Das Wort zum Wochenende

“Zum Glück hat es im Glatt am Samstag so viele Leute.” Nach einem ausgiebigen und durchwegs ungewohnten Shopping-Tag im grössten Einkaufszentrum des Landes, der unsere Nerven ziemlich strapaziert hat, schaue ich ihn verwundert an, meinen lieben Bergler. Seinen Humor habe ich vom ersten Tag an gemocht. Und drum weiss ich auch, dass noch irgend etwas nachkommen muss.

Die Pointe lässt nicht lange auf sich warten. “Stell dir vor, die wären Alle am Wandern.” Hat was.

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Berufung Berufskraut

“Buon Giorno.” Ich blicke von meiner Arbeit auf, sehe die alte Frau auf dem Balkon stehen und sage ebenfalls: “Buon Giorno.” “Was machen Sie?” fragt mich die Frau nun auf Deutsch, mit deutlichem Akzent. Ja, was mache ich eigentlich? Das habe ich mich in den vergangenen Stunden oftmals gefragt. Da ich nicht weiss, wie gut die Frau Deutsch spricht, lange ich in den Kübel, der seit den Morgenstunden mein Begleiter ist und halte ein Kraut in die Höhe. “Ausreissen.”

Ich weiss nicht, ob die Frau das versteht. Weder in Worten, noch wie man es sich antun konnte, stundenlang mit einem Stechgerät diese Sisyphus-Arbeit zu verrichten. Mal auf den Knien im Gras, mal mit gebeugtem Rücken, mal seitwärts, dann wieder sitzend, mal ganz in der Nähe, mal total ausgestreckt. Mit wenig System und doch zielführend.

Eineinhalb Tage lang war ich damit beschäftigt, diesem Kraut mit dem harmlos klingenden Namen “einjähriges Berufskraut” habhaft zu werden. Die ganze Wiese war übersät davon. Früher hiess es noch, dieser Neophyt liesse sich durch regelmässiges Mähen vor der Blüte in Schach halten. Tatsache ist aber, dass er so lediglich ganz tief liegende Verzweigungen ausbildet und aus einer Pflanze mindestens deren zwei werden. Und ausserdem wird das lästige Gestrüpp so mehrjährig!

Die einzig wahre Gegenmassnahme, wenn man nicht gleich den ganzen Rasen neu machen will, ist jäten. Das Kraut muss mitsamt der Wurzel ausgerissen werden. Und das habe ich wie erwähnt eineinhalb Tage lang getan. Mein Rücken schmerzt. An meinen Beinen und Armen spüre ich Muskeln, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt, meine Hände tun selbst jetzt beim Schreiben weh. Nach diesen ungewohnten Strapazen erscheint mir die bevorstehende Mehrtageswanderung als regelrechter Kindergeburtstag.

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Dreihändig

Ich wollte ja schon lange wieder mal in der Küche Staub saugen…

… der Umweg über den Teller wäre allerdings nicht nötig gewesen.

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Das hat man davon, wenn man links die Kaffeetasse trägt, rechts ein Tellerchen mit Guezli und sich einbildet, man hätte immer noch eine Hand frei, zum das Licht löschen.

Papierlos einkaufen

Wenn ich bei Coop einkaufe – und das kommt bei einem Migros-Kind wie mir ausgesprochen selten vor – werde ich an der Kasse neuerdings gefragt, ob ich die Quittung wolle. Soll ich nun Gewissensbisse haben, weil ich diese Frage stets bejahe? Soll ich der Umwelt zuliebe auf diesen Streifen Papier verzichten?

Coop verschickt in praktisch jeden Schweizer Haushalt jede Woche eine Zeitschrift, die mittlerweile mehr Beilagen in Form von Prospekten enthält, als die Zeitung selber dick ist. Schon lange rege ich mich über diese Papierflut auf. Letzte Woche kam mit dem Versand ein idiotisches Büchlein mit Rabatt-Gutscheinen. Pampers fünf Franken billiger. Zwei Kilo Spaghetti einen Franken billiger. Ein Rasenroboter 50 Franken billiger. Ein Sechserkarton Wein neun Franken billiger. Spülmittel, Kindersocken, Kosmetika, Charcuterie – alles ein Hauch billiger und in einer nicht nachvollziehbaren Logik angeordnet, damit man möglichst das ganze Büchlein von vorne bis hinten durchblättert.

Dieses Gutschein-Büchlein hat mir den Gong gegeben! Ich habe mich per Mail an den Abo-Service der Coop-Zeitung gewandt und in netten Worten erklärt, dass ich zukünftig auf dieses Druckerzeugnis verzichten werde.

Mit dem eingesparten Papier nur einer einzigen Ausgabe kann ich mir bis an mein Lebensende Quittungen aushändigen lassen.

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Bleiben Sie bitte ruhig! …. Ruuuhig!!!!

Nach dem Einkauf beim grossen M. Mein Postichörbli und ich, wir wären eigentlich bereit gewesen, das Parkhaus Ticket zu entwerten und heim zu fahren. Wäre da nicht diese Menschenansammlung vor dem Zahlautomat gewesen.

Ich werfe einen scheuen Blick aus der Ferne aufs Display. Kaum ist man mal ein paar Tage nicht zu Hause, schon haben sie dem Automaten Englisch beigebracht, ist mein erster Gedanke. Englisch ginge ja noch, plötzlich stehen Letter auf dem kleinen Display, die vermutlich selbst Sprachforscher keinem Idiom zuordnen könnten. Mit vereinten Kräften wird versucht, dem Automaten ein verschlucktes Ticket wieder zu entlocken. Es wurden offenbar schon sämtliche zur Verfügung stehenden Knöpfe gedrückt – bis auf den … Notfallknopf.

Endlich wagt eine Frau den entscheidenden Schritt, drückt den gut markierten Knopf und es passiert …. nichts. Eine gefühlte Ewigkeit lang kein Mucks aus dem Lautsprecher, dann endlich ertönt eine Stimme: “Bitte bewahren Sie Ruhe.” …. “Bitte bewahren Sie Ruhe.” …. “Bitte bewahren Sie Ruhe.” Dies in einem wenig hilfsbereiten Ton und einem Dialekt, den ich eher in Wien denn in Zürich erwartet hätte. Noch liegen sich die Wartenden, die übrigens immer zahlreicher werden, nicht in den Haaren.

Mir wird es zu bunt, denn ich ahne schon, was kommen wird. Mit dem immer schwerer werdenden Postichörbli mache ich mich auf in Richtung Auto. Ich glaube nicht, dass ich Entscheidendes verpassen werde. Kaum habe ich meinen Kofferraum-Deckel zugeknallt, sehe ich die Meute näher kommen. Ich schnappe mir die erstbeste Person und erkundige mich nach den neusten Erkenntnissen. Man solle an die Schranke fahren, diese werde geöffnet. Sagts und steigt ins Auto ein.

Ich tue dasselbe. Vor mir vier, fünf Autos. Die Spannung steigt. Der Vorderste ist bei der Schranke. Diese öffnet sich, er fährt raus. Der Nächste schliesst auf. Die Schranke bleibt offen. Aber wie lange noch? Er wagt es. Selbes Procedere beim nächsten Fahrzeug. Niemand traut sich, direkt dem Vordermann anzuhängen. Jeder macht einen Sicherheitsstop. Auch ich. Man weiss ja nie.

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Alles gut gegangen, aber wie entsorge ich jetzt dieses Parkticket fachgerecht? Essen darf ich es ja offenbar nicht.

Marmor, Stein und Eisen bricht…

Ich wusste nicht, dass im Vinschgau Marmor abgebaut wird. Marmor brachte ich bis anhin immer mit Carrara in Verbindung. Dabei rühmen sich die Laaser doch, den weissesten Marmor zu haben.

Tatsache ist, dass einem in Laas Marmor buchstäblich auf Schritt und Tritt begegnet, glitzern einem doch selbst die Trottoirs und Bahnsteige weiss entgegen.

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Wir haben eine ganztägige Führung auf dem Spuren des Laaser Marmors gemacht. Beeindruckend ist insbesondere, dass der Marmor 700 m über der Talsohle abgebaut und in nicht mehr ganz zeitgenössischen Transportanlagen zu Tale gebracht wird.

Dem Besucher fällt dieser Schräglift mit einer Spurbreite von 2,55 Metern auf. Damit überwinden die bis 13 Tonnen schweren Klötze einen Grossteil der Höhendifferenz.

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Oberhalb und unterhalb dieser Bahn werden die weissen Schröppen mit einem museumsreifen Bähnli transportiert.

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Auf unserer Besichtigungs-Tour können wir einen Blick ins Maschinenhaus aus den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts erhaschen.

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Dann geht der Marsch los Richtung Marmorbruch.

Wo kann man sich schon den Luxus von Marmor-Schotter leisten?

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Der Weisswand-Bruch kommt in Sicht. Was aus der Ferne aussieht wie Altschnee

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ist in Tat und Wahrheit Marmor-Gestein.

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Über zahlreiche Stufen (links der steilen Treppe das Rohr mit dem Schutt, rechts Strom und Wasser) erreichen wir einen alten, nicht mehr benutzten Stollen.

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An dessen Ende steht die alte Seilbahn, die bis 2010 die Marmorklötze quer übers Tal transportiert hat.

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Der Zugang zum Marmorbruch, in dem das Gestein unter Tage abgebaut wird, ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Wir dürfen nur einen Blick von aussen erhaschen.

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Anschliessend folgt der ziemlich anspruchsvolle Abstieg ins Tal. Ich hätte nicht mit denjenigen Teilnehmern in unserer Gruppe tauschen wollen, die lediglich in Turnschuhen unterwegs waren.

Der Abschluss der zwar interessanten, aber etwas langatmigen, ganztägigen Tour führt durch den Skulpturenpark. Diese ca. 50 cm grosse Figur hätte ich am liebsten mitgenommen. Aber wohin damit?

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Einen kurzen Blick über das Innenleben des Marmorbruchs kann man HIER erhaschen.

Und wer sich für den aufwändigen Transport der Klötze interessiert, schaue sich bitte DIESES VIDEO an.

Wohnmobil-Ruine

Auf dem Campingplatz, wo wir einige Tage hausten, stand diese Wohnmobil-Ruine.

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Ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen. Was für ein Schandfleck für einen Campingplatz, der sich rühmt, unter den ersten Fünf des Landes zu rangieren.

Wir näherten uns vorsichtig. Aus der Nähe sah das Gefährt noch schlimmer aus, als aus der Ferne. Ich traute mich nicht näher als einige Meter ran. Wer weiss, ob da nicht noch ein mumifizierter Wohnmobil-Reisender irgendwo an einem Bank sass…!

Was immer hier geschehen sein mag – irgend etwas ist gewaltig schief gelaufen. Und die Campingplatz-Betreiber müssen sehr triftige Gründe haben, dass sie diesen Schandfleck mitten auf dem Platz nicht wegräumen.

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