht die Geduld, so lange zu warten, bis das Panorama auf meinem Bildschirm sortiert ist.

Aber wenn es dann mal endlich sortiert ist, ist dieser Peak Finder durchaus eine gute Sache.

Des Deutschen zu viel

Heute ertönte beim Einkaufen folgende Durchsage:

“Jetzt in Aktion: Früeh-Kartoffle.
Tragtäsche à 2,5 Kilo statt 6 Franke 50 nume 3.55”

Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen.

!!! “Kartoffle” !!!

Hierzulande heisst das “Härdöpfel”. Neuerdings lasse ich zwar auch “Gummel” gelten. Aber Kartoffle – das schmerzt in meinen Gehörgängen, als würde ich mit Stacheldraht drin rum stochern.

Pfui Migros!

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Nun nimmt mich aber doch noch wunder, ob die Allerweltsknolle noch andere Namen habt.

Wie nennt ihr die Kartoffeln in eurem Dialekt?

Ein Versuch, der Hitze zu trotzen

Es hätte eine eher einfache Tour mit nicht allzu vielen Höhenmetern werden sollen. Deshalb war der Plan, die Luftseilbahn Brunni – Holzegg zu benutzen. Doch ohalätz – ausgerechnet heute gelüstete es den Verantwortlichen nach Revision. In der Website war davon übrigens am Vortag nichts zu lesen gewesen.

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Nix mit 250 Höhenmetern einsparen! Wir steuern Zwischenmythen notgedrungen vom Brunni aus an.

Ein einladendes Schild am Wegesrand.

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Der Weg verläuft teilweise – wie wir immer wieder dankbar feststellen – im Schatten. Es ist schon um 10.00 Uhr gehörig warm.

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Auf der Rückseite des Kirchleins auf der Haggenegg finden wir Bänke im Schatten. Wie geschaffen für eine erste Pause!

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Der Weg umrundet den Engelstock. Hin und wieder weht ein zaghaftes Lüftchen.

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Die wahre Erfrischung kommt nicht aus der Luft, sondern völlig unverhofft im Hofkafi am Blüemlisberg.

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Bei solchem Wetter gibt es nichts Normaleres als ein Glacé noch vor dem Mittagessen.

Das Abnormale ist höchstens, dass es sich um Ziegenmilch-Glacé handelt, die vor Ort produziert wird. Und wer jetzt die Nase rümpft, der sollte diese kulinarische Extravaganz zuerst mal probieren. Es gibt sie nämlich mittlerweile an diversen Orten zu kaufen. Mein Melonen-Glacé war eine kulinarische Offenbarung schlechthin. Und gmäggelet hat rein gar nichts.

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Mit gekühltem Bauch wandern wir weiter und tauchen bald ein

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in den Rummelplatz am Hohstuckli.

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Dieses akustische Hamster-Rad ist vielleicht mehr für Kinder gedacht…

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Am liebsten hätte sich wohl Jede von uns in den flachen Brunnen reingesetzt.

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Auf der einst längsten Fussgänger-Hängebrücke der Schweiz weht kurzzeitig so etwas wie ein Wind.

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Nach der Mittagsrast geht es nur noch bergab. Das Thermometer hat mit Sicherheit die 30-Grad-Marke überschritten. Wir sind froh um jeden Baum, der am Wegesrand Schatten spendet.

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In Rothenthurm endet die vermeintlich einfache Wanderung mit – je nach Quelle – zwischen 23’752 und 25’892 getschalpten Schritten.

Danke Allen, die sich trotz der Hitze aufraffen konnten, sich mir anzuschliessen.

Mehr Infos und Bilder gibt es HIER.

Karte

Das Wort zum Wochenende

“Zum Glück hat es im Glatt am Samstag so viele Leute.” Nach einem ausgiebigen und durchwegs ungewohnten Shopping-Tag im grössten Einkaufszentrum des Landes, der unsere Nerven ziemlich strapaziert hat, schaue ich ihn verwundert an, meinen lieben Bergler. Seinen Humor habe ich vom ersten Tag an gemocht. Und drum weiss ich auch, dass noch irgend etwas nachkommen muss.

Die Pointe lässt nicht lange auf sich warten. “Stell dir vor, die wären Alle am Wandern.” Hat was.

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Kulinarischer Irrtum

Als man uns auf der mehrtägigen Wanderung im Tessin letzte Woche als Vorspeise ein “Risotto ai Frutti di Bosco” ankündigte, gingen wir alle davon aus, dass diese Früchte des Waldes Pilze sein würden. Weit gefehlt! Im Teller kam es ungewohnt farbig daher, es schienen sich tatsächlich einzelne Beeren in der violetten Risotto-Masse zu tummeln.

Wir kosteten – und waren Alle begeistert! Es begann das grosse Rätselraten, wie ein solcher Risotto herzustellen sei.

Ich habe im Internet ein Rezept gefunden. Leider auf italienisch, aber so etwas stellt – zumindest mit etwas Fantasie – heutzutage keine grossen Hürden mehr dar.

Hier das Rezept aus DIESEM BLOG (es darf ausprobiert und geschmunzelt werden):

Zutaten

    Carnaroli-Reis 360 g
Gemüsebrühe 1 l
Heidelbeeren 50 g
Brombeeren 50 g
Rote Johannisbeere 50 g
Himbeeren 50 g
Taleggio 200 g
Creme 200 ml
Rosa Pfeffer 1 Prise
Schalotte 1 Nelke
Rotwein Ein halbes Glas
Butter 50 g
Olivenöl extra vergine q.b.
Grana Padano DOP q.b.

Vorbereitung

    Zuerst beginnen wir mit wilden Beeren: Spülen Sie sie unter kaltem, fließendem Wasser ab und schlagen Sie sie dann mit einem Mixer, bis eine weiche Sauce entsteht. (Für das endgültige Siegel etwas Obst beiseite legen).

    Die Schalotten hacken und in einer Pfanne bei schwacher Hitze mit etwas nativem Olivenöl extra anbraten, ohne es zu verbrennen.

    Erhöhen Sie die Hitze leicht, fügen Sie den Reis hinzu und rösten Sie ihn 2-3 Minuten lang, bis er transparent wird. Den Rotwein dazugeben.

    Lassen Sie den Wein verdunsten und fügen Sie die Brühe hinzu (schön warm, empfehle ich!). Während des Trocknens wird das Risotto zum Kochen gebracht (15 – 17 Minuten).

    Nach der Hälfte des Garvorgangs unsere Waldbeersauce hinzufügen und gut mischen. Sie werden dieses Parfüm spüren!

    Während der Reis kocht, können wir uns unserem Fondue widmen: In einem Topf die Sahne aufkochen, vom Herd nehmen, den gewürfelten Taleggio-Käse und eine Prise rosa Pfeffer dazugeben. (Sie können wählen, ob Sie gut mit einem Schneebesen mischen oder alles mit einem Mixer verquirlen, um eine weniger dichte Sahne zu erhalten.)

    Sobald das Risotto al dente ist (bitte versuchen Sie es zu verstehen), nehmen Sie es vom Herd, rühren Sie die Butter und dann das Grana hinein und mischen Sie alles gut durch, um die Zutaten zu mischen.

    Servieren: In einem Servierteller gießen wir das Taleggio-Fondue in die Mitte, legen eine runde Coppapasta in die Mitte und verteilen unser Wildfruchtrisotto. Wir schließen die Dekoration mit beiseite gehaltenen Beeren und einem Minzblatt ab.

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Unser Risotto mag vielleicht nicht exakt nach diesen Vorgaben gekocht worden sein, uns jedoch hat es geschmeckt. Und unsere Vorturnerin war nur schon von der Farbe des Gerichts hin und weg.

Frau Flohnmobil wünscht allen experimentierfreudigen Köchinnen und Köchen EN GUETE.

Zehn kleine Negerlein im Tessin

Zehn kleine Negerlein trafen sich in Intragna. Sie alle hatten das gleiche Ziel: Monte di Comino.

Dieses erreichten sie über Treppenstufen,

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vorbei an verfallenen Häusern,

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über mehr oder weniger abschüssige Wege,

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und über Wiesen. Sie wunderten sich nicht schlecht, als ihnen auf diesem Weg jemand mit einem Roll-Köfferli entgegen kam.

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Sie freuten sich über die sympathische Unterkunft Alla Capanna, wo sie nicht nur gut untergebracht waren, sondern auch ausgezeichnet assen.

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Am nächsten Morgen trat ein Negerlein den Heimweg an; es wollte sich die lange Etappe nicht antun. Neun kleine Negerlein machten sich auf den Weg zum Pizzo Ruscada.

Der Weg auf den Gipfel war lang und sehr abwechslungsreich – und alle fürchteten sich vor dem steilen Abstieg.

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Völlig zu Recht, denn innert Kürze wurden hunderte von Höhenmetern vernichtet,

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bis endlich der Bach nicht nur hör- sondern auch sichtbar wurde.

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Die Negerlein mussten nur noch einen Gegenanstieg von läppischen zweihundert Höhenmetern bewältigen,

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bevor sie in Comologno ihr Etappenziel erreichten.

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Sieben kleine Negerlein winkten zwei ihrer Kameraden hinterher, die mit dem letzten Postauto heimwärts fuhren. Die Verbliebenen quartierten sich im historischen Palazzo Gamboni ein, wo die Einen in diesem knarrenden Schlafgemach nächtigten.

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Sechs kleine Negerlein verabschiedeten nach einem ausgiebigen Frühstück ein Gspähnli, das sich aus gesundheitlichen Gründen entschieden hatte, auf die letzte Etappe zu verzichten.

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Das geschrumpfte Grüppchen setzte sich ins Postauto und fuhr nach Spruga.

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Im hintersten Onsernone-Tal, kurz vor der italienischen Grenze, schien die Zeit stehen geblieben zu sein.

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Den Negerlein gefiel, was sie hier antraffen. Jedenfalls zum wandern.

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Sie fanden die schönsten und blausten Enziane, die sie je gesehen hatten. Und sie hatten allesamt schon viele Enziane gesehen!

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Der optische Höhepunkt des Tages rückte ins Visier: der Laghetto di Salei.

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Den Einen reichte der blosse Anblick nicht, sie mussten unbedingt selber herausfinden, wie kalt sich 12 Grad anfühlten.

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Als sie wieder aufgetau(ch)t waren, marschierte das Trüppchen weiter

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und weiter

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bis es schliesslich auf dem Pizzo Zucchero stand.

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Von dort aus sah man den höchsten und den tiefsten Punkt des Landes.

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Nach dem kurzen Abstieg zur Bergstation der Funivia Zott – Alpe Salei liess jedes der Negerlein seiner Fantasie freien Lauf über den kulinarischen Abschluss der dreitägigen Wanderung. Eiskaffee  – Torta di Pane – Cappuccino – Bier. Leider hatte das in der Karte eingezeichnete Gasthaus in der Zwischenzeit dicht gemacht, sodass die tapferen Wanderer fast eineinhalb Stunden aufs Postauto warten mussten, das sie zurück in die Zivilisation brachte.

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In Locarno stürmten sie den Kiosk und alle sechs Negerlein hingen in der Folge an etwas Gefrorenem.

In Giubiasco schauten fünf kleine Negerlein zu, wie ihr jüngstes Mitglied auf den Anschlusszug rannte.

In Bellinzona trennte sich das Grüppchen erneut. Drei kleine Negerlein fuhren Richtung Norden und die verbliebenden zwei kleinen Negerlein mit dem Postauto ins Misox.

Ein kleines Negerlein schrieb diesen Blog….

… und dankt Barbara für die Idee und Umsetzung dieser tollen dreitägigen Wanderung durch abgelegene Tessiner Krächen.  Auch wenn ich diesen Garacho-Abstieg nach Comologno ganz bestimmt NIE MEHR machen werde, so hat es doch einmal mehr riesig Spass gemacht, mit der Gruppe unterwegs zu sein. Danke euch Allen!

Weitere Infos und Fotos zu den ersten beiden Tagen gibt es HIER.

Und der dritte Wandertag ist HIER nochmals beschrieben.

Will jemand nachwandern? Hier geht es zu den Kartenausschnitten:

Tag 1  ****  Tag 2  ****  Tag 3