Werden und sterben im Kürbisland

Wir hatten es gut gemeint mit ihnen. Wirklich. Wir pflanzten sie Mitte Mai auf den alten Komposthaufen und büschelten Holzwolle um sie herum. Diese, so hofften wir, sollte die gefrässigen Schnecken davon abhalten, sich über noch zarten Kürbispflänzchen herzumachen.

20210518_103704

Als wir das nächste Mal kamen, war die Holzwolle weg. Von den Vögeln vermutlich zu Nistmaterial umfunktioniert. Und vom Grünzeug waren nur noch kümmerliche Stängelchen übrig. Die Schnecken hatten ihr Werk nahezu vollendet. Aber sie hatten nicht mit dem Überlebenswillen der beiden Kürbisgewächse gerechnet. Diese behaupteten sich. Zwar mehr schlecht als recht, aber immerhin produzierten sie mehr Grün, als die Schnecken zu vertilgen im Stande waren.

Im Frühsommer entdeckten wir, dass aus letztjährigen Kürbiskernen weitere Pflanzen wuchsen. Und zwar von Beginn weg kräftiger und unversehrter, als die beiden gehätschelten Erstgeborenen. Es begann in alle Richtungen zu wuchern.

20210804_103323

Und während sich die Ranken (vorerst!) ungehindert ausbreiteten,

20210822_123232

setzte an der Basis die grosse Krise ein.

20210822_123409

Es haben sich zahlreiche Fruchtansätze gebildet und den ersten Kürbis konnten wir bereits ernten.

20210822_123437

Dennoch glaube ich nicht, dass alle Ansätze im verbleibenden Sommer zu Früchten ausreifen werden. Deshalb griff ich rigoros ein und entfernte viele der Seitenranken. Es ist auch so noch mehr als genügend Grünzeug vorhanden. Und aus den zarten Triebspitzen samt allfälliger Blüten/Mini-Kürbisse, bereitete ich ein leckeres Gericht zu.

20210822_123733

Ich bin ja mal gespannt, wie üppig die Kürbis-Ernte dieses Jahr ausfallen wird.

Beweisstück Unterhose (3)

Der grosse Tag war da. Die Unterhose war zwei Monate im Boden und musste ausgegraben werden. Ohne die Markierung hätte ich die Grabstätte wohl kaum mehr gefunden.

20210701_094547_resized

Auch dieses Mal ging ich – sonst nicht so meine Sache in Gartenangelegenheiten – äusserst sorgfältig ans Werk. Prompt stach ich mit dem Schäufelchen in das, was die Bodenlebewesen noch von der Unterhose übrig gelassen hatten. Und das war tatsächlich nicht mehr allzu viel.

20210701_095709_resized

Experiment gelungen? Ich glaube schon, ja. Nun werden die spärlichen Überreste und die sechs Teebeutelchen getrocknet und zusammen mit der Bodenprobe und der ersten Unterhose zurück an die Uni geschickt. Dort werden sie genauso wie die anderen 1’000 Studienobjekte ausgewertet. Irgendwann werde ich an dieser Stelle berichten können, was bei all diesen unterirdischen Unterhosen rausgekommen ist.


Beweisstück Unterhose (2)

Bereits sind 38 Tage ins Land gezogen, seit der Bergler und ich die zwei Paar Unterhosen samt je sechs Teebeuteln im Garten verscharrt hatten. Höchste Zeit also, die erste Unterhose auszugraben! Wer den Einstieg damals verpasst hat, kann sich bei diesem Blogbeitrag schlau machen.

Zuerst galt es, einige Brennnesseln aus dem Weg zu räumen.

20210609_141413_resized

Danach stand einem sorgfältigen Ausgraben nichts mehr im Weg. Schäufelchen um Schäufelchen entfernte ich die Erde, wohl darauf bedacht, das Textil nicht zu beschädigen und Ausschau nach den sechs Teebeuteln zu halten.

20210609_142142_resized

Es kamen Regenwürmer zum Vorschein, Maden, Käfer, Steine, Tonscherben und selbst das eine oder andere Teebeutelchen.  Nach einem Akt, der Archäologen bekannt vorkommen dürfte, hatte ich das einst weisse Unterhöschen freigelegt.

20210609_142707_resized

Wie mir scheint, waren unsere Bodenlebewesen eher etwas faul. Zwei durchgehende Löcher je oben am Bund und einige weitere kleine Frassstellen. Naja, solch zerlöcherte Unterhosen würde wohl dennoch niemand mehr tragen wollen. Erstaunlich, dass sie nicht brauner wurden. Auf der offiziellen Website wurden Bilder von Unterhosen hochgeladen, die wesentlich schmutziger und mehr zersetzt sind. Auch die Teebeutel fand ich letztlich alle. Sie sehen noch ziemlich intakt aus.

20210609_143514_resized

Eigentlich bin ich etwas enttäuscht. Da unser Boden nie gedüngt oder mit Pestiziden behandelt wird, hätte ich gedacht, dass die Bodenlebewesen aktiver sind. Bestimmt spielte die Witterung auch eine Rolle. Es war insgesamt eher trocken. Mal schauen, wie die zweite Unterhose dann aussieht.

Jäten, jäten, jäten

Letztes Jahr hatte ich die vage Vermutung geäussert, ich könnte mich über kurz oder lang arbeitslos jäten. Nun weiss ich: Davon bin ich noch weit entfernt.

Im dritten Jahr schon rupfe ich mit einer Hartnäckigkeit, die ich mir selber nie zugetraut hätte, mehrmals pro Jahr in unserem Garten alle  Berufskräuter, die mir begegnen, aus. Dieses Jahr scheint es mir trotz aller Bemühungen mehr von diesem lästigen Neopyhten zu haben denn je. Von weitem schaut die Blumenwiese durchaus schön aus.

IMG_2325

Aus der Nähe jedoch offenbart sich die ganze Misere:

IMG_2323

Die hartnäckige Pflanze verdrängt länger je mehr alles, was eine schöne Blumenwiese ausmachen könnte. Deshalb musste ich einmal mehr zu radikalen Massnahmen greifen und die Wiese sah nach meiner zwei Tage dauernden Aktion aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

IMG_2328

Das war wohl vorher mal satt grün, aber nicht mit der gewünschten Sorte bewachsen.

Seit ich gelesen habe, dass Samen bis 5 Jahre lang im Boden keimfähig bleiben und man demzufolge sechs Jahre lang konsequent jäten muss, bis das Berufskraut verschwunden ist, sind auch meine Illusionen verschwunden, demnächst von diesem lästigen Einwanderer befreit zu werden.

Wer mehr über die Bekämpfung des einjährigen Berufskrauts (das leider alles andere als einjährig ist…) wissen will, wird HIER fündig.

Des Gärtners Edelmetalle

Der Bergler und ich hatten über den Winter genügend Gelegenheit, neue Projekte im Garten auszuhecken. Mittlerweile ist die Zeit gekommen, um diese eins ums andere umzusetzen.

Der Kompost wird landläufig auch als das Gold des Gärtners genannt. Als derart preziös hätten wir den umzingelten Dreck zwar nicht bezeichnet. Aber da das Gitter übervoll zu werden drohte und wir parallel dazu in naher Zukunft Hummus brauchen werden, hatten wir uns entschlossen, den gesamten Kompost durchzusieben und umzuschichten.

In so einem Kompost leben bekanntlich ganz viele Kleinstlebewesen, die das laufend zugefügte Rohmaterial umwandeln und abbauen. Nachdem wir uns bis auf die unterste Schicht des Haufens, die gemäss Bergler über 10 Jahre alt sein dürfte, vorgearbeitet hatten, kennen wir nun diesen Mikrokosmos etwas besser. Er besteht nicht nur aus Springschwänzen, Regenwürmern und Käfern, sondern gleichermassen aus Teebeuteln, Knochen, Steinen und allerhand prähistorischen Tonscherben.

20210303_132850_resized

Der Neuzugang

… in unserem herbstlichen Garten entzückt nicht nur den lieben Bergler und mich, sondern auch die Bienen auf ihrer Suche nach der immer spärlicher werdenden Nahrung.

Bis zu drei Bienen gleichzeitig sammelten in ein und derselben Blüte nach Pollen.

Eine wahre Freude nicht nur fürs Auge, diese Herbstkrokusse!

Aus dem Leben eines Berufskrauts

Über Jahre hinweg glaubte man, man könnte mich mit einem simplen Rasenmäher in Schach halten. Rechtzeitig vor der Blüte schneiden und das Berufskraut kann sich nicht vermehren, so lautete die Devise.

Wie sehr haben sich die Rasenmäher-Leute getäuscht! Denn ich wusste mir zu helfen. Ein Schnitt zur rechten Zeit verlieh mir geradezu ungeahnte Kräfte, mein Vermehrungsdrang explodierte förmlich. Welcher Dilettant auch immer mir den deutschen Namen “einjähriges Berufskraut” verlieh, er hatte keine Ahnung, zu was ich fähig bin. Durch den Rückschnitt bilde ich nämlich Rosetten aus, die mehrjährig werden können und die Mathematik lautet simpel und einfach: Aus eins mach zwei. Kann gut sein, dass ich so für den Rest des Jahres nicht mehr zum blühen komme, aber weg von der Bildfläche bin ich deswegen noch lange nicht.

Auch in diesem Garten im Misox pflegte ich über Jahre hinweg ein angenehmes Leben. Wurde gelegentlich gemäht, aber mit Rücksicht auf die umliegenden, durchaus erwünschten Wiesenblumen frühestens ab Mitte Sommer. Kurz, ich konnte mich ziemlich ungehindert ausbreiten. Bis der Landbesitzer mit dieser semi-professionellen Unkraut-Jäterin und Naturliebhaberin daher kam und von seinem Leid mit mir berichtete. Sie wurde von einem nicht nachvollziehbaren Ehrgeiz gepackt, meiner habhaft zu werden.

Seither rückt sie mir jedes Mal (JEDES MAL!!!) wenn sie hier ist, und das ist sie neuerdings ziemlich häufig, auf die Pelle. Tagelang schon ist sie auf allen Vieren durch die sonst so gehätschelte Blumenwiese gekrochen und hat an mir und meinen Artgenossen herumgerupft. Danach sieht es jeweils aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

IMG_0636

Zugegeben, es ist die einzig wahre Möglichkeit, unsereins in Schach zu halten. Nur mitsamt der Wurzel ausgerissen können wir unser Werk nicht vollenden. Die Frau lässt nicht locker und geht davon aus, dass sie sich früher oder später arbeitslos gejätet hat. Dabei verkennt sie völlig, dass ich im Dorf, ja was sage ich, in der gesamten Talschaft, Hunderttausende von Verwandten habe, die ungehindert wachsen dürfen. Und deren Samen lassen sich von dem Bisschen Zaun ums Areal nicht abhalten, auch im Garten des genannten Landbesitzers wieder eine neue Bleibe zu finden.

IMG_0637

Und wenn sie nicht ausgerissen wurden, so vermehren sie sich noch heute, die Berufskräuter.

Wie wird Risotto gelb?

Meine Freundin war skeptisch, als wir ihr davon erzählten. Sie meinte, das sei doch nur ein Gag des Gartencenters, daraus würde sicher nichts werden. Der liebe Bergler und ich aber waren wild entschlossen, es zu versuchen. Die Vorstellung, einen Pilzrisotto mit Safran im Teller zu haben, dem nicht nur die selber gesuchten Steinpilze sondern auch eigener Safran zum kulinarischen Hochgenuss gereichten, fanden wir zu verlockend.

So kauften wir im Spätsommer diese 12 Zwiebelchen Safran-Krokusse und verhalfen ihnen zu einer standesgemässen Unterkunft. Wir sahen das Wohl darin, einen Topf in die Erde zu buddeln, damit wohl immer schön das Wasser abfliessen möge, aber bei Trockenheit auch Wasser von unten gezogen werden konnte, da wir ja nicht ständig präsent sind, um den Wasserhaushalt zu steuern. Wir scheuten keine Mühe und holten sogar einen Kübel voll Sand aus einem Bachbett, damit das Substrat ja schön durchlässig wurde.

Nach vollzogener Pflanzung ging selbstverständlich zuerst mal gar nichts. Auch als wir vier Wochen später wieder im Garten im Misox waren, war noch nichts zu sehen. Kein Halm! Bestenfalls Unkraut. Schon tauchten erste Fragezeichen auf. Da es aber erst zweite Hälfte September war, rechneten wir uns noch Chancen auf ein üppiges Wachstum aus.

Als wir vor zehn Tagen wieder gen Süden fuhren, waren wir sehr gespannt, was wir antreffen würden. Hurra! Was sich da dem Licht entgegen reckte, war diesmal kein Unkraut, sondern unzweifelhaft ein Krokus-Gewächs.

20191028_112328

Und schon am nächsten Tag öffnete sich die erste Blüte. Ganz ähnlich wie bei den Frühlings-Krokussen. Am Vorabend sieht man bereits etwas Farbe und am nächsten Morgen ist die Blüte offen. Wir waren begeistert, konnten allerdings beim besten Willen nur dieses eine Blümchen ausmachen.

IMG_8458

Die drei roten Fäden, die das teuerste Gewürz der Welt darstellen, sind gut auszumachen. Wir ernteten und trockneten sie. Davon alleine wird es zwar noch keinen Risotto geben, aber theoretisch steht uns ja noch mehr Blütenpracht bevor. In der Praxis allerdings ist leider so, dass wir vermutlich einige Blüten verpassen, weil wir nicht immer vor Ort sind. Dennoch, die Operation Safran ist erfolgreich angelaufen. Und schliesslich sind die Zwiebelchen, wie alle anderen Krokusse auch, mehrjährig.

IMG_8456

Versuchsobjekt Süsskartoffel

Die Euphorie war einmal mehr gross, als wir dieses Pflänzchen in die Erde buddelten. Wir wussten, es würde ein Experiment werden.

Es gedieh.

Und gedieh.

Und gedieh dann irgendwie nicht mehr weiter.

Heute wissen wir, weshalb. Wir hatten das viele Kraut, das eine Süsskartoffel-Pflanze produziert, aufgebunden. Klettern ist aber in der DNA der Pflanze nicht vorgesehen. Sie schaffte es nicht mehr, ihre Triebe mit ausreichend Saft zu versorgen. Als wir sie Mitte Sommer vom Gerüst runter holten, trieb sie freudig und üppig aus.

Dann eine kalte Nacht. Gift für das empfindliche Pflänzchen.

IMG_8243

Mitgenommen wie es war, beschlossen wir heute, sein irdisches Dasein abzukürzen. Wir schnitten alles Kraut ab und begannen zu buddeln. Gaaaanz vorsichtig. Zum Vorschein kamen zuerst ein paar dicke Wurzeln. In der Tat sind die Süsskartoffeln, die nur ganz entfernt mit Kartoffeln verwandt sind, nichts anderes als verdickte Wurzeln.

IMG_8248

Die Buddlerei ging vorsichtig weiter. Da! Eine Knolle. Ich versuchte, sie freizulegen, sie ja nicht zu verletzen. Dabei kam ich mir wie eine Archäologin vor.

IMG_8249

Als der ganze Topf umgeackert war, hatten wir die Gewissheit: Zweieinhalb Knollen.

IMG_8251

Nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, dass der Setzling Fr. 6.85 gekostet hatte.

Aber wir haben einiges gelernt. Und werden es nächstes Jahr hartnäckig nochmals versuchen.