Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Gestern, auf dem Furka-Höhenweg zwischen Realp und Andermatt, wurden wir Zeugen eines seltenen Naturphänomens.

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Den Regenbogen am Himmel nennen die Meteorologen “Zirkumhorizontalbogen”.

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In den Worten von SF Meteo:

Das seltene Halo-Phänomen erinnert an eine Regenbogenwolke. Es braucht einen Sonnenstand von über 58 Grad, was in der Schweiz nur im Sommer und um die Mittagszeit möglich ist. Für die Regenbogenfarben sind hohe Eiskristallwolken (Cirren) verantwortlich. An deren horizontalen Eisplättchen wird das Sonnenlicht gebrochen.

Auf Umwegen zum Vreneli

5.58 – die Zahl des Tages. Abfahrt unseres Zuges in Richtung Wanderferien. Unsere erste Sorge, ein 3-minütiger Übergang, erwies sich als völlig unbegründet, hatte der Anschlusszug doch 12 Minuten Verspätung.

Doch nun begann das grosse Zittern, ob es in Zürich noch auf den IC nach Bern reichen würde. Nach menschlichem Ermessen sind 2 Minuten dafür zu knapp, doch da es im Bahnhof zur frühen Morgenstunde noch recht leer war, schlüpften wir gerade noch so in den erstbesten Waggon. Nach kurzer Wanderung durch den abfahrenden Zug fanden wir uns in einem praktisch leeren Wagen, der unten das Bistro hatte. Ideale Voraussetzungen!

Mit dem Kaffeebecher in der Hand schien die Anreise nach Gurnigel in trockenen Tüchern. Bis diese Ansage durch den Zug ging.

„Geschätzte Fahrgäste, infolge eines Personenunfalls bei Schönenwerd verkehrt dieser Zug nur bis Aarau. Wir bitten alle Reisenden auszusteigen.“

Das war das Aus unseres geplanten Wanderstarts gegen 9.30 Uhr. In mir begann es zu rotieren. Ich studierte sämtliche Postautolinien in der abgelegenen Gegend zwischen Gurnigel und Guggisberg. Auch ein Taxi zog ich in Erwägung, um auf die eine oder andere Weise doch noch wenigstens ein Teil der vorgesehenen Wanderung machen zu können.

Wie hatte man das früher bloss ohne Handy gemacht?!?

In der Zwischenzeit standen wir in Aarau auf dem sich füllenden Perron und erfuhren, dass in absehbarer Zeit kein Zug Richtung Bern fahren würde. Dafür zurück nach Zürich. Und von dort nach Luzern. Und weiter über Sursee nach Bern.

Drei Stunden später als geplant und mit etlichen Zusatzkilometern versehen, kamen wir in Bern an. Auf der Fahrt dorthin hatte ich ausreichend Zeit gehabt, mehrere Wandervorschläge auszuarbeiten. Aber noch trennte uns eine weitere Zugfahrt und ein Ritt mit dem Postauto von unserem improvisierten Startpunkt.

Endlich…..!

In knapp drei Stunden bewanderten wir das hügelige Gebiet des Schwarzenburgerlands.

Als Highlight nahmen wir den Nagelfluh-Gipfel des Guggershorns mit, der über eine veritable Himmelsleiter erklommen werden musste..

Und dann? 20 Minuten Abstieg nach Guggisberg, Einkehr und Einquartieren im einzigen Hotel im Dorf und das Resumee: Wir haben wohl das Beste aus der Situation gemacht.

Es geht nichts über ausreichende Geografie-Kenntnisse und ein GA oder zumindest eine Tageskarte im Sack.

Aus dem Leben eines Berufskrauts

Über Jahre hinweg glaubte man, man könnte mich mit einem simplen Rasenmäher in Schach halten. Rechtzeitig vor der Blüte schneiden und das Berufskraut kann sich nicht vermehren, so lautete die Devise.

Wie sehr haben sich die Rasenmäher-Leute getäuscht! Denn ich wusste mir zu helfen. Ein Schnitt zur rechten Zeit verlieh mir geradezu ungeahnte Kräfte, mein Vermehrungsdrang explodierte förmlich. Welcher Dilettant auch immer mir den deutschen Namen “einjähriges Berufskraut” verlieh, er hatte keine Ahnung, zu was ich fähig bin. Durch den Rückschnitt bilde ich nämlich Rosetten aus, die mehrjährig werden können und die Mathematik lautet simpel und einfach: Aus eins mach zwei. Kann gut sein, dass ich so für den Rest des Jahres nicht mehr zum blühen komme, aber weg von der Bildfläche bin ich deswegen noch lange nicht.

Auch in diesem Garten im Misox pflegte ich über Jahre hinweg ein angenehmes Leben. Wurde gelegentlich gemäht, aber mit Rücksicht auf die umliegenden, durchaus erwünschten Wiesenblumen frühestens ab Mitte Sommer. Kurz, ich konnte mich ziemlich ungehindert ausbreiten. Bis der Landbesitzer mit dieser semi-professionellen Unkraut-Jäterin und Naturliebhaberin daher kam und von seinem Leid mit mir berichtete. Sie wurde von einem nicht nachvollziehbaren Ehrgeiz gepackt, meiner habhaft zu werden.

Seither rückt sie mir jedes Mal (JEDES MAL!!!) wenn sie hier ist, und das ist sie neuerdings ziemlich häufig, auf die Pelle. Tagelang schon ist sie auf allen Vieren durch die sonst so gehätschelte Blumenwiese gekrochen und hat an mir und meinen Artgenossen herumgerupft. Danach sieht es jeweils aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

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Zugegeben, es ist die einzig wahre Möglichkeit, unsereins in Schach zu halten. Nur mitsamt der Wurzel ausgerissen können wir unser Werk nicht vollenden. Die Frau lässt nicht locker und geht davon aus, dass sie sich früher oder später arbeitslos gejätet hat. Dabei verkennt sie völlig, dass ich im Dorf, ja was sage ich, in der gesamten Talschaft, Hunderttausende von Verwandten habe, die ungehindert wachsen dürfen. Und deren Samen lassen sich von dem Bisschen Zaun ums Areal nicht abhalten, auch im Garten des genannten Landbesitzers wieder eine neue Bleibe zu finden.

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Und wenn sie nicht ausgerissen wurden, so vermehren sie sich noch heute, die Berufskräuter.

Best of Corona

Kurz nachdem klar wurde, dass es mit Wanderungen in der Gruppe für längere Zeit gelaufen sein würde (was für ein absurdes Wortspiel…), rief ich einen WhatsApp-Chat unter dem Namen “WmF Anti-Viren-Koller” ins Leben. Ziel war es, in Kontakt zu bleiben, einander gegenseitig aufzumuntern, für Unterhaltung zu sorgen. Nicht alle haben den Chat gleich fleissig genutzt, den einen wurde das Geplapper schlicht zu viel.

Dennoch hat der Chat, und diese Zwischenbilanz kann man nach 6 Wochen durchaus ziehen, das Ziel bei weitem übertroffen. Er hat in den vergangenen 6 Wochen für regen, sehr regen Austausch gesorgt. Hatte ich mal ein paar Stunden keine Zeit, aufs Handy zu schauen, kam es vor, dass ich 40 neue Nachrichten hatte!

Mittlerweile droht mir der Chat, mit all seinen Bildern und Videos den Speicher des Handys zu füllen. Bevor ich den Verlauf leere, mache ich hier einen kleinen Rückblick.

Anfangs überwog das Thema WC-Papier. Ganz erstaunlich, was da alles herumgeisterte. Hier drei Beispiele aus mehreren Dutzend.

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In solchen Ausnahme-Situation lässt auch der Galgenhumor nie lange auf sich warten.

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Und natürlich beginnt man, sich Gedanken um die Gestaltung der vielen freien Zeit zu machen.

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… und wie es dann mal sein wird, wenn wir uns wieder sehen dürfen.

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Aber vorerst haben wir noch andere Sorgen.

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Homeoffice machte nicht vor vielen absurden Ideen Halt.

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Im Chat landeten auch immer wieder Bilder von kleinen Glücksmomenten, die jeder Einzelne von uns trotz allem hatte. Sei es ein Blümlein am Wegesrand, ein Kafichränzli unter Einhaltung von Social Distancing, eine Wanderung, die in der vermeintlich gut bekannten Umgebung Neues aufdeckte.

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Und nun also erhalten wir ab heute ein Stückchen Freiheit zurück. Wie wir diese nutzen, ist vorderhand jedem selber überlassen, denn noch dürfen wir nicht gemeinsam auf Wanderschaft gehen. 

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Der Chat hat gezeigt: Ihr seid auch in Krisenzeiten eine tolle Truppe. Ich freue mich aufs Wiedersehen.

Bliebed gsund!

Liebe Frauen

Stellt euch vor, die Corona-Pandemie wäre vor 40 Jahren gewesen. Als noch keine Frau im Bundesrat vertreten war.

Dann müssten wir wohl noch länger warten, bis wir zum Gwafföör gehen dürfen.

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Die aktuellen Mitglieder des Schweizerischen Bundesrats. Nicht alle mit der gleich aufwändigen Haarpracht.