Es gibt noch mehr andere Hunde in Frankreich

Als meine Mutter erfuhr, dass wir wieder zum Housesitting nach Frankreich fahren, fand sie das ganz toll. Aber nur so lange, bis sie erfuhr, dass wir diesmal nicht einen Hund hüten. Auch nicht zwei. Nein, ganze drei Hunde sind unter unserer temporären Obhut.

Darf ich vorstellen, Chasperli:

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Olly:

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und Lekoff:

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Okay, so heissen sie eigentlich nicht, aber wir nennen sie so. Sie sind etwas schwieriger zu halten, als wir uns das vorgestellt hatten. Die beiden Rüden Chasperli und Lekoff vertragen sich nämlich nicht und sind räumlich zu trennen. Das hatten wir zwar gewusst, wussten aber nicht, wie umständlich das in der Realität werden würde. Olly ist die Schwester von Lekoff und immer mit ihm zusammen. Aber unter was für Umständen! Ausser wenn wir sie raus in den umzäunten Garten lassen oder mit ihnen spazieren gehen, sind sie in einem Zimmer eingesperrt (auf Anweisung der Besitzer!). Sind sie mal draussen, sind sie relativ ungestüm (wen wundert’s!) und auch nicht ganz zimperlich mit ihren Krallen. Festes Schuhwerk ist in Anwesenheit von Olly und Lekoff wärmstens empfohlen.

Der Dritte im Bunde, Chasperli, ist der Schwierigste der drei. Und mit neun Jahren der Älteste. Er wohnt zusammen mit uns im Ferienhaus. Er ist sackverwöhnt und verhätschelt, gehorcht keinen Dreck. Mit uns muss sich der Zögling etwas umstellen. Ich finde nämlich, dass Hunde grundsätzlich nichts in einem Bett verloren haben. Und in meinem schon gar nicht!

Zweifel

Vorne Autos. Hinten Autos. Wieso tun wir uns das überhaupt an?

Hunderte von Kilometern weg von zu Hause. Ob es das Wert ist?

Einmal mehr eine Fahrt ins Ungewisse. Was wird uns erwarten?

Stau um Lyon. Eine lärmige Hotelübernachtung. Am Radio erzählen sie von den Flüchtlingen, die nur ihr nacktes Leben retten wollen; wir fahren einmal mehr nur zum Vergnügen weg.

Zweifel ob der Richtigkeit des eigenen Tuns und der Menschheit generell.

Einen halben Tag später die Aussicht aus dem vorübergehenden Domizil: Nicht von den schlechtesten Eltern.

Die Umstände vielleicht etwas umständlicher als angenommen. Aller Zweifel zum Trotz: Hier lässt es sich aushalten.

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Kein Gassi mehr

Es sind weit mehr als 700 Kilometer, die uns von der Provence trennen. Es sind Welten. In vielerlei Hinsicht. Wir haben sie genossen, diese Wochen der Beschaulichkeit in dem grossen Landhaus am Waldrand. Wir haben den Pool genossen, die Stille, die quirligen Märkte, den Sternenhimmel, die Velotouren ohne Winterwäsche, das gute Essen, die Wärme. Und natürlich das Goldschätzchen, das uns – trotz seiner mannigfaltigen Marotten – sehr ans Herz gewachsen ist.

Wir  hätten es durchaus noch länger ausgehalten. Aber zu Hause ist es ja irgendwie auch schön. Einfach anders. Mit ganz anderem Aufgaben und Möglichkeiten, anderem Tagesablauf und Prioritäten. Der Hund zum ausführen fehlt. Und damit die Motivation, sich nach dem Abendessen nochmals aus dem Haus zu begeben. Dabei haben diese Gassi-Runden nicht nur dem Goldschätzchen gefallen.

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Bedenken eines Basilikums

Als gebürtiger Südfranzose war es mir vergönnt, beinahe vier Wochen lang in herrlicher Umgebung gehegt und gepflegt zu werden. Meine Ersatzmutter las mir jeden Wunsch von den Lippen ab. Sie pflanzte mich in einen schönen Topf, rannte mit mir im Garten herum auf der Suche nach dem sonnigsten Platz, nahm mich in den ersten Nächten unters Dach, machte mir regelmässig meine zarten Füsschen nass.

Doch nun droht eine drastische Wende und ich habe allen Grund anzunehmen, dass ich den Zenit meines geschmackvollen Lebens bereits überschritten habe. Ihr glaubt es nicht? Leider ja. Ich werde nun nämlich in ein Auto verfrachtet und hunderte Kilometer nordwärts erst wieder das Tageslicht erblicken. Und was mich dort erwartet, ist eines so stolzen Südfranzosen ziemlich unwürdig.

Hier war es nämlich in den vergangenen vier Wochen gerade mal einen halben Tag lang etwas feucht und insgesamt blies drei Tage der Mistral, der mich beinahe ausgetopft hätte. Währenddessen begannen die Leute dort, wo ich hin muss, bereits die Arche Noah zu bauen.

Was für düstere Prognosen! Aber ich hab noch etwas Verstärkung mitgebracht. Aber – pssst! – nicht weitersagen, das soll eine Überraschung werden. Geteiltes Leid ist  bekanntlich halbes Leid.

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Na, seht ihr einen Unterschied zu damals?

Durchblickend

Es gibt garantiert Arbeiten, die mir mehr liegen, die ich mit weniger Abscheu verrichte. Und es gibt Leute, die mich davon überzeugen wollten, dass diese Arbeit unter meiner Würde sei. Dass ich mich – schönes Haus hin oder her – nicht so weit herablassen solle.

Aber als mich unsere Hausbesitzerin fragte, ob ich die Fenster putzen würde, konnte ich nicht gut nein sagen. Was ist schon ein halber Tag Arbeit, wenn man vier Wochen Zeit dafür hat? Und ehrlich gesagt finde ich durchaus, dass ich mich so weit herablassen kann, wenn man bedenkt, dass wir ohne viel Verpflichtungen gratis und franko in diesem herrlichen Haus wohnen konnten, das im Sommer für 4’000 Pfund pro Woche vermietet wird. Oder?

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“Unser” Haus in der Provence – mit sauber geputzten Fenstern nach Schweizer Methode.

Mein Name ist Hase

Jetzt wird es langsam an der Zeit, ein Geheimnis zu lüften.
Das Geheimnis um den wahren Namen unseres Goldschätzchens.
Ein Teil meiner Leserinnen und Leser dürfte ihn gar nicht kennen.
Das soll sich ändern.
Hier und jetzt.

Und weil hier schon so viel über das Goldschätzchen geschrieben wurde (der Name ist, unter uns gesagt, rein Flohnmobil-intern und nicht bis zu Frauchen vorgedrungen), mache ich es kurz.

Als seine Besitzerin ihn im Tierheim abholte, fand sie schlicht und ergreifend, dass der Hund eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem längst verstorbenen Vater hätte.
So, und genau so, kam das Goldschätzchen zu seinem Namen.

Darf ich vorstellen: Conrad.

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Salami-Taktik

Der Tag begann für mich grundsätzlich verheissungsvoll. Doch, doch, das kann man so sagen. Die Komischen – und zwar alle vier – begannen, sich in derbes Schuhwerk zu stürzen. Das war für mich schon immer ein gutes Zeichen. Dann wurde ich ins Auto verfrachtet und ein kurzes Stück weit gefahren. Es folgte ein kurzer Rundgang durch das mir bestens vertraute Dorf. Fünfundzwanzig wohlduftende Hundeschisse, vier Katzen und neun Markierungsstätten später standen die vier Komischen plötzlich bockstill. Da nahm mein Tag eine fatale Wende.

Ich musste in einen Bus einsteigen, für meine stattliche Wenigkeit wurde ein Obolus entrichtet (dieses Geld hätte man garantiert besser investieren können, ich hätte da schon geeignete Vorschläge bereit gehabt) und nur einer gewissen sprachlichen Ignoranz der vier Komischen, insbesondere aber dem Wohlwollen des Fahrers, hatte ich es zu verdanken, dass ich überhaupt mitgenommen wurde. Wollte der Kerl doch, dass ich einen Maulkorb trage. Unerhört!

Die Fahrt im Bus war nicht wirklich ein Highlight. Die Komischen sassen bequem in den Sitzen und ich musste mit dem widerlichen Fussboden Vorlieb nehmen. Keine Spur von Hund, nur abgelatschte Treter und Fussschweiss in diversen Duftnoten. Schlechter Service für so viel Geld! Als ich endlich an die frische Luft durfte, steuerten meine vier Begleiter schnurstracks eine Bäckerei an. Wie öde. Wer isst schon Croissants oder Baguettes?

Viel interessanter war da dieses zehn Zentimeter lange Stück Salami, das ich kurz darauf in einer engen Gasse aufstöberte. Obschon ich mich schon ordentlich drin verbissen hatte, waren die Komischen der Meinung, das sei nichts für mich. Gegenwehr zwecklos. Mit brachialer Gewalt öffneten sie mir die Schnauze und entrissen mir den Notproviant, der mich kulinarisch über den Tag getröstet hätte.

Denn die vier Komischen schlugen sich auf verschlungenen Wegen durch den Busch und ich musste mir ihr endloses Palaver anhören. Vier Stunden lang ging das so, nie durfte ich ab der Leine, dabei kreuzten Wildschwein-, Hasen- und Eichhörnchen-Fährten meinen Weg. Stattdessen lagen sie mir mit ihrem Geschwätz in meinen empfindlichen Ohren. Von Kochrezepten zu Wohnmobil-Stellplätzen, über Kindheits-Erinnerungen bis hin zu Velo-Sätteln.

Ich kann euch sagen, das war vielleicht ein Tag. Das nächste Mal muss ich mir etwas Gerisseneres ausstudieren, wenn ich wieder mal auf so ein kapitales Stück Salami stossen sollte. Denn mit der richtigen Salami-Taktik kommt man im Leben einfach weiter.

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Der verkannte Freund

Sie hatten mir erzählt, sie würden bald kommen. Mit IHM. Mit Fridolin.

Hurra, dachte ich, endlich mal etwas für mich. Etwas hundefreundliches. Nicht nur zwei weitere Komische, die mit meinen beiden Komischen endlos komisch palaverten, so wie letzte Woche.

Mit Fridolin wäre für meine Unterhaltung gesorgt. Ich würde mit ihm durch den Garten toben. Ihm meinen Wald zeigen. Ihn gönnerhaft durch mein Revier führen. Und wenn er ganz nett mit mir wäre, würde ich ihm sogar meine Lieblings-Pfütze zeigen.

Als Fridolin um die Ecke bog, überkam mich eine herbe Enttäuschung. SO hatte ich mir meinen Spielkameraden nicht vorgestellt.

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Das Wohnmobil heisst übrigens wirklich Fridolin. Ohne Kohl!
Seine Besitzer haben wir nur dank diesem Blog kennen gelernt.

Und das Goldschätzchen hat seine Enttäuschung in der Zwischenzeit verkraftet und geniesst die zusätzlichen Streicheleinheiten.

Am Anfang war der Spargel

Ohne Zweifel, Spargel hat hier und jetzt Saison. An jedem Gemüsestand wird er angeboten – in grün oder weiss, dick oder dünn. Allerdings geht Spargel hier in der Provence nicht als normiertes Stängeli in die Hände des Käufers über, sondern mitunter als krumme, verdrehte Kreatur, die oft genug erst unmittelbar vor dem Einpacken auf einheitliche Länge geschnitten wird.

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Spargeln wachsen aber auch im Wald. Zumindest war das mein allererster Gedanke, als ich diese Pflanze sah:

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Als die Tage ins Land zogen, wurde ich eines Besseren belehrt; der Spargel begann sich zu entfalten.

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Bis sich schliesslich die wahre Schönheit des “Gemüses” offenbarte.

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Leider tendiert der Spargel dazu, sich in den Schatten zu flüchten, wenn ich an ihm vorbei gehe.

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Weiss jemand, um welche Pflanze es sich handelt?