Bald haben wir’s überstanden!

Abgesehen von Werner und Timi sind wohl meine Kakteen die Einzigen, die dieser Affenhitze, die uns nun schon seit bald zwei Wochen das Leben schwer macht, etwas Positives abgewinnen konnten.

Und wie! Sie haben auch diesen Sommer wieder geradezu verschwenderisch schön geblüht.

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Und das sind noch nicht mal alle. Gewisse Kakteen blühen nur einen Tag. Und wenn Frau Flohnmobil gerade an dem Tag am Wandern ist, kann sie am Abend bestenfalls noch erahnen, dass der Kaktus geblüht haben muss.

Noch ist die Kakteen-Blüte nicht vorbei. Was aber in wenigen Stunden vorbei sein wird, ist diese gnadenlose Hitze. Diese Hitze, die mich entweder zum Flüchtling (ab in die Berge!) oder zum Stubenhocker (wo es dank gewissenhaftem Lüftungs-Management einigermassen erträglich blieb) mutieren liess.

Herzschmerz

Ich empfand in mehrerlei Hinsicht Herzschmerz in den vergangenen fünf Wander-Tagen im Engadin.

Auf Schritt und Tritt wurde ich an früher erinnert. An gemeinsame Rennvelo-Touren mit meinem Mann. An Wanderungen. An Aufenthalte auf Campingplätzen mit unserem ersten VW-Camper. Und insbesondere ans Skifahren. Praktisch jeden Winter verbrachten wir mindestens eine Woche im Oberengadin.

Auch auf der Diavolezza waren wir jeden Winter. Die berühmte Aussicht von der Terrasse des Berghauses aus – wer würde sie sich schon entgehen lassen.

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Diavolezza, März 2015

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Piz Bernina im März 2011

Seit mehr als 30 Jahren war ich letzte Woche wieder mal im Sommer dort. Und ich traute meinen Augen kaum, so scheusslich sah es aus.

Ich hätte heulen können beim Anblick all dieser aperen Eisströme. “Ausgehungerte Gletscher” nannte es eine Kollegin zutreffend. Total deprimierend. Und schlagartig wurde mir bewusst, dass der Herzschmerz über mein verflossenes Leben im Vergleich dazu nur ein Nasenwasser ist. 

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Wandern mit Freu(n)den

Es ist kaum zum glauben. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr schrieb ich diesen Blog-Beitrag und verkündete darin, ich hätte herausgefunden, dass ich lieber alleine als gar nicht wandern gehen würde.

Kurz darauf habe ich Unterschlupf gefunden bei einer Wandergruppe, bei der ich mich wohl, saumässig wohl fühle.

Und nun bin ich mit dieser Truppe zum zweiten Mal innert zwei Wochen mehrere Tage unterwegs am wandern.

Super, solche Freunde gefunden zu haben! Oder?

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Helvetisches Scheissen

Gleich zu Beginn ein “Entschuldigung”. Es ist sonst nicht meine Art, hier mit Fäkalsprache um mich zu werfen. Aber der Anblick dieser luftigen Toilette entlockte mir eben genau diesen Begriff.

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Da kann mir wohl niemand widersprechen. Dieses luftige WC-Häuschen steht bei der Segantini-Hütte im Engadin auf 2’731 m und dürfte schon tausendfach fotografiert worden sein.

Passend zum Thema haben wir im Verlauf der Wanderung diese dekorierte Wanderweg-Markierung gefunden.

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Kein weiterer Kommentar.

Schlechtes Gewissen

Genau dieses befiel mich. Das schlechte Gewissen. Ich stand am Wasserhahn und füllte die Giesskanne, um meinen Garten zu wässern. Einen Garten, der streng genommen zu nichts nütze ist. Er versorgt weder mich noch irgendwelche Nutztiere mit Nahrung. Er dient rein der Zierde und meiner Freude. Gut, der eine oder andere Vogel mag sich hierhin verirren, Insekten, kleine Säugetiere.

Ich versuche, so viel Wasser zu geben, dass die diversen Pflanzen trotz der lange anhaltenden Trockenheit einigermassen eine Gattung machen. Rasen wässern, soviel Vernunft hat Einzug gehalten, ist kein Thema! Auch so füllt sich die Giesskanne mindestens zehn Mal mit zehn Litern.

Wie lange können wir uns den Luxus noch erlauben, unsere Ziergärten zu wässern? In unserer Gemeinde ist das Wasser noch nicht rationiert. Es wurde aber vor sechs Tagen zum “schonenden Umgang mit Trinkwasser” mit zahlreichen konkreten Tipps aufgerufen.

Was heisst das nun? Bei uns ist alles Wasser, das aus der Wasserversorgung stammt, Trinkwasser. Auch das, das ich über die Pflanzen kippe, mit dem ich Wäsche wasche, dusche, die Toilette spüle. Jedes Mal, wenn ich Gemüse wasche, denke ich, mit diesem Wasser könnte man schon wieder eine Pflanze wässern. Aber unsere Infrastruktur sieht das nicht vor. Ich müsste das Gemüse statt im Spülbecken in einem Plastikbecken waschen und dieses dann nach draussen tragen. Das wäre machbar. Und tatsächlich habe ich das auch schon praktiziert. Aber längst nicht immer.

Ich erinnere mich an eine Radioreportage vor einigen Monaten wo berichtet wurde, dass in Südafrika das Wasser auf 50 Liter pro Person und Tag rationiert sei. Da überlegt man sich zweimal, wofür man das Wasser braucht und wie man es recyceln kann. Ob es in Südafrika in der Zwischenzeit ausgiebig geregnet hat, weiss ich nicht. Die eigenen Probleme haben die Wasserknappheit am anderen Ende der Welt in den Hintergrund rücken lassen. Die Medien müssen nicht mehr um den halben Globus reisen, um über Dürren und drohende Ernteausfälle zu berichten.

Unsere Seen sind gewaltige Süsswasser-Speicher. Aber was nützen sie den Gemüseanbauern, die oft weit weg davon ihre Felder vertrocknen sehen? Wo führt der sorglose Umgang mit dem kostbaren Wasser und den Ressourcen im Allgemeinen noch hin? Es hat mich erschüttert zu hören, dass wir weltweit den Erdüberlastungstag bereits erreicht haben; wir Schweizer mit unserem sorglosen Verhalten sogar schon am 7. Mai.  !!!

Ich weiss, dass ich da auch meinen Anteil dran habe. Vielleicht etwas weniger als der Durchschnitt hierzulande, aber ich hause  wie alle, die hier mitlesen, nun mal nicht in einer Lehmhütte.

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Das Bild stammt ausdrücklich nicht von meinem Garten! Ich habe es im Juli 2006 auf der Schwedischen Insel Öland aufgenommen, wo es auch extrem trocken war.

Abkühlung

Ich weiss nicht, wieso mir der Gedanke ausgerechnet heute kam. Als ich nach dem Einkaufen bei gefühlten 50 und tatsächlichen 34 Grad auf mein Auto zuging, kam mir plötzlich in den Sinn, dass ich neue Winterreifen brauche.

Dieser Gedanke hat kurz für etwas Abkühlung gesorgt.

Aber wirklich nur ganz kurz.

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Angehimmelt

Kurz vor 21.30 Uhr hielt ich es daheim nicht mehr aus. Ich wollte das Schauspiel nicht verpassen und folgte dem Bann des Trabanten.

Auf einer Anhöhe bei unserem Dorf mit freier Sicht gen Osten stand zwar nicht gerade eine Menschenmenge, jedoch war ich mit meiner Idee nicht alleine.

Man sah den Mond bereits knapp über dem Horizont. Wo blieb das Schauspiel?

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21.43 Uhr

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21.53 Uhr

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22.07 Uhr

Mittlerweile war auch das Ragusa am Firmament aufgetaucht. Oder wie hiess dieser Planet schon wieder?

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22.18 Uhr

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22.23 Uhr

Eine Stunde des Wartens später stand ich auf und ging heim. Ich hatte den Mond lange genug angehimmelt – selten hat dieser Begriff besser zugetroffen.

Der angenehme Nebeneffekt dieses Naturschauspiels war zweifelsohne die kühle Brise, die auf der Anhöhe blies. Es hat sich nur schon deshalb gelohnt.

Prioritäten festlegen

Ich stand am Bahnhof, der Rucksack hing schwer an meinen Schultern. Im Geiste scannte ich seinen Inhalt. War irgend etwas daheim geblieben?

Eiskalt lief es mir den Rücken runter. Das Handykabel!!!!!!

Ich überlegte fieberhaft. Wie konnte ich morgens um Sechs ein Ladekabel beschaffen? Ich hatte es doch beim Umsteigen gemütlich angehen und einen Kaffee trinken wollen.

Ich stand vor der schwerwiegenden Entscheidung: auf eine lebenserhaltende Tasse Kaffee verzichten…..

…. oder die kommenden Tage von der digitalen Welt abgenabelt zu sein.

Wie hättet ihr entschieden?